In Niedersachsen wird es nach dem Willen der niedersächsischen Landesregierung ab diesem Jahr keine Staatsjagden mit prominenten Gästen mehr geben. Das teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium am Dienstag in Hannover mit. Agrarminister Christian Meyer sagte, diese auf „hochherrschaftlichen Riten aus der Kaiserzeit“ beruhende Jagd des jeweiligen Landesherrn im Saupark Springe passe nicht mehr in die Zeit.

Meyer-ChristianEs werde auch keine Extra-Trophäen für besondere Personen auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler mehr geben, sagte Meyer. Die einmal im Jahr stattfindenden Staatsjagden standen jeweils unter der Schirmherrschaft des jeweiligen niedersächsischen Landwirtschaftsministers.

Die bislang auf Einladung des Ministerpräsidenten mit ausgewählten Prominenten und Honoratioren durchgeführten Jagden im Saupark Springe auf ausgewähltes Wild seien überholt. Auch hatte es in der Vergangenheit immer wieder Streit um die Auswahl und Veröffentlichung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Kosten der Veranstaltung gegeben. Diesen Ärger wolle man sich ebenso ersparen wie die Jagd von Tieren durch Ehrengäste, die oft keinen oder wenig jagdlichen Hintergrund hätten.

Die Würdigung der Jagd sowie der Jägerinnen und Jäger könnten anders erfolgen als durch eine fragwürdige Staatsjagd. „Wir stehen zu einer naturnahen Jagd und mehr Waidgerechtigkeit“, betonte Meyer. Es werde auch weiterhin Einladungen zu Jagden der Landesforsten geben. Diese seien allerdings an fachliche Kriterien und Notwendigkeiten orientiert. Die niedersächsischen Landesforsten bleiben somit nach Meyers Worten erfahrenen Jagdgästen vorbehalten, etwa bei Regionaljagden oder Jagden mit den Kreisjägermeistern.

Winkelmann,_Lutz-9065Der jagdpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Lutz Winkelmann, hat Landwirtschaftsminister Meyer wegen des angekündigten Endes der Staatsjagden im Saupark Springe kritisiert. „Es spricht Bände, dass in Meyers Wahrnehmung Jäger von heute gleich neben kaiserlichen Jagdgesellschaften des 19. Jahrhunderts rangieren. Die Behauptung, so genannte Ehrengäste der Jagden hätten in der Vergangenheit ,oft keinen oder wenig jagdlichen Hintergrund‘ gehabt, ist irreführend und diskreditiert sämtliche Gäste, die an diesen Jagden auf Einladung der Landesregierung teilgenommen haben. Nirgendwo in Deutschland darf ohne Jagdschein gejagt werden. Außerdem wurden im Rahmen solcher Jagden verdiente Bürger Niedersachsens gewürdigt – und das parteiübergreifend“ Es sei verwunderlich, dass sich in der Vergangenheit regelmäßig unter anderem auch Grünen-Politiker an derartigen, angeblich weniger waidgerechten Jagden beteiligt hätten.

Kritik übte Winkelmann auch an der Darstellung Meyers, wonach Gäste der Jagden auf Steuerzahlerkosten verpflegt und obendrein mit besonderen Trophäen belohnt worden seien. „Fakt ist, es gibt seit Jahren keinerlei Privilegien mehr für Teilnehmer dieser Jagden. Außerdem ist hier für Jagdgäste ein deutlich höherer Beitrag (50 Euro) für organisatorischen Aufwand und Verpflegung fällig als sonst in Niedersächsischen Landesforsten“, so der CDU-Abgeordnete, der darauf verwies, dass der Saupark auch zukünftig jagdlich bewirtschaftet werden müsse: „Ich frage mich, wer die Wildbestände künftig regulieren soll? Etwa verbeamtete Jäger, auf Steuerzahlerkosten? Hier führt Meyer seine eigene Argumentation ad absurdum.“

Meyers Einlassungen zum Ende der Staatsjagden offenbare dessen gespaltenes Verhältnis zur Jagd – und zu niedersächsischen Traditionen, die auch jeweils von SPD-Ministerpräsidenten bedenkenlos gepflegt wurden. „Die Ankündigung des Agrarministers, er stehe zur naturnahen Jagd und mehr Waidgerechtigkeit, muss für Niedersachsens Jäger unter diesen Umständen wie eine Drohung wirken. Agrarminister Meyer und die Jagd – das passt nicht zusammen.“

Foto Winkelmann: Foto AG Gymnasium Melle, CC-BY-SA 3.0

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