CELLE. Das Vergaberecht für Städte und Gemeinden wird immer komplexer. Viele Rechtsvorschriften und Vorgaben sowie Fristen müssen von den Kommunen beachtet werden. Der Landkreis Celle hat deshalb schon seit 2009 eine Zentrale Vergabestelle (ZVS) für die Kreisverwaltung eingerichtet und seit 2015 auch für die meisten seiner Kommunen diese Aufgabe übernommen. Jetzt hat sich die Stadt Celle entschieden, diesem Verbund ebenfalls beizutreten. Der Landkreis wird die Ausschreibungen für die Stadt sowie die Celler Stadtentwässerung und die Zuwanderungsagentur ab 1. Januar übernehmen. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter ab 2018 auch die Ausschreibungen für die Wirtschaftsbetriebe der anderen Kommunen durchführen.

Insgesamt werden dann im Gebäude an Trift 28 von sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 500 Vergabeverfahren abgewickelt. „Durch die Zusammenführung hat der Landkreis zwar höhere Aufwendungen. Ich sehe aber viele Vorteile, die der Region insgesamt nutzen. Deshalb ist die Bündelung dieser so wichtigen und gleichzeitig hoch komplexen Aufgabe richtig“, sagte Landrat Klaus Wiswe.
Celles Bürgermeister, Dr. Jörg Nigge, sieht in der Entscheidung für die Stadt nur positive Effekte. „Die Fachkenntnisse in diesem Bereich für alle Kommunen zusammenzuführen, ist der richtige Schritt. Gleichzeitig wird der Haushalt der Stadt Celle entlastet, was uns unserem Ziel wieder näher bringt, die schwarze Null bald zu erreichen“, sagte Nigge.

Die Vorteile der zentralisierten Durchführung der Vergabeverfahren liegen in der Bündelung von Spezialwissen sowie Synergieeffekten durch die größeren Einheiten. „Wir können bestimmte Leistungen für Kommunen zum Beispiel auf Wunsch gemeinsam ausschreiben und so bessere Konditionen erzielen“, erläutert der Erste Kreisrat Michael Cordioli. Außerdem müssen Leistungsverzeichnisse für bestimmte Ausschreibungen nicht von jeder Kommune neu erstellt werden.

Für die Städte und Gemeinden sowie den Landkreis lohnt sich laut Kreisverwaltung die ZVS auch, weil es eine höhere Rechtssicherheit gebe. Die Mitarbeiter der ZVS stünden bei den Verfahren im direkten Kontakt mit dem Rechnungsprüfungsamt, um mögliche Probleme gleich im Vorfeld zu vermeiden. Außerdem werde einer möglichen Einflussnahme von einzelnen Unternehmen auf den Vergabeprozess entgegengewirkt, weil Firmen nicht auf einzelne Sachbearbeiter treffen, sondern gleich auf ein ganzes Team, in dem jedes Verfahren mehrfach geprüft wird.

Die Arbeit in den ZVS umfasst unter anderem die Beratung der Fachbereiche und Kommunen des Landkreises, das Vorbereiten und Durchführen von nationalen und EU-weiten Vergaben, die Überprüfung der verschiedenen Leistungsverzeichnisse auf Vollständigkeit und Plausibilität sowie  Einhaltung der vergaberechtlich relevanten Vorgaben. Auch für die Unternehmen soll es ab dem kommenden Jahr einfacher werden. Zur weiteren Verbesserung des Dienstleistungsangebotes hat die ZVS ein anwenderfreundliches System aufgebaut, das den Bietern mit der schrittweisen Einführung ab Januar 2018 erleichtert, an den Ausschreibungen in elektronischer
Form teilzunehmen. Dies sichert laut Kreisverwaltung langfristig die wettbewerbsfördernde und objektive Vergabe.

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