Landtagsabgeordnete der SPD besuchen ITAG

Politik Von Redaktion | am Fr., 12.02.2016 - 18:10

CELLE. Heute besuchte der Arbeitskreis für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr der SPD-Landtagsfraktion die Firma ITAG, um sich ein Bild über die angespannte Lage der Bohrindustrie in Celle zu machen.



Gemeinsam mit der Fraktionsvorsitzenden der SPD im Niedersächsischen Landtag, Johanne Modder, Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende und dem Celler SPD-Landtagsabgeordneten Maximilian Schmidt ließen sich die Mitglieder des Arbeitskreises Wirtschaft, Arbeit und Verkehr einen Überblick über die Geschichte, den Aufbau der ITAG-Gruppe und deren wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren geben.

Gerhard Lunow, Chief Financial Officer der ITAG erklärte, dass die Hauptarbeitsgebiete der Firma auf der Lieferung von Zubehör für die Erdöl- und Erdgasindustrie, dem Niederbringen von Bohrungen nach Öl und Erdgas (inklusive Service) sowie zunehmend auch Bohrungen für die Geothermie lägen. „Wir sind eins der drei größten Bohrunternehmen in Deutschland und Europa, aber derzeit durchschreiten wir ein tiefes Tal“, sagte Lunow. Bedingt durch das Embargo gegen die GUS-Staaten sei ein Kernmarkt des Unternehmens komplett weggebrochen. Der niedrige Ölpreis, Fracking-Verbote, langwierige Umweltverträglichkeitsprüfungen und ein extrem hoher Wettbewerb mit China trügen ebenso dazu bei, dass sich die finanzielle Situation der Firma seit 2015 dramatisch verschlechtert habe, da notwendige Umsätze nicht mehr generiert werden könnten.

Die ITAG-Gruppe, die laut Lunow tief in den roten Zahlen stecke, habe versucht, zunächst mit Kurzarbeit der Situation entgegenzuwirken. Da alle Einheiten massiv defizitär gewesen seien, seien letztendlich Entlassungen unumgänglich gewesen: Während es in 2014 noch rund 480 Beschäftigte gewesen seien, habe man derzeit nur noch 316 Mitarbeiter. Die Folgen seien unter anderem Einbußen bei der Liquidität, Cash-Abfluss durch Sozialpläne und Interessensausgleiche, Engpässe bei neuen Investitionen und Fachpersonal-Fluktuationen. Für neue Projektierungen sei Finanzierungsbedarf entstanden. Ein Maßnahmenkatalog, bei dem die Sicherung der Liquidität oberste Priorität habe, sei erarbeitet worden. Eventuell müsse die Firmenstruktur verändert werden, Abteilungen zusammengefasst und möglicherweise auch weiteres Personal abgebaut werden, erläuterte der CFO die weitere Vorgehensweise.

„Für das laufende Jahr haben wir zum Glück drei bis vier Bohranlagen mittelfristig in Operation“, so Lunow. Auch das aufgehobene Embargo gegen den Iran biete Möglichkeiten den Umsatz wieder anzukurbeln. Die Firma erhoffe sich weiterhin eine Steigerung der Aktivitäten im Geothermie-Markt. Mit der Geothermie sei es möglich, ganze Gemeinden mit Energie zu versorgen, wie das Beispiel der Gemeinde Pullach zeige. Eine Bohranlage für Geothermie amortisiere sich bereits nach acht Jahren. Joachim West, Hauptgeschäftsführer der ITAG-Gruppe bedauerte, dass die Geothermie in der letzten Zeit einen leichten Rückschlag erlitten habe, da Versicherer das Risiko nicht mehr absichern wollten. Er glaube aber, dass es hier wieder aufwärts gehen werde, sobald einige laufende Geothermie-Projekte erfolgreich abgeschlossen seien. Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende wies auf ein Geothermie-Projekt in der Heese in Celle hin und richtete die Bitte an die Mitglieder des Arbeitskreises für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sich dieses Themas noch einmal anzunehmen. „Tiefen-Geothermie kann eine dauerhafte grundständige Versorgung sicherstellen“, ist Mende überzeugt.

Bezugnehmend auf das für die Erdöl- und Erdgasindustrie wichtige Thema Fracking, zu dem seit längerer Zeit dringend auf ein Gesetz gewartet wird, bat Mende: „Bitte helfen Sie, die Angstkampagnen gegen Fracking zu relativieren und machen Sie Druck, damit die Bundesregierung so bald wie möglich das Fracking-Gesetz verabschiedet.“ Auch Maximilian Schmidt drängte die Kolleginnen und Kollegen aus dem Landtag, sich für das Gesetz stark zu machen. Er sagte: „In Celle hängen 8000 Arbeitsplätze an dieser Branche. Die ITAG ist nur eines der betroffenen Unternehmen. Die Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben.“

Gerd Will, der wirtschafts- und verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion sowie die Fraktionsvorsitzende Johanne Modder versprachen, sich für eine baldige Verabschiedung des Gesetzes einzusetzen. „Der Bund hat ein deutliches Entscheidungsdefizit an der Stelle“, sagte Will. Modder betonte, dass das Land Niedersachsen die Fracking-Technologie weiter fördern wolle. Sie habe auch verstanden, dass die Geothermie vorangetrieben werden müsse. Was das aufgehobene Embargo gegen den Iran beträfe, wolle sie hier so gut wie möglich unterstützend auf Geschäftsbeziehungen in die Region einwirken.
Text: Angela Siems
Fotos: Peter Müller