Bauer sucht Verbraucher – Neue Imagekampagne „Echt Grün – Eure Landwirte“

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Do., 11.06.2020 - 09:27

CELLE. Der kommt mir irgendwie bekannt vor – dieser Gedanke könnte den Autofahrern in den kommenden Wochen durch den Kopf gehen, wenn sie einem Bus folgen. Üblicherweise kennt man die Gesichter, die einem von Werbeplakaten entgegenlächeln, nicht – makellos schön inmitten einer durchgestylten Umgebung scheinen sie einer Welt fern des eigenen Alltags zu entstammen. Blickt dem gelangweilten Autofahrer jedoch Hinrik Leinemann in blauer Sweatshirt-Jacke und mit ein paar Kartoffeln in der Hand entgegen, dann hat das mit einer abgehobenen Kunstwelt nichts zu tun. Hinrik Leinemann ist Landwirt in Nienhagen und zur Zeit ein Werbegesicht der niedersächsischen Bauern.

„Echt Grün – Eure Landwirte – gestern, heute, morgen, immer“ heißt die Kampagne, die eigentlich nicht neu ist, aber erst jetzt in die Stadt und den Landkreis Celle gelangt. „Schon vor viereinhalb Jahren hat die Vereinigung des Emsländischen Landvolks die Initiative ins Leben gerufen, ein Verband nach dem anderen schloss sich an“, erläutert der Vorsitzende des Celler Landvolks, Christoph Düvel. Mittlerweile beteiligen sich 13 niedersächsische Kreislandvolkverbände, von insgesamt 48.000 Mitgliedern aus ganz Niedersachsen sind 35.000 dabei. Celle ist der jüngste Neuzugang, seit Pfingsten lächeln Gesichter aus der Region für die Region. Die Cloppenburger Werbeagentur setzt auf den Bauern und die Bäuerin von nebenan. Situationen aus dem landwirtschaftlichen Berufsalltag als Momentaufnahme, überschrieben mit Allrounder, Versorger oder Klimaschützer bilden die Motive. Die Landwirtschaft als tragende Säule der heimatlichen Umgebung lautet die Botschaft.

Hintergrund ist das anhaltende, innerhalb der Branche empfundene Bauern-Bashing. „Wir werden für alles verantwortlich gemacht – Insektensterben, Erderwärmung und nun auch noch Corona“, sagt einer der Vorstandsmitglieder des Landvolks, Hendrik Niemann aus Kragen. Von der Bundeslandwirtschaftsministerin fühlt er sich schon lange nicht mehr vertreten. Folgt man den Aussagen der Standesvertreter, scheint sich eine zunehmende Kluft zwischen den Erzeugern von Lebensmitteln und denen, die die Produkte kaufen, aufzutun, die es zu überwinden gilt. „Wir stellen zunehmend fest, dass wir ganz andere Denkweisen haben. Wir werden von den Verbrauchern nicht mehr so wahrgenommen, wie wir sind“, erläutert Carsten-Wilhelm Drewes aus Baven. „Die Regale sind voll, aber die Leute dahinter werden nicht gesehen“, heißt es von Seiten des Landvolks.

Daran soll die Initiative, die sich im Celler Raum auf großen Plakatwänden, als Buswerbung und im Bahnhof als Poster auf dem Boden präsentiert, etwas ändern. „Es ist eine Imagekampagne“, sagt der Vorsitzende Christoph Düvel, aber die Landwirte möchten auch Gesprächsbereitschaft signalisieren und überzeugen. Für Carsten-Wilhelm Drewes steht fest: „Die moderne Landwirtschaft ist besser als die in den 50er und 60er Jahren“. Und Geschäftsführer Martin Albers ist sich sicher: „Landwirtschaft hat Perspektive!“