Kalibergwerk Wathlingen: LBEG will bisherige Erkenntnisse überprüfen

Umwelt Von Extern | am Do., 25.03.2021 - 19:52

HANNOVER/WATHLINGEN. Im Zuge der Sanierung des ehemaligen Salzbergwerks Niedersachsen-Riedel bei Wathlingen im Landkreis Celle hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie wesentliche Punkte aus den laufenden Genehmigungsverfahren noch einmal auf den Prüfstand gestellt, wie die Behörde heute mitteilt. Dies betreffe die Belastung des Straßenverkehrs durch die geplanten Transportfahrten, die Grundwassersituation und auch die Altlastenproblematik.  „Es ist wichtig, dass wir als Aufsichtsbehörde die Sorgen und Bedenken von Anliegern, örtlichen Behörden und Kommunalpolitik aufgreifen, unsere bisherigen Auswertungen mit Blick auf neuere Entwicklungen überprüfen und dann auch Transparenz herstellen“, sagt LBEG-Präsident Carsten Mühlenmeier. „Vor Abschluss dieser Überprüfungen wird das LBEG in den Genehmigungsverfahren keine abschließenden Entscheidungen treffen.“ Zu den einzelnen Punkten teilt das LBEG mit:

"Vorgeschichte und Hintergrund: Die Kali+Salz AG (K+S) hat im Jahr 1997 den Standort Niedersachsen-Riedel bei Wathlingen stillgelegt. Das Unternehmen ist nach Berggesetz zu Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen verpflichtet. Um das alte Grubengebäude zu sichern, wird das Bergwerk bereits seit dem Jahr 2007 geflutet. Um die Halde wieder nutzbar zu machen, ist eine Abdeckung beantragt. Flutung und Abdeckung sind beides erprobte Standardmaßnahmen im Nachbergbau. So sind die früheren Kali-Bergwerke in Sehnde bereits weitgehend geflutet, am 2019 stillgelegten Standort Wunstorf ist die Flutung in Vorbereitung. An der Halde Friedrichshall in Sehnde ist auch die Abdeckung der Halde praktisch abgeschlossen.

Zur Flutung des Bergwerkes Niedersachsen-Riedel: Die Flutung des ehemaligen Salzbergwerks ist nach § 7 Abs. 3 der Allgemeinen Bergverordnung über Untertagebetriebe, Tagebaue und Salinen (ABVO) zur Sicherung der Tagesoberfläche bei der endgültigen Einstellung des Betriebes gesetzlich vorgeschrieben. Um etwaige Schäden an der Oberfläche zu vermeiden, wird das Bergwerk von K+S seit Dezember 2007 planmäßig geflutet. Hierfür werden salzhaltige Wässer von der Halde und Wasser aus der Fuhse genutzt. Als Flutungsmedium zu bevorzugen sind salzhaltige Wässer, da diese das Grubengebäude nicht angreifen können. Aktuell hat K+S beantragt, salzhaltige Wässer auch von anderen niedersächsischen Standorten (z.B. Sehnde) per Lkw anzutransportieren und für die Flutung zu nutzen.

Zum Thema Rüstungsaltlasten: Derzeit wird in der Region über die im Bergwerk lagernden Rüstungsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg diskutiert. Zuletzt wurde im Jahr 2006, vor Beginn der Flutungsmaßnahmen, nach gründlicher Überprüfung festgestellt, dass keine Gefahren von den Rüstungsaltlasten ausgehen, zum Beispiel für das Grundwasser. Da die Altlasten aber in einem noch nicht gefluteten Teil des Bergwerks lagern, wird das LBEG die bisherigen Ergebnisse noch einmal genau überprüfen.

Zur Abdeckung der Halde: Die Halde soll laut Antrag mit Ton, Böden, Bauschutt und schließlich Humus abgedeckt werden, um sie dann begrünen zu können. Die Abdeckung soll verhindern, dass Niederschlagswasser die salzhaltige Halde dauerhaft auswäscht und damit das Grundwasser belastet. Für dieses von K+S beantragte Vorhaben läuft derzeit ein Planfeststellungsverfahren. In der Öffentlichkeit wird dabei viel diskutiert, ob die Halde bereits Kontakt mit dem Grundwasser hat bzw. durch die Abdeckung und der damit verbundenen Gewichtszunahme bekommen wird. Bisherigen Berechnungen und Annahmen zufolge, die das LBEG als Aufsichtsbehörde überprüft hat, kommt es nur bei extremen Witterungslagen mit viel Niederschlag im Schnitt alle 15 Jahre zu einem wenige Tage dauernden Grundwasserkontakt. K+S als Vorhabenträgerin hat nun angekündigt, den geäußerten Zweifeln mit weiteren Erkundungs- bzw. Überwachungsmaßnahmen zu begegnen. Mühlenmeier dazu: „Wir begrüßen diese zusätzlichen Maßnahmen ausdrücklich.“ Sie können weitere Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Haldenkörpers und zur Grundwassersituation bringen.

Zur Verkehrsbelastung: Im Zuge der Untersuchungen im Planfeststellungsverfahrens zur Abdeckung der Halde kamen ein externes Verkehrsgutachten und unter anderem die zuständige Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sowie der Landkreis zu dem Ergebnis, dass die Anlieferung von Stoffen per Lkw zum Standort Niedersachsen-Riedel erfolgen kann. Untersucht wurden u.a. die grundsätzliche Tauglichkeit der Straßen und Kreuzungen sowie Lärmemissionen. Nun sollen auch die möglichen zusätzlichen Transportfahrten durch die beantragte Anlieferung von Flutungswässern einbezogen werden. Präsident Mühlenmeier: „Wir müssen die geplanten Vorhaben von K+S am Standort Wathlingen im Ganzen betrachten. Das gilt insbesondere für die Verkehrsbelastung.“

Weitere Infos: Die ersten Arbeiten am Kalibergwerk Riedel zwischen Hänigsen und Wathlingen im Landkreis Celle begannen 1905, stillgelegt wurde es 1997. Das bei der Kaliproduktion entstehende Haufwerk wurde zur Halde Niedersachsen bei Wathlingen aufgeschüttet. Vor und im Zweiten Weltkrieg war das Bergwerk Teil der Heeresmunitionsanstalt Hänigsen."

Die CDU-Kreistagsfraktion hat sich zur Ankündigung des LBEG, seine bisherigen Erkenntnisse überprüfen zu wollen, heute wie folgt geäußert: 

„Die neuen Nachrichten aus dem Landesbergamt, die Fragen zum grundsätzlichen Sinn der Begrünung, der Rüstungsaltlasten, des Verkehrs und des Grundwasserkontaktes der Halde neu zu prüfen, sind gute Nachrichten für die Region“, zeigt sich Torsten Harms als Fraktionsvorsitzender der CDU im Celler Kreistag zufrieden. Gerade auch der letzte Beschluss des Kreistages zur Nichterteilung des Einvernehmens habe aus seiner Sicht dazu beigetragen, dass es zu einem Umdenken auf Landesebene gekommen ist.

„Kein Konzern kann gegen den Willen einer ganzen Region einfach etwas durchdrücken. Hier bedarf es schon des Nachweises, dass ein solches Projekt sinnvoll für die Menschen und Umwelt ist.  Ein Profitinteresse reicht da nicht aus“, so Harms weiter. Wortreiche Angriffe allein seien nicht immer hilfreich gewesen. Die gerade und sachliche Linie der beteiligten Gremien und Verwaltungen in den Gemeinden Nienhagen, Wathlingen, Uetze und die Samtgemeinde Wathlingen, aber auch des Landkreises, hätten letztendlich zu dem neuen Ansatz geführt. Die beharrlich vorgetragenen Sichtweisen der Bürgerinnen und Bürger hätten nun zur Beantwortung drängender und grundlegender Fragen geführt. Der Ankündigung des LBEG müssen aus Sicht der CDU im Celler Kreistag weitere Schritte folgen, die zu einer transparenten Abarbeitung der gestellten Fragen führen.

Auch die Bürgermeister im Südkreis begrüßen den Schritt des LBEG und teilen dazu mit: 

Die Bürgermeister Wolfgang Grube (Samtgemeinde), Jörg Makel (Nienhagen), Heike Behrens (Adelheidsdorf) und Torsten Harms (Wathlingen) haben gemeinsam, auch still hinter den Kulissen, daran gearbeitet: Heute nun verkündet das Landesbergamt einen Richtungswechsel. Greift die Fragen der Region auf und wird zunächst keine Genehmigung erteilen.

„Das ist doch ein großer Schritt“, befindet Jörg Makel, dessen Gemeinde vom Verkehr erheblich betroffen sein würde. Doch nicht nur der Verkehr wird auf den Prüfstand gehoben, sondern auch die grundsätzliche Frage, ob denn die Begrünung überhaupt einen Sinn mache. „Die Kali und Salz hat in den Antragsunterlagen erklärt, dass es keine negativen Auswirkungen auf das Grundwasser gibt. Wenn das so ist, dann macht das Projekt keinen Sinn und die Belastungen wären nicht hinzunehmen“, so Bürgermeister Torsten Harms, der gemeinsam mit seinem Rat eine Mediation anregen wird, um eine transparente Abarbeitung der gestellten Fragen zu gewährleisten.

Wolfgang Grube zeigt sich mit der Entwicklung ebenfalls zufrieden, da aus seiner Sicht die Landesbehörde nun deutlich gemacht hat, dass sie auch für die Bürgerinnen und Bürger der Region eine Schutzpflicht hat: „Gerade auch die Rüstungsaltlasten sorgen die Menschen sehr, daher ist es nur gut und richtig, dass diese mit den heutigen Erkenntnisse - auch aus der Asse – neu bewertet werden.“

Harms erhofft sich von diesem Schritt des Zugehens des Landesbergamtes auf die Region auch eine verbesserte Kommunikation unter den Beteiligten: „Diese ist erforderlich, um für die Bürgerinnen und Bürger erfolgreich zu arbeiten!“ Die vier Bürgermeister aus dem Südkreis sind sich jedenfalls einig, dass das Zusammenstehen aller Räte und der Verwaltungen auch in der Zukunft der richtige Weg ist.

 

K + S: "Bürgerinitiative entwirft Horrorszenario abseits aller Fakten"

KASSEL/WATHLINGEN. Am 22. Januar hatte die Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen gewarnt, dass K + S möglicherweise auch Flüssigkeit aus der Asse in das stillgelegte Kalibergwerk bei Wathlingen einleiten könnte (CELLEHEUTE berichtete). Außerdem könnten Gifte aus Rüstungsaltlasten, die dort lagerten, bei einer Flutung freigesetzt werden. Die K + S AG als Betreiber stellt sich diesen Aussagen jetzt entschieden entgegen und hat einen "Faktencheck" zusammengestellt. 

BI Umwelt Wathlingen warnt vor Rüstungsaltlasten im Kaliberg

WATHLINGEN. Die BI Umwelt Wathlingen befürchtet, dass K + S auch Flüssigkeit aus der Asse in das stillgelegte Kalibergwerk bei Wathlingen einleiten könnte. Außerdem warnt die Bürgerinitiative vor Rüstungsaltlasten, die dort ihrer Kenntnis nach lagerten. Arsen und weitere Gifte könnten freigesetzt werden, wenn die Flutung diese ehemaligen Kampfstoffe erreiche.

Kalihalde Wathlingen – Wie geht es weiter nach dem Kreistagsveto?

WATHLINGEN/CELLE. "Die Kalihalde ist eine Altlast und die muss so gesichert werden, dass es keine weiteren Salzauswaschungen in das Grundwasser und die Fuhse gibt. Andernfalls darf die Haldenabdeckung nicht genehmigt werden“, fordert der Kreistagsabgeordnete der Grünen, Gerald Sommer. Das Thema beschäftigt auch die Grünen im Landtag.