Aktionswoche Schuldnerberatung: Lebenssituation überschuldeter Menschen im Blick

Gesellschaft Von Redaktion | am Fr., 11.06.2021 - 16:56

CELLE/HERMANNSBURG. Alljährlich findet im Juni die von den Wohlfahrts- und Fachverbänden durchgeführte bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung statt, in diesem Jahr unter dem Motto ‚Der Mensch hinter den Schulden’. Im Mittelpunkt steht dabei die Lebenssituation überschuldeter Menschen.

Die AG Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) als Trägerin der Aktionswoche führt diese schon seit mehr als zwanzig Jahren durch. Laut Annett Postel, langjährige Beraterin der Schuldnerberatung Lüneburger Heide e.V., zeige die Corona-Pandemie wie unter einer Lupe die bestehenden Probleme schärfer auf. So seien geschätzt zwei Millionen Soloselbstständige und FreiberuflerInnen von Überschuldung bedroht. Dies zeige, wie finanziell prekär viele berufliche Existenzen aufgestellt seien. Menschen, die es vorher niemals für möglich gehalten hätten, würden von finanziellen Krisen bedroht. Dies gehe weit über den besonders gefährdeten Bereich der Grundsicherungsempfangenden und Niedriglohnbeziehenden hinaus.

Dies könne, so der Beraterin, zu einer Destabilisierung der Betroffenen in ihren finanziellen, familiären und psychischen Bezügen führen. Materieller Mangel führe oft zu geistigen und körperlichen Gesundheitsproblemen sowie zu Stress in der Familie, worunter besonders Kinder leiden. Schulen, Kitas, Sportplätze und Vereine können in Pandemiezeiten häufig nicht genutzt werden, dies stelle die Kinder und ihre Familien vor zusätzlichen Herausforderungen. In diesem Zusammenhang wird von den Fachverbänden schon seit Jahren eine existenzsichernde finanzielle Absicherung von Kindern gefordert. Die Krisen, Probleme und Sorgen der Ratsuchenden seien vielfältig. Dies bedürfe einer in finanzieller und personeller Hinsicht starken Schuldnerberatung, deren positive Wirkungen in diversen Studien nachgewiesen worden sei.

Eine der zentralen Forderungen der Aktionswoche ist die Verankerung des Rechts auf Schuldnerberatung auf gesetzlicher Grundlage, unabhängig von der Lebens- und Einkommenssituation der Ratsuchenden. Dies soll einher gehen mit einem bedarfsgerechten Ausbau der Beratungsstellen und deren auskömmlicher Finanzierung, so die Schuldnerberatung Lüneburger Heide e.V.
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Eine weitere Forderung ist eine deutliche Verkürzung der Speicherfristen von Schuldendaten bei Auskunfteien. Es sei zwar jetzt möglich, nach der jüngsten Reform im Insolvenzverfahren eine Schuldbefreiung nach drei Jahren zu erhalten. Diese würde aber bei der SCHUFA noch für weitere drei Jahre eingetragen bleiben, ebenso bereits erledigte Forderungen. So sei es für Betroffene schwer bis unmöglich, zum Beispiel eine neue Wohnung zu finden. Eine Speicherfrist von höchstens einem, besser einem halben Jahr wäre völlig ausreichend. Denn Wohnen sei ein Menschenrecht, das Überschuldeten und von Armut betroffenen Menschen nicht vorenthalten werden dürfe.

Schuldnerberatung Lüneburger Heide e.V. ist eine vom Landkreis Celle zugelassene Beratungsstelle. Ratsuchende können sich an die Schuldnerberatung Lüneburger Heide e.V., Markt 9 unter 05141 70 90 3-80 wenden. Eine Außenstelle gibt es in Hermannsburg, Weitere Infos unter https://www.sblh.de/