CELLE/PEINE. Die Unfall-Meldung liest sich nüchtern wie immer, doch welche menschlichen Schicksale und Tragödien sich dahinter verbergen, ist einem nicht immer bewusst. Er sah bei einen Unfall auf dem Heimweg von Celle nach Salzgitter den Tod vor Augen, doch „jeder Mensch hat wohl diesen einen persönlichen Schutzengel, der einen immer beschützt.“ Davon ist der Celler Rapper Mario Kerschies überzeugt.

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„Ich habe es am eigenen Leib gespürt. Auf dem Heimweg von Celle nach Salzgitter hat mir in der 70er Zone jemand die Vorfahrt genommen, indem er ein STOP-Schild übersehen hatte. ‚Scheiße, das war’s jetzt. Meine Zeit ist abgelaufen‘, schoss mir durch den Kopf. Ich habe noch kurz an meine Familie und meine Verlobte gedacht.“ Der Musiker hatte ihr erst am 29.6. einen Antrag gemacht. Trotz einer Vollbremsung habe er nichts mehr machen können und traf den anderen Fahrer am rechten Hinterrad.

„Nach dem Aufprall schaute ich in den Spiegel und tastete mich vorsichtig ab, ob alle meine Knochen noch heile waren. Mein Auto erlitt einen Totalschaden und fing an zu qualmen. Ob er auch Feuer fing, weiß ich nicht mehr, da ich schnell und unter Schock zum anderen Fahrzeug lief. Es lag auf der linken Seite. Unter Adrenalin versuchte ich, den Mann aus seinem Auto zu ziehen, um ihm vielleicht noch sein Leben zu retten. Rechtzeitig kamen Passanten zu Hilfe, die Krankenwagen, Polizei und die Feuerwehr informierten“; erinnert sich der 26-Jährige. Danach sei ihm schwarz vor Augen geworden und dann zusammengesackt.

Der Polizeibericht
Zwei Verletzte nach Verkehrsunfall

Am Montagabend, gegen 20:45 Uhr, kam es in Stederdorf auf der Ostumgehung (K 75) zu einem Verkehrsunfall, bei dem zwei Personen leicht verletzt worden sind.
Ein 47-jähriger Mann aus Hildesheim beachtete mit seinem Pkw Fiat an der Kreuzung zur K 20 ( Richtung Meerdorf) nicht die Vorfahrt eines 26-Jährigen, der mit seinem Pkw Peugeot auf der Ostumgehung unterwegs war. Im Kreuzungsbereich kam es zu einem Zusammenstoß, durch den der Pkw Fiat umkippte und auf der Seite zum liegen kam. Bei dem Unfall wurden beide Fahrzeugführer leicht verletzt. Sie kamen mit einem Rettungswagen ins Klinikum. An den Fahrzeugen entstand ein Sachschaden in Höhe von ca. 15.000,-Euro. Neben der Polizei war auch die Feuerwehr im Einsatz, da es zunächst hieß, dass ein Pkw in Brand geraten sei.

„Aufgewacht auf dem Gehweg sah ich uns beide an. Er, ein 47-jähriger Pakistani und ich – wir leben! Fuck, wir leben!“, findet der Rapper in seinem Facebook-Profil deutliche Worte. „Mir kamen Freudentränen. Ich konnte es selbst nicht wirklich glauben, nachdem ich mir diese Situation nochmal durch den Kopf gehen lies und alles bildlich vor mir hatte. Außer ein paar Kratzern, Prellungen und einem Schleudertrauma hat mir dieses kleine Auto ‚den Arsch gerettet‘.“

Auch der Notarzt sei beeindruckt gewesen, dass „man sich nach solch einen Verkehrsunfall noch ganz normal bewegen“ könne. „Eigentlich war ich mir sonst so sicher, dass mir so ein krasser Autounfall, wie man ihn aus dem Fernsehen oder der Zeitung kennt, nie im Leben passieren würde“, dachte Kerschies, dem seine Freunde eine eher „gemütlichere Fahrweise“ bescheinigen. „Aber wenn es das Schicksal will, muss man selbst gar nicht die Schuld haben, um in so etwas mit herreingezogen zu werden“, ist er nun eines Besseren belehrt.

Im Peiner Krankenhaus traf „endlich meine Familie ein. Ich war sehr froh sie in meinen Armen schließen zu dürfen. Am nächsten Morgen im Krankenbett aufgewacht, konnte ich mit leichten Schmerzen wieder aufstehen und glücklich lachen. Eins ist mir durch diesen Verkehrsunfall bewusst geworden. Mein Leben ist erst dann vorbei, wenn der liebe Gott und ich es bestimmen“, ist der Celler überzeugt. Der Unfall habe ihm „neue Kraft gegeben, niemals im Leben aufzugeben“ und ermahnt, einen Appell an alle zu richten: „Ihr habt euer Leben nicht ohne Grund bekommen. Cool seid ihr noch lange nicht, wenn ihr nicht angeschnallt Auto fahrt und währenddessen die Musik laut aufdreht. Und legt euer scheiß Smartphone zur Seite. Eine WhatsApp-, Facebook- oder Instagram-Nachricht kann immer warten – sonst wartet der Tod nicht länger auf euch.“

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