HANNOVER. Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte – VNL/VDR – sieht nach der heutigen Veröffentlichung der Studie der Bertelsmann-Stiftung enormen Handlungsbedarf für Niedersachsens Landesregierung in Sachen Lehrergewinnung. Nach 15 Jahren kontinuierlichem Rückgang kündigt sich der Studie nach ab 2025 ein Schüler-Boom an. „Diese an sich erfreuliche Tatsache hat große Folgen: Wenn die Landesregierung und die Kommunen nicht umgehend umsteuern, droht ein dramatischer Engpass an Lehrkräften und Gebäuden. Dabei herrscht schon 2017 an Niedersachsens Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen ein schmerzlich spürbarer Lehrermangel“, merkt der VNL/VDR-Landesvorsitzende Manfred Busch an.

Der VNL/VDR hat aber Zweifel, ob der Landesregierung der Ernst der Lage wirklich bewusst ist. Gerade hat Ministerpräsident Weil in einem Interview mit dem Weser-Kurier eine landesweit durchschnittliche Unterrichtsversorgung von 98,9 % mit der Bemerkung „Das lässt sich sehen“ bezeichnet. Dabei liegt laut VNL/VDR an sehr vielen Schulen des Sekundar-I-Bereiches die Unterrichtsversorgung nur bei etwa 95 %. Wie Weil die angekündigte Erhöhung auf mehr als 100 % Versorgung wirklich schaffen will, habe er offen gelassen. „Zu bedenken ist dabei, dass Maßnahmen zur künftigen Lehrergewinnung, die eine Landesregierung heute trifft, frühestens in sieben Jahren zum Erfolg führen können. Solange dauert es, bis eine Lehrkraft nach Studium und Referendariat mit voller Stundenzahl unterrichten kann. Deshalb muss umgehend reagiert werden“, mahnt Busch.

Dabei ist es für den VNL/VDR nicht verwunderlich, dass Niedersachsen bereits jetzt Schwierigkeiten habe, genügend neue Lehrkräfte zur Sicherung der Unterrichtsversorgung zu finden. In anderen Bundesländern könnten die Bewerberinnen und Bewerber gerade im Grundschul- und Sekundarbereich I vielfach mit einer höheren Besoldung und einer niedrigeren Stundenverpflichtung rechnen. „Bisher haben alle Maßnahmen in Niedersachsen nicht dafür sorgen können, die teilweise jetzt schon prekäre Unterrichtsversorgung wirklich in den Griff zu bekommen. Wie die Landesregierung das für die Zukunft meistern will, steht in den Sternen“, so Busch abschließend.

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