LeserMeinung: Kaufland in Celle – alles gut?

Leserbeiträge Von Extern | am So., 29.08.2021 - 21:45

CELLE. Gehören nur Kaufland und Lidl zu den schwarzen Schafen, oder vielleicht auch ALDI, Rewe, Penny, Netto etc.? Das fragt sich CELLEHEUTE-Leser Andreas Röper aus Celle.

“Kaufland eröffnet am 25. August in Celle“ war auch bei CELLEHEUTE als kurzer Beitrag zu finden. Real-Kauf war gestern und jetzt ist Kaufland. Also alles gut? Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihren Arbeitsplatz behalten oder einen neuen gefunden. Dass dieses Einkaufszentrum erhalten geblieben ist, freut bestimmt auch viele Verbraucherinnen und Verbrauscher. Aber ob sich auch die Stadtkasse über Kaufland freuen kann, ist eher unwahrscheinlich. 

Wir alle wissen inzwischen, dass Apple, Google, Starbucks und Amazon zu den Steuervermeidern gehören, die zwar die Infrastruktur Deutschlands nutzen, aber die in Deutschland erwirtschafteten Gewinne weitgehend in Steueroasen verschieben. Sie tragen also wenig bis kaum etwas zu unserem Gemeinwesen bei. 

“Wir bitten um Verständnis, dass wir zu steuerlichen Angelegenheiten keine Angaben machen.“

Erstaunt war ich allerdings, als ich am 18. März 2021 “Kontraste“ auf “Das Erste“ unter dem harmlosen Titel “Wer soll das bezahlen?“ geschaut habe. Es ging um die Folgen von Corona. Während große Teile von Handel und Gastronomie geschlossen waren, steigerten große Online-Händler massiv ihre Umsätze. Auch Discounter und Lebensmittelhändler freuten sich über Zuwächse. “Krisengewinner wollen alles, nur nicht abgeben!“ war die Botschaft des Beitrages. Es kam der Hinweis auf die üblichen Verdächtigen, aber dann die Überraschung: Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, nutzen ebenfalls eine Steueroase. Mittels einer Tochtergesellschaft der Schwarz-Gruppe in Dublin/Irland (SG Finance & Treasury Limited mit Büros oberhalb einer Lidl-Filiale) wird laut Kontraste-Bericht ein Milliardenbetrag verschoben und somit  Steuerzahlungen in Deutschland minimiert. Auf Anfrage des Senders teilte die Schwarz-Gruppe lediglich mit: “Wir bitten um Verständnis, dass wir zu steuerlichen Angelegenheiten keine Angaben machen.“ 

Gehören nur Kaufland und Lidl zu den schwarzen Schafen, oder vielleicht auch ALDI, Rewe, Penny, Netto etc. ?

Ein Dementi sieht für mich anders aus. Deshalb habe ich im April per Email an den Lidl Kundenservice geschrieben und um Aufklärung gebeten. Als Verbraucher kaufe ich, sofern ich es weiß, nicht mehr bei Firmen, die ihre Steuerbelastung in Deutschland mittels Steueroasen stark minimieren. Amazon gehört seit Corona zu meiner „schwarzen Liste“. Die Antwort von LIDL ließ nicht lange auf sich warten. Der Kundenservice schrieb freundlich: “Ihre Anfrage haben wir umgehend an den zuständigen Fachbereich weitergeleitet, welcher sich bei Interesse mit Ihnen in Verbindung setzen wird. Sollten Sie keine weitere Nachricht von uns erhalten, so bitten wir Sie, dies als Absage zu betrachten.“ Gehört habe ich anschließend nichts mehr.

Europa- bzw. weltweite Steuervermeidung ist im Rahmen der Gesetze legal. Nun hoffen viele auf die Mindeststeuer von 15%, die ab 2023 kommen soll. Der Satz entspricht aber nur der Körperschaftsteuer in Deutschland. Normale Betriebe zahlen zusätzlich u.a. auch Gewerbesteuer. Davon profitiert in erster Linie dann auch unsere Stadt. Durchschnittlich beträgt die Steuerlast in Deutschland für „normale“ Betriebe knapp unter 30%. Und diese steuerzahlenden Betriebe haben kaum eine Chance ihre Steuerlast zu minimieren.

Gehören nur Kaufland und Lidl zu den schwarzen Schafen, oder vielleicht auch ALDI, Rewe, Penny, Netto etc. Das würde ich gerne als Verbraucher wissen. Ein gutes Gefühl habe ich u.a., wenn ich auf dem Wochenmarkt, bei meiner Fleischerei, meinem Bäcker, dem Biomarkt oder Reformhaus in der Innenstadt oder dem Westerceller Edeka-Markt einkaufe. Ein besseres Gefühl hätte ich, wenn steuerlich für alle Marktteilnehmer die gleichen Bedingungen gelten würden und wenn nicht Einzelne mit Steuertricks aus meiner Sicht völlig ungerechtfertigt ihren Reichtum ins Unermessliche steigern.