Lesung: "Felices Bücher"

Kultur + Gesellschaft Von Redaktion | am Mo., 27.02.2017 - 17:31

Vor 95 Jahren wird Felice 1922 in Berlin-Tiergarten geboren, mit 17 Jahren plant sie ihre Ausreise aus Deutschland und stellt eine Liste mit Büchern zusammen, die sie im Handgepäck hätte mitnehmen dürfen. Die Ausreiseversuche gelingen nicht, sie taucht unter, wird im August 1944 verraten, kommt ins KZ Theresienstadt und nach Auschwitz-Birkenau. Im März 1945 verliert sich ihre Lebensspur in Bergen-Belsen, wo sie wahrscheinlich umgekommen ist, im Monat ihres 23. Geburtstages.

1994 erscheint Erica Fischers Recherche zu Felice: „Aimee und Jaguar“, 1998 folgt der gleichnamige Film. 1997 beginnt Oskar Ansull die Bücher (nach der in Fischers Buch dokumentierten Liste) in den Ausgaben der Zeit zu sammeln und in einen Koffer zu legen, um anhand der Bücher die Felice dahinter sichtbar werden zu lassen, was ihm seither in über 100 Lesungen bundesweit und über Grenzen hinweg gelungen ist.

Nach 20 Lese-Jahren soll dieser Koffer nun seinen Platz in der Gedenkstätte Bergen-Belsen finden. In gewissem Sinn zurückkehren zu Felice, damit der Inhalt nicht wieder in alle Winde verstreut wird. Einige der Bücher in dem Koffer haben weite Wege hinter sich, eines kam über Deutschland, Palästina und Israel 1998 nach Deutschland zurück, wie ein dreisprachiger Leihbüchereistempel im Buch deutlich macht.

Oskar Ansull kommentiert die geplante Lesung so:

"Liebe Freundinnen, Freunde und Bekannte,
die hier angezeigte Lesung wird - nach 20 Jahren und mehr als 100 Veranstaltungen - meine letzte "Felices Bücher"-Lesung sein. An diesem Abend werde ich nach der Lesung den Bücherkoffer an die Gedenkstätte in Bergen-Belsen übergeben. Der Koffer ist ein Dokument ganz anderer Art, als es vielleicht sonst in Gedenkstätten aufbewahrt wird. Die darin gesammelten Bücher zeugen - quasi auf einem Umweg, aus zweiter Hand sozusagen - von einer jungen Frau, die wahrscheinlich 1945 in diesem Lager umgekommen ist. Aber der Geist, der aus der Buchsammlung spricht, macht dies Leben auf berührende und fast direkte Art und Weise sichtbar. Die Bücher, die Felice liebte, haben überlebt und können in ihrer Summe Zeugnis eines Lebens ablegen. Vor 20 Jahren machte mich die Malerin Anna Adam (Hannover, heute Berlin) auf Felice aufmerksam, weil sie sich wünschte, dass ich in der Wander-Ausstellung: Das kurze Leben der Felice Schragenheim (nach Berlin in Hannover gezeigt) lese, dadurch kam ich auf die Idee, einen solchen Koffer zu packen. Dafür danke ich Anna ganz besonders, auch an dieser Stelle!"