Zu Beginn der 12. Celler Jugendbuchwoche las die bekannte Autorin Grit Poppe in der Halle der Hehlentorschule aus ihrem dokumentarischen Jugendroman „Weggesperrt“. Das Buch widmet sich der Willkür und Gewalt im Jugendwerkhof der DDR und beruht auf intensiven Recherchen der Autorin.

Empfang zur 12. JugendbuchwocheDer Roman ist die Geschichte des Mädchens Anja, das 1988 unerwartet von ihrer Mutter getrennt und in einen Jugendwerkhof gesperrt wurde. Mit entwürdigenden Methoden sollte sie dort zu einer sozialistisch funktionierenden Persönlichkeit erzogen werden. Das Buch ist ein Meilenstein gegen das Vergessen der Betroffenen. Mit Anjas Geschichte wendet es sich einem sonst kaum bekannten Teil der DDR-Vergangenheit zu.

Mit leiser, fast zarter Stimme las Grit Poppe schonungslos und offen über das Grauen der DDR-Jugendwerkhöfe. Die Lesung berührte und erschütterte die Zuhörer. Im Gespräch mit den zahlreichen Zuhörern, das von Gudrun Ehrhardt moderiert wurde, schilderte die Autorin ihre Recherche-Arbeit mit Betroffenen und brachte noch viele Daten und Fakten über die zuchthausartige Anstalt in Torgau.

Auch wenn in dem Roman dem Mädchen Anja am Ende die Flucht gelingt und sie zu ihrer Mutter zurückkehren darf, ahnte man, dass sie für immer seelisch verletzt bleiben würde. Ohne die leise Art, in der Grit Poppe vortrug, wäre das Gehörte kaum erträglich gewesen.

Foto: Peter Müller

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