*4. Aktualisierung* LHTV: 28 Hektar Wald brennen - Kreisübergreifender Löscheinsatz (mit Video)

Polizei + Feuerwehr Von Redaktion | am Do., 13.08.2020 - 09:24

HEIDEKREIS/CELLE/LÜNEBURG/UELZEN. Die anhaltende Hitzewelle hat in Niedersachsen für den ersten größeren Waldbrand gesorgt. Gegen 18 Uhr hat diesen nach ersten Ermittlungen ein brennender LKW Reifen auf der A 7 bei Allertal ausgelöst. Durch Funkenflug setze sich der Grünstreifen in Brand und griff rasend schnell auf die trockene Vegetation über.

Insgesamt breiteten sich die Flammen auf rund 28 Hektar Wald aus, eine nahegelegene Wochenendhaussiedlung mit rund 200 Bewohnern wurde vorsorglich evakuiert. Die Feuerwehren des Heidekreises sind seit gestern mit mehr als 200 Kräften im Einsatz, unterstützt seit der Nacht von den Wehren aus dem Landkreis Celle und seit heute Morgen ebenfalls die Kreisfeuerwehr Lüneburg. Unterstützung kam aus benachbarten Landkreisen mit Tanklöschfahrzeugen zur Wasserversorgung im Pendelverkehr. gegen 22:00 Uhr konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden. Die A 7 musste über Stunden in Richtung Süden gesperrt werden, es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Bis über zehn Stunden standen Autos in kilometerlangen Staus, darunter viele Familien mit Kleinkindern im Rückreiseverkehr. Sie kritisieren, dass sich bei dieser Hitze niemand um sie gekümmert habe. 

Aus Celle rückten Insgesamt rückten 38 Einsatzkräfte mit sieben Fahrzeugen an. Heute früh um 5:30 Uhr wurde die meisten Einsatzkräfte aus dem Landkreis Celle von anderen FeuerwehrkameradInnen ihrer Ortsfeuerwehren abgelöst, da sich die Löschmaßnahmen noch weiter hinziehen werden. 

Aktuell 9:30 Uhr: Meldung "Landkreis Lüneburg unterstützt beim Einsatz"

Die Kreisfeuerwehr ist auf dem Weg zu dem gestern ausgebrochenen Waldbrand im benachbarten Heidekreis. Dort unterstützt sie mit sechs Tanklöschfahrzeugen und knapp 40 Einsatzkräften. „Die Fahrzeuge transportieren in ihren Tanks insgesamt um die 10.000 Liter Wasser und werden vor Ort ständig wieder aufgefüllt“, erklärt Kreisbrandmeister Torsten Hensel. Zwar ist das Feuer aktuell weitestgehend gelöscht, dennoch können Glutnester den Brand schnell wieder entfachen. Aus diesem Grund muss der Waldboden durchnässt werden. 

Aktuell 10:55 Uhr: Feuerwehr-Einsatzbericht 

Circa 28 Hektar Wald an der A7 in Flammen – Wochenendhausgebiet evakuiert

Essel (tk) Am 12.08.2020 kommt es aus noch nicht vollständig geklärter Ursache gegen kurz nach 17:00 Uhr, auf der A7 zwischen der Anschlussstelle Westenholz und der Raststätte Allertal zu einem Brand der angrenzenden Böschung.

Als die Einsatzkräfte der Feuerwehren Krelingen, Hodenhagen und Bad Fallingbostel eintreffen, brennt der Böschungsstreifen auf einer Länge von circa 1,4km. Starker Wind treibt das Feuer in ein nahegelegenes Waldstück, welches auf Grund der anhalten Trockenheit und der bestehenden Waldbrandstufe 4 sehr zügig in Brand gerät. Das Feuer breitet sich circa zweihundert Meter weit in den Wald aus, ehe es von der Feuerwehr gestoppt werden kann. Insgesamt ist eine Fläche von circa 28 Hektar vom Feuer betroffen. Das großflächige Übergreifen auf eine Heidelbeerplantage kann verhindert werden.

Dafür ist jedoch ein sehr umfangreicher Kräfteansatz nötig. Im ersten Schritt werden nahezu alle wasserführenden Feuerwehrfahrzeuge aus der Umgebung alarmiert, allerdings unter der Prämisse, dass der Grundschutz in den Ortschaften gewährleistet bleiben muss. Der Flugdienst des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen und ein Polizeihubschrauber liefern wertvolle Erkenntnisse über die Ausbreitung des Feuers aus der Luft.

Durch die starke Rauchentwicklung wird gemeinsam mit der Polizei und der Samtgemeinde Schwarmstedt als Ordnungsbehörde entschieden, ein nahegelegenes Wochenendhausgebiet zu evakuieren, da sich dieses direkt im dichten Rauch befindet. Die circa 35 Bewohner kommen in von der Samtgemeinde Schwarmstedt organisierten Unterkünften unter. 

Zur Brandbekämpfung wird das Feuer von drei Seiten angegriffen. Das benötigte Wasser wird mit Tanklöschfahrzeugen im Pendelverkehr zur Einsatzstelle gebracht. Es werden mehrere Befüllstationen für die Tanklöschfahrzeuge mit Löschwasser eingerichtet. Im weiteren Verlauf wird auch eine circa 3km lange Schlauchleitung zur Aller verlegt.

Auch zur direkten Brandbekämpfung im Wald werden einige Kilometer Schlauchleitung verlegt. Die Arbeiten für die Einsatzkräfte bei Außentemperaturen um die 30° C sind körperlich stark belastend, da in Bereichen mit dichter Rauchentwicklung Atemluftfilter getragen werden müssen. Daher werden die Kräfte regelmäßig durchgetauscht und Einheiten ausgetauscht. Vorsorglich befinden sich zwei Rettungswagen der Johanniter Unfallhilfe aus Schwarmstedt vor Ort, müssen aber glücklicherweise nicht tätig werden.

Um weiterhin genügend Kräfte vor Ort zu haben, werden Teileinheiten der Kreisfeuerwehrbereitschaften des Heidekreises und der Bundeswehrfeuerwehr des Truppenübungsplatzes Bergen alarmiert. Ebenfalls unterstützen mehrere ortsansässige Landwirte die Löscharbeiten mit ihren Güllefässern, gefüllt mit Wasser. Im weiteren Einsatzverlauf werden durch den Einsatzleiter Thomas Ruß, Kreisbrandmeister des Heidekreises, auch Teileinheiten aus den Landkreisen Harburg, Celle, Lüneburg, Uelzen, Rotenburg sowie der Region Hannover eingesetzt. Der zuständige Regierungsbrandmeister Uwe Quante machte sich vor Ort ein Bild der Lage. Insgesamt werden bis zum Donnerstagmorgen circa 500 Einsatzkräfte vor Ort gewesen sein. 

Fachleute der Forst sowie der zuständige Waldbrandbeauftragte unterstützen die Löscharbeiten mit ihrer Expertise und organisieren am Donnerstagmorgen auch ein Holzerntegerät „Harvester“ der die Löscharbeiten unterstützt.

Für die Löschmaßnahmen war zu Beginn des Einsatzes die A7 in beide Fahrtrichtungen vollgesperrt. Nachdem der Verkehr in Fahrtrichtung Norden zeitnah wieder freigegeben werden konnte, blieb die Richtungsfahrbahn Hannover bis weit in den Donnerstag gesperrt. Viele LKW-Fahrer und auch einige PKW-Fahrer müssen die Nacht auf der Autobahn verbringen. Sie wurden von den Stauhelfern der Johanniter versorgt. Es bildeten sich auf den Umleitungsstrecken lange Rückstaus, so dass der Verkehr von der Polizei weiträumig umgeleitet wird.

Derzeit am Donnerstagmorgen finden weiterhin Nachlöscharbeiten statt. Dies ist eine sehr aufwändige Tätigkeit, da der Boden manuell mit Handwerkzeug aufgelockert werden muss, ehe die tiefliegenden Glutnester zu erreichen sind. Dabei kommen neben handgeführten Wärmebildkameras auch eine Drohne zum Einsatz.

Die Versorgung der Einsatzkräfte mit Mahlzeiten und ausreichend Trinkwasser wird durch den Fachzug Logistik der Kreisfeuerwehrbereitschaft Heidekreis Süd sichergestellt. Zur Aufnahme von Kraftstoff für die Einsatzfahrzeuge kann die Tankstelle auf der Rastanlage genutzt werden. 

Der Einsatz dauert noch an, ein Ende ist zurzeit noch nicht abzusehen.

Text: Thomas Klamet


Aktuell 13:55 Uhr: Polizei-Einsatzbericht

Ausgedehnter Waldbrand - Einsatzkräfte weiter im Einsatz

Essel: Am Mittwoch meldeten Verkehrsteilnehmer um 17:10 Uhr einen Böschungsbrand seitlich der der BAB A7 in Fahrtrichtung Hannover. Das Feuer breitete sich rasch auf das Esseler Waldgebiet aus. Aufgrund der starken Rauchentwicklung wurden 35 Bewohner des angrenzenden Wochenendhausgebietes evakuiert. Die BAB A 7 wurde zwischen Westenholz in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt. Während die Vollsperrung in Richtung Norden noch in der Nacht wieder aufgehoben werden konnte, ist die Fahrbahn in Richtung Hannover weiterhin gesperrt. Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. Mit der Freigabe wird gegen Nachmittag gerechnet. Die in der Nacht vor der Sperrung verharrenden Verkehrsteilnehmer wurden durch Hilfskräfte der Johanniter verpflegt.

Letztlich brannten 28 Hektar Wald, ein baldiges Ende des Löscheinsatzes war nicht absehbar. Daher begannen Polizeibeamte ab 19:30 Uhr die festsitzenden Pkw-Fahrer aus dem Stau herauszuführen, indem die Fahrzeuge gewendet und entgegen der Fahrtrichtung zur Anschlussstelle Westenholz geleitet wurden. Die Schwer- und Lastfahrzeuge konnten erst am Morgen ab 06:30 Uhr an der Brandstelle vorbeigeführt werden. Gegen 00:00 Uhr war das Feuer weitestgehend unter Kontrolle.

Die Feuerwehren holen im Pendelverkehr Wasser aus der Aller und haben die Wasserversorgung durch Verlegung einer 3 km langen Schlauchleitung ermöglicht. Mit Wärmebildkameras wird nach weiteren Glutnestern gesucht und diese weiter abgelöscht. Im Stau bedurften in der Nacht zwei Personen medizinische Hilfe, auf Grund gegebener Vorerkrankungen. Sie wurden notfallmedizinisch versorgt. Eine Person wurde kurz vor Mitternacht vorsorglich mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus verbracht.

Am Stauende in Höhe des Walsroder Dreiecks kam es gegen 23:45 Uhr zu einem schweren Verkehrsunfall. Der 40-jährige Fahrer eines französischen Pkw fuhr auf das Wohnmobil eines 63 Jahre alten Fahrzeugführers aus Hann. Münden auf. Dabei zog sich der Unfallverursacher schwere Verletzungen zu und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. In der Nacht waren 50 Polizeibeamte der Polizeiinspektion Heidekreis und der Polizeidirektion Lüneburg im Einsatz. Die Feuerwehren des Heidekreises wurden und werden weiterhin durch ihre Kameraden aus Celle und Harburg unterstützt. Insgesamt sind ca. 240 Helfer eingesetzt gewesen, die weiterhin durch neue Kräfte abgelöst werden. Darunter waren nachts auch der Flugdienst der Feuerwehr Celle und ein Polizeihubschrauber aus Hannover. Die evakuierten Wochenendhausbewohner konnten zwischenzeitlich in ihre Häuser zurückkehren. 

Aktuell Meldung Landkreis Uelzen, 16:45 Uhr: 

Einsatzkräfte der Kreisfeuerwehr Uelzen unterstützen Löscharbeiten im Heidekreis   

Einsatzkräfte der Uelzener Kreisfeuerwehr unterstützen seit gestern umfangreiche Löscharbeiten im benachbarten Heidekreis. Gegen 17 Uhr war es dort auf der A7 zwischen der Anschlussstelle Westenholz und der Raststätte Allertal aus noch ungeklärter Ursache zunächst zu einem Brand der angrenzenden Böschung gekommen, der sich anschließend auch auf ein nahegelegenes Waldstück ausgedehnt hat. Insgesamt ist eine Fläche von knapp 30 Hektar vom Feuer betroffen.

Aufgrund der hohen körperlichen Belastung der vor Ort eingesetzten Kräfte wurde gestern Nacht gegen 1.40 Uhr auch die Uelzener Kreisfeuerwehr alarmiert und entsprechende Einsatzkräfte angefordert. Insgesamt 25 Angehörige der Kreisfeuerwehr rückten daraufhin gegen 3.30 Uhr von Ebstorf zu dem Einsatz im Heidekreis aus. Dabei handelt es sich um den „1. Fachzug Nord“ der Uelzener Kreisfeuerwehr, der unter anderem auf die Versorgung mit Löschwasser bzw. den Wassertransport spezialisiert ist – Fähigkeiten, die zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Ausbreitung des Brandes und der schwierigen Wasserversorgung vor Ort dringend benötigt wurden.

Der Fachzug besteht aus insgesamt sechs Fahrzeugen, darunter ein Einsatzleitfahrzeug, ein Tragkraftspritzenfahrzeug sowie vier Tanklöschfahrzeuge. Die letztgenannten fünf Fahrzeuge kamen vor Ort dann in Form eines Pendelverkehrs zum Einsatz, um ausreichend Löschwasser bereitstellen zu können – mit Erfolg. 

Seit den heutigen Morgenstunden fanden jedoch weiterhin umfangreiche Nachlöscharbeiten statt, für die ebenfalls große Wassermengen benötigt wurden. Für die Uelzener Wehrmänner ist der Einsatz noch nicht beendet. Derzeit befinden sich die Angehörigen der Kreisfeuerwehr auf der Rückfahrt, ihre Rückkehr wird in Kürze erwartet.              

Fotos: Thomas Klamet / Michael Schäfer