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Festakt zum 725-jährigen Stadtjubiläum

„Liebeserklärung“ Nigges an Celle

04.06.2017 - 08:27 Uhr     siems    0

CELLE. Am Pfingstsamstag ging es los – das Celler Event zum 725. Stadtjubiläum mit einem Fest von Bürgern für Bürger. Zu einem solchen Anlass gehört selbstverständlich auch ein offizieller Festakt, zu dem am Samstagnachmittag rund 250 geladene Gäste ins Schlosstheater gekommen waren – unter ihnen Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Landtagspräsident Bernd Busemann, die sich vorab ins Goldene Buch der Stadt Celle eingetragen hatten. Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge freute sich, dass neben vielen anderen Ehrengästen auch die Delegationen von sechs der zehn Celler Partnerstädte zum großen Geburtstag den Weg nach Celle angetreten hatten.

„Der Zeitpunkt für die heutige Feier ist gut gewählt, denn die ‚Geburtsurkunde’ der Stadt Celle ist datiert auf Pfingsten 1292“, begann Nigge seine Festrede mit einen kurzen Abstecher in die Gründungszeit der Stadt. Mit einer „Liebeserklärung“ an seine Heimatstadt ließ er die Zuhörer in die vielen Facetten Celles eintauchen, die die Stadt seiner Meinung nach so liebenswert machen. Hierbei ging er auch auf vergangene Epochen und Ereignisse in der Stadtgeschichte ein. Seit jeher sei Celle offen für verschiedene Glaubensrichtungen gewesen – heute leben hier rund 70.000 Menschen aus 115 Nationen und 20 Glaubensrichtungen, erzählte Nigge. „Celle ist so liebenswert, dass es Heimat für viele Menschen aus aller Welt geworden ist“, ist der Oberbürgermeister überzeugt.

Die malerische Altstadt mit ihren über 450 Fachwerkhäusern, dem Schloss, seinen Parks und Gärten sowie einer lebendigen Kunst- und Kulturszene locke jährlich viele tausende Besucher aus aller Welt in die Herzogstadt – auch das mache sie liebenswert. Ganz schön sportlich seien die Celler mit über 20.000 Sportlerinnen und Sportlern in rund 80 Vereinen. Zudem habe es in der Geschichte der Stadt schon eine Menge sportlicher Höhepunkte gegeben, von den Ritterturnieren im 15. Jahrhundert über Pferderennen im 19. Jahrhundert bis zu Handball-Bundesliga und Fußball-Länderspielen, Triathlon-Wettkämpfen oder Ruderregatten in der heutigen Zeit. „Celle ist liebenswert, weil der Sport hier großgeschrieben wird“, findet Nigge.

Dass man an jeder Ecke auf Kunst und Kultur treffe, sei ebenso liebenswert wie die Celler Gastfreundschaft mit ihren besonderen Gaumenfreuden oder auch die Historie der früheren Bewohner des Celler Schlosses, die den Geschichten heutiger Stars und Sternchen in nichts nachstehe. „Wir können stolz sein auf diese wunderschöne Stadt“, war dann auch das Fazit des Vortrages des Oberbürgermeisters, mit dem er den Aufruf an die Gäste verband, sie mögen die Pfingsttage nutzen, um selbst den Zauber Celles zu entdecken.

Weil, der, wie er betonte, die Glückwünsche aller Bürger Niedersachsens überbrachte, sorgte gleich zu Beginn seines Grußwortes für Lacher im Publikum. Sein „Ich bin in Hannover aufgewachsen, einem Ihrer Vororte“, fand begeisterte Zustimmung bei den Gästen. Seit er in seiner Jugend mit seinen Eltern das erste Mal in Celle gewesen sei, habe er sich in der Stadt, die für ihn ein Aushängeschild des Landes sei, immer wohlgefühlt. „Celle ist eine Stadt, die mit betontem Stolz auf ihre Geschichte blicken kann“, sagte der Landesvater.

Aber auch heute habe die Stadt wirtschaftlich und kulturell vieles zu bieten. Es komme nicht von ungefähr, dass Jahr für Jahr so viele Menschen Celle besuchen. Mit Blick auf die Erdöl- und Erdgasindustrie bezeichnete er Niedersachsen als das kleine Texas Deutschlands – Celle sei sein Zentrum. Er gehe davon aus, dass es der Erdöl- und Erdgasindustrie aufgrund des neuen Fracking-Gesetzes bald besser gehen werde, da er mit einem deutlichen Anstieg der Investitionen in diesem Bereich rechne, so Weil.

Das Entscheidende für die Zukunft einer Stadt sei die Frage, aus welchem Holz die Bürgerinnen und Bürger geschnitzt seien. Bei seinem Rundgang durch die Stadt vor dem Festakt habe er den Eindruck gewonnen, dass die Bürger hier mit anpacken, so dass es mit der Stadt vorangehen könne, erklärte der Ministerpräsident. Mit einem Ausschnitt aus dem Bibeltext von Jeremia 29,7 wünschte er der Stadt Celle alles Gute.

In einer sehr philosophischen Festrede befasste sich Jens Lüpke, Direktor des Katholischen Forums Niedersachsens, nach einem Rückblick in die Zeit um 1800 mit der Frage, was es mit dem Populismus auf sich habe. „Der Populismus frisst sich durch ganz Europa“, sagte er. Das Aufkommen des Populismus signalisiere für ihn einen Konflikt in der westlichen Kultur, den man als extrem krisenhafte Zuspitzung in der Moderne ansehen müsse.

Die kulturelle Krise gehe mit einer politischen Krise einher. Hier sei die Stadt heute zentral gefordert, drei große Herausforderungen zu meistern: Die Ermöglichung freier individueller Selbstverwirklichung, die Ermöglichung kollektiven Zusammenhalts und einen moralischen und rechtlichen Geltungsanspruch an alle zu stellen. „Den Populismus haben wir selbst vorbereitet“, ist Lüpke überzeugt. „Die Stadt sollte als zentrales Labor nachholender kultureller Verständigung wieder im Zentrum stehen“, appellierte der Direktor des Katholischen Forums. Er wünsche der Stadt Celle Kultur und Segen.

Das Ensemble des Schlosstheaters lockerte die Veranstaltung durch einige szenische Spiel-Einlagen aus seinem neuen Stück „Figaros Hochzeit oder der tolle Tag“ auf. Gemeinsam mit der Bigband und dem Juventis Jugendchor des Kaiserin-Auguste-Victoria-Gymnasiums (KAV) Celle schafften es die mit viel Spielfreude agierenden Schauspieler und die mit ihnen ebenso begeisternd interagierenden jungen Musiker, dem Festakt eine Frische und Fröhlichkeit zu verleihen, die gern in die Zukunft der Stadt Celle mitgenommen werden darf.

Die komplette Rede von Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge: Rede Festakt Stadtjubiläum

Fotos: Peter Müller

 

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