Linke/BSG will Informationstafel für Mahnmal auf dem Waldfriedhof

Von Redaktion | am Di., 22.04.2014 - 19:15

Das erste Mahnmal für die Opfer des Massakers vom 8. April 1945 entstand auf dem Waldfriedhof. Hier wurden auf einem Gräberfeld, das in der zeitgenössischen Verwaltungssprache auch als „KZ-Quartier“ bezeichnet wurde, insgesamt 320 Nazi-Opfer bestattet. Neben 246 Opfern des KZ-Häftlingszuges sind hier auch 51 KZ-Überlebende bestattet, die nach dem April 1945 in Celler Krankenhäusern starben sowie acht umgebettete Häftlinge aus anderen durch den Landkreis Celle führenden Todesmärschen und 15 politische Häftlinge aus dem Zuchthaus.

E_Gedenkstein_Waldfriedhof Medion   DIGITAL CAMERA E_Waldfriedhof_Gedenkstein_Kreuze E_Waldfriedhof_unbekannt

Der Vorsitzende der Ratsfraktion Die Linke/BSG, Oliver Müller, regt jetzt mit einem Antrag an, dieses Gräberfeld mit einer Informationstafel zu versehen: „Das Gräberfeld erklärt sich nicht selbst. Die Gedenktafel mit den Worten 'Ruhestätte für Opfer der NS-Gewaltherrschaft' gibt nur einen groben Hinweis. Aber nach den Forschungen von Bernhard Strebel könnte die Stadt jetzt auf wissenschaftlicher Grundlage über das verbrecherische Geschehen und die Opfergruppen informieren. Sinnvoll wären darüberhinaus auch Anmerkungen zur Geschichte des Mahnmals und seiner Ästhetik.“

Im Zentrum des Gräberfeldes stehen drei Eichenholzkreuze und die Gedenktafel. Eingerahmt werden die beiden Gräberfelder durch 320 kleine Gedenksteine, von denen eine kleinere Anzahl mit Namen, Geburts- und Sterbedatum versehen sind, der allergrößte Teil aber die Inschrift „unbekannt / April 1945“ trägt.

Müllers Fraktionskollegin Behiye Uca ergänzt: „Das Mahnmal ist vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Entstehungsgeschichte für die lokale Erinnerungskultur von Bedeutung. Wir fänden es sinnvoll, wenn die Stadt noch vor dem 70. Jahrestag des Verbrechens im nächsten Jahr am Rand des Gräberfeldes mit einer Tafel Besucherinnen und Besucher des Friedhofs wie auch Schulklassen, die sich in der Celler Geschichte auf Spurensuche begeben, vor Ort informiert.“

Die Fraktion Die Linke/BSG hat eine Behandlung im Kulturausschuss beantragt und hofft angesichts der überschaubaren Kosten auf eine Realisierung ihres Vorschlags spätestens im Februar oder März kommenden Jahres.

***

Hier der Antrag; von uns ungekürzt und unkommentiert:

Informationstafel auf dem Gräberfeld für die Opfer des 8. April 1945 auf dem Waldfriedhof

Die Stadt Celle stellt am Mahnmal/Gräberfeld auf dem Waldfriedhof für die Opfer des Bombenangriffs vom 8. April 1945 und des sich anschließenden Massakers an entflohenen KZ-Häftlingen eine Informationstafel auf. Diese Informationstafel sollte das Geschehen erklären und auf die hier bestatteten Opfergruppen (neben den KZ-Häftlingen auch KZ-Überlebende, die von Ende April bis November 1945 in Celler Krankenhäusern starben, sowie umgebettete politische Häftlinge aus dem Zuchthaus) hinweisen. Sinnvoll erscheint auch eine Erklärung der Mahnmal-Ästhetik. Zu erörtern wäre, ob auf der Informationstafel auch das in der Nähe gelegene Gräberfeld für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Erwähnung finden könnte, oder ob es sinnvoll erscheint, dort eine zweite Tafel anzubringen.

Die Verwaltung legt zur Beratung im Kulturausschuss eine Kostenkalkulation wie auch den Entwurf des Informationstextes zur weiteren Beschlussfassung vor.

Begründung:

Im April 2015 jährt sich das Ereignis dieses Kriegsendverbrechens zum 70. Mal. Das Gräberfeld hat zuletzt 1985 eine Veränderung erfahren, insoweit, als der Gedenkstein von „Ruhestätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges“ verändert wurde in „Ruhestätte für Opfer der NS-Gewaltherrschaft“. Diese Inschrift erklärt wenig. Nach der Studie von Bernhard Strebel („Celle April 1945 revisited“) ist es - wissenschaftlich gestützt - möglich, Informationen zu dem verbrecherischen Geschehen sowie insbesondere den hier bestatteten Opfergruppen und der Geschichte des Mahnmals zu geben.

Bezüglich des Gräberfeldes für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter liegen unserer Kenntnis nach leider ähnlich gesicherte Informationen nicht vor. Gerade deshalb könnte ein Erklärungsbedarf auch hier gegeben sein.