Literatur aus und über Celle - Oskar Ansull stellte Romane aus zwei Jahrhunderten vor

Kultur + Gesellschaft Von Redaktion | am Mo., 08.04.2019 - 11:30

CELLE. Zwischen den Gemälden und Skulpturen der aktuellen Ausstellung in der Galerie Dr. Jochim las und berichtete Oskar Ansull auf Einladung der Ernst-Schulze-Gesellschaft. Der aus Celle stammende Lyriker und Autor, der heute in Berlin-Pankow lebt, sprach als Literaturforscher. Schon 2010 hatte er einen Band über Literatur aus dem Celler Land herausgebracht, „eine Sichtung“, wie er schrieb. Noch in diesem Jahr soll nun seine Celler Literaturgeschichte erscheinen, ein umfangreicher Band mit dem Titel „Heimat, schöne Fremde“.

Zur Einstimmung auf diese Veröffentlichung sprach Ansull über „Romane aus, in und über Celle“. Die Zuhörer erfuhren, dass seit 1875 Romane erschienen sind, die in Celle spielen, auch wenn dieser Bezug nicht immer klar genannt werde: Den ersten dieser Romane, „Harte Gesetze“ veröffentlichte die aus Celle stammende Anna Kistner unter dem Namen Anny Albert. Auch die weiteren Romane stammen in der Mehrzahl von Frauen. 1889 erschien „Apollonia von Celle“ von Auguste von der Decken (Pseudonym: Auguste von der Elbe).

Zu einem Roman aus der Zeit vor dem I. Weltkrieg, Hermann Löns’ „Der Werwolf“ von 1910, berichtete Ansull, dass er riesige Auflagen erreicht habe. 1929 erschien der Roman „Freie von Ottenhaus“ von Hanna Fueß, die aus Altencelle stammte und die in Celle eine bedeutende Rolle gespielt habe, auch in der Zeit des Nationalsozialismus und danach. Aus der Zeit nach dem II. Weltkrieg zählte Oskar Ansull einige weitere Celle-Romane auf, so etwa „Insel der Kindheit“ von Marlis Straub, „Die Ersten und die Letzten“ von Waltraut Nicolas oder „Der blaue Heinrich“ von Fritz Graßhoff (1980).

Näher ging Ansull ein auf „Der Solljunge“, einen autobiografischen Roman von Jürgen Lodemann (1982), dessen Vorfahren aus Klein Hehlen stammten, wohin der Autor immer wieder einmal zurückkehrte. Das Buch ist auch eine Auseinandersetzung mit dem Vater, der den Familienhof nicht übernehmen wollte, Ingenieur wurde und dem Sohn 1936 ins erste Tagebuch schrieb: „Werde einst ein ganzer Mann!“ Diese für den Sohn nicht zu erfüllende Erwartung habe auf ihm gelastet. Nicht zuletzt ist das Buch eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit seiner Person. Zur Freude des Publikums rezitierte Ansull dann noch eine Reihe von plattdeutschen Brocken aus dem Buch, z. B. "schietendick", "döösigen" oder auch "düse Bambusen".

Schließlich stellte Oskar Ansull einen Roman von Hans Erich Nossack vor: „Dem unbekannten Sieger“ (1969). Dieser bedeutende Autor hat zwar keine nähere Beziehung zu Celle, er lässt aber einen Celler Gymnasiallehrer in einem Celler Gasthaus einem befreundeten Juristen den Fall eines unbekannten Siegers monologisierend berichten. Ansulls Darstellung endet damit, dass er erzählt, wie er selbst als gerade beginnender Buchhändlerlehrling in der Buchhandlung Brandt beim Auspacken einer Büchersendung diesen Roman fand und darin auf den ersten Seiten Celle entdeckte.

Großer Beifall für den lebhaften und animierenden Vortrag. "Man hat Appetit bekommen auf die für November angekündigte Celler Literaturgeschichte", so die Bilanz bei der Ernst-Schulze-Gesellschaft.