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„Macht das, was euch liegt“ – Zukunftstag 2019 zur Berufsorientierung an HBG und KAV-Gymnasium

29.03.2019 - 18:42 Uhr     Externer Autor    0
Fotos: Dennis Karrasch


CELLE. „Stellt euch ein Schulfach vor, das ihr nicht sehr gern mögt. Wie viele Unterrichtsstunden habt ihr davon circa in eurer gesamten Schulzeit?“ – Als Thorsten Maag von der Bundesagentur für Arbeit in Celle den Neuntklässlern am KAV-Gymnasium diese Frage stellt, herrscht zunächst Schweigen. Verständlich, denn leicht zu beantworten ist die gute Einstiegsfrage nicht. Die zaghaften Schätzungen reichen von 500 bis 3000. Es seien in etwa 1500 Stunden, verrät Maag, der seine zweite Frage gleich anschließt: „Nun schätzt doch einmal, wie viele Stunden Arbeitszeit ihr ungefähr in eurem zukünftigen Beruf verbringen werdet.“ Neuerliches Schweigen. Knifflig. Viel mehr? 30.000? Wenn man von einem Renteneintrittsalter zwischen 67 und 70 Jahren ausgehe, dann seien es annähernd 80.000 Stunden, lässt Maag die verdutzte Schülergruppe wissen – und hat damit gleichzeitig die enorme Wichtigkeit der richtigen Berufswahl unterstrichen.



Die Wichtigkeit der richtigen Wahl zu betonen und, damit verbunden, die zahlreichen Möglichkeiten in unterschiedlichsten Berufs- und Studienfeldern aufzuzeigen, war auch an diesem Zukunftstag das große Anliegen an Hermann-Billung- und KAV-Gymnasium. Im dritten Jahr arbeiteten die beiden Celler Gymnasien im Sinne der Berufsorientierung zusammen. Erstmals waren auch Schüler der Berufsbildenden Schulen eingeladen worden.

Am KAV-Gymnasium lag der Schwerpunkt auf Ausbildungsberufen. Je zwei Botschafterteams der Bundesagentur für Arbeit, der Veolia Water Technologies GmbH, der Sparkasse sowie des Landkreises zeigten den Neuntklässlern der Gymnasien Wege in diverse Berufe auf und informierten über verschiedene Ausbildungsinhalte. So wurden auch Berührungen mit Berufen gewährt, die Schüler von sich aus womöglich nicht in Betracht gezogen hätten.

Am HBG drehte sich alles um das Thema ‚Studium‘. Über 50 Referenten deckten dort ein äußerst breites Spektrum ab: Universitäten, Hochschulen und Akademien waren vertreten; Informationen zur Studienfinanzierung durch Stipendien und zu Überbrückungszeiten wurden ebenso vermittelt wie solche zu Bewerbungsmodalitäten und MINT- sowie anderen Studieninhalten. Bewerbungsanalysen und Interessentest wurden angeboten, und junge „Alumni“ berichteten von ihren frischen Studienerfahrungen. Die Zehnt- und Elftklässler beider Schulen hatten vorab fünf Favoriten aus dem vielfältigen Angebot wählen können, die sie nun in fünf aufeinanderfolgenden Zeitfenstern besuchten.

Wiewohl ein Teil der HBG-Schüler am KAV über die urige „Kloster- oder Hogwarts-Architektur“ staunte, zwischen befremdet und fasziniert, und KAV-Schüler am HBG ernüchtert bis erleichtert feststellten, dass auch neuere Architektur sehr treppenlastig sein kann, haben die Gymnasien ihre Kooperation wiederum klar als Erfolg verbucht. Das lag vielleicht auch an einem Spezialgast dieses Jahres:

Rente mit 67 oder doch erst mit 70 gar? – Was Thorsten Maag in seinem eingangs erwähnten Vortrag ansprach aber natürlich offen lassen musste, hätte Frank Schult vermutlich mit einem lässigen Schulterzucken quittiert. Der Mann ist Künstler, genauer: Maler, Grafiker und Bildhauer. Sein Beruf ist Berufung, und die definiert der Duden u.a. als „besondere Befähigung, die jemand als Auftrag in sich fühlt“. Da kann von Rente, Rasten, Ruhestand naturgemäß keine Rede sein. Ausführlich reden aber konnte der in Ilmenau geborene, 1988 aus der DDR ausgebürgerte, in Celle lebende Künstler zu seinem Vortragsthema: „Was es heißt, Kunst zu studieren“.

Etwa 20 Schüler hatten sich im HBG-Kunstraum eingefunden. Mit oft in assoziativem Freistil virtuos geknüpften Gedankenketten informierte Schult dort die musischen Eleven über künstlerische Stile, Rolle und Haltung des Künstlers in der Gesellschaft und umriss seine eigenen künstlerischen Anliegen: Seine Bilder sollen mit dem Betrachter über gesellschaftlich, ja existenziell wichtige Themen kommunizieren. Allzu viele Fragen hatten die jungen Zuhörer leider nicht, und wenn doch einmal scheu eine gestellt wurde, musste der Maler augenzwinkernd auf sein Alter Alter hinweisen: „Könnten sie bitte lauter sprechen? Ich bin 71!“

Dennoch: Schon allein, weil er zwischen Dualen und Trialen Modellen, zwischen Healthcare, Wirtschaft und Potenzialanalysen als waschechter Künstler mit Leib und Seele Exot war, konnte Schult mit seiner bloßen Anwesenheit den jungen Menschen eine zentrale Botschaft vermitteln: Wenn irgend möglich, macht das, was euch liegt, für das ihr vielleicht eine Bestimmung in euch spürt! Und seid originell! – Das kann man so stehen lassen“, finden auch die Organisatoren der Veranstaltung.





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