LEIPZIG/CELLE. „Glaube macht stark“ – macht er das wirklich? Auch im Gefängnis? Um dieses Thema ging es am 28. April bei der Jahrestagung des Schwarzen Kreuzes, diesmal in Leipzig. Oberkirchenrat Christian Schönfeld, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen, und Mathias Frankfurth vom sächsischen Staatsministerium der Justiz waren als Referenten eingeladen. Rund 500 Ehrenamtliche dieser Organisation der christlichen Straffälligenhilfe begleiten bundesweit Menschen im Gefängnis und helfen ihnen bei der Suche nach besseren Lebenswegen. Die Geschäftsstelle befindet sich in Celle, hatte diesmal aber nach Leipzig eingeladen, um ihren sächsischen Mitgliedern kürzere Anfahrtswege zu ermöglichen.

Christian Schönfeld dankte den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz im Gefängnis; ein „nicht leichtes“ Arbeitsfeld, das auch in der Bibel immer wieder auftauche. Jemand, der Schiffbruch erleide, brauche Impulse von außen, so Schönfeld. Man selbst habe oft einen Tunnelblick. „Wenn Sie sich für die Geschichte eines Menschen in Haft interessieren, dann helfen Sie ihm dabei, neue Perspektiven zu entwickeln.“ Erzählen können sei wichtig. „Man kann dabei Dinge verarbeiten, Lebenskapitel abschließen und weiterkommen.“ So wie die Jünger in der biblischen Emmaus-Geschichte, die Jesus ihr Herz ausschütten. „Solche Begegnungen können einen Menschen erfassen und sein Leben eindrücklich verändern.“ Die Emmaus-Jünger hätten dadurch Hoffnung und Stärke wiedergefunden. „Aber in unserer eigenen Hand liegt so etwas nicht: Es ist Gottes Geschenk.“

Macht der Glaube stark? Ein Automatismus sei das nicht. „Ein Mensch im Gefängnis, der zum Glauben gekommen ist, stellt oft fest, dass das allein nicht gleich alle Probleme löst.“  Aber mit dem Glauben könne ein gewisses Grundvertrauen da sein, das in schwachen Zeiten helfe.

Mathias Frankfurth stellte zunächst dar, dass sich im sächsischen Justizvollzug in den letzten Jahren viel verändert habe: Faktoren wie die Droge Crystal Meth, ein hoher Ausländeranteil, Sicherheitsfragen sowie sehr hohe Auslastung des Justizvollzugs führten zu einer enormen Belastung der Bediensteten. Da kämen fast zwangsläufig manche Dinge zu kurz. „Und da kommen Sie vom Schwarzen Kreuz ins Spiel.“ Außenkontakte seien im Gefängnis elementar. „Gefangene brauchen Menschen von draußen, die für sie offen und ansprechbar sind. Solche Kontakte sind für die Gefangenen Gold wert. Sie helfen, die oftmals von Monotonie und Trostlosigkeit geprägte Zeit der Haft und den Übergang in die Freiheit besser zu bewältigen.“

Niemanden verloren geben, beharrlich sein ohne Aufdringlichkeit, gelassen bleiben bei Rückschlägen und es später noch einmal versuchen – das zeichne die Arbeit des Schwarzen Kreuzes aus, soweit er sie kenne. Im Leitbild des Schwarzen Kreuzes sei verankert, dass man auf ein sinnerfülltes Leben in einer Beziehung zu Jesus Christus aufmerksam machen wolle. Das verglich Frankfurth mit der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen. Man könne eine Sucht nicht einfach durch den Entzug des Suchtmittels aufheben. Man müsse auch eine sinnvolle Beziehung an ihre Stelle setzen.

Das biete das Schwarze Kreuz den Gefangenen an: Bei Gefangenen sei oft eine große Unruhe und Rastlosigkeit spürbar. „Kleine Erfolge, so wichtig diese auch sind, stillen diese Unruhe nicht dauerhaft.“ Hier könne es helfen, mit einem unvoreingenommenen Christen über sinnerfülltes Leben und eine Hoffnung, die über den Tag hinausgehe, zu sprechen.

Während der Mitgliederversammlung wurde ein neuer Vorstand gewählt. Mit dabei sind
o   Helge Bonacker, Frankfurt, Interner Berater bei der Agentur für Arbeit
o   Henning Buchhagen, Celle, Pastor i.R., ehemaliger Gefängnisseelsorger.
o   Helmut Bunde, Döbeln, Referent für Straffälligen- und Suchtkrankenhilfe i.R.
o   Gabriele Lämmerhirt-Seibert, Hannover, Quartierskoordinatorin beim DRK
o   Walter Punke, Stade, Pastor/ Gefängnisseelsorger i.R.
o   Monika Weigel, Königsfeld, Mitarbeit im Familienbetrieb/ Ingenieurbüro
o   Inge Weigelt, Langenleube-Niederhain, Sozialarbeiterin in der Straffälligenhilfe der Stadtmission Zwickau e.V.

Zum Vorsitzenden wurde wieder Helge Bonacker gewählt, zum Stellvertreter Helmut Bunde.

Sachsen zählt zu den Regionen, in denen das Schwarze Kreuz viele engagierte Mitarbeitende hat. Nach der deutschen Wiedervereinigung leisteten einige Menschen eine beharrliche Aufbauarbeit. Vor allem das Ehepaar Annemarie und Edelbert Franzmann aus Dresden war ehrenamtlich von Anfang an in den allerersten Reihen dabei. In mehreren Städten wurden Arbeitskreise gegründet, die in Zwickau, Chemnitz und Dresden haben bis heute Bestand. Dazu kommen weitere Ehrenamtliche, die Briefkontakte führen oder Gefangene besuchen.

Das Schwarze Kreuz Christliche Straffälligenhilfe e.V. hilft seit 1925 bundesweit Straffälligen. Sein Anliegen ist es, Inhaftierte in eine bessere Zukunft ohne Straftaten zu begleiten und damit gleichzeitig neues Leid und neue Opfer zu verhindern. Das geschieht vor allem über Brief- und Besuchskontakte und über Gesprächskreise in den Gefängnissen. Die Geschäftsstelle in Celle begleitet und berät die rund 500 Ehrenamtlichen und die Inhaftierten und führt Seminare und verschiedene Projekte für sie durch. Das Schwarze Kreuz ist Mitglied in den Diakonischen Werk der Landeskirchen Hannover und Sachsen. Finanziert wird die Arbeit vor allem über Spenden.

Mathias Frankfurth;; Foto Wolfgang Jung

 

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