ESCHEDE. Marlies Petersen (Grüne) gibt ihr Gemeinderatsmandat in Eschede zurück. 2012 zog sie zusammen mit Sebastian Baumann in den Samtgemeinderat und Gemeinderat ein. Nunmehr soll Schluss sein, da sich die politischen Kräfteverhältnisse zu Ungunsten der Opposition geändert haben. Die Arbeitsbelastung durch gleich drei Direktmandate aus der Kommunalwahl im November 2016 sieht sie als zu hoch an. Sie sei gezwungen, ihre Kräfte auf die verbleibenden zwei Mandate zu konzentrieren.

Seit 2012 belebte die  Mandatsträgerin der Grünen die Escheder Kommunalpolitik. Von 2012 bis 2014 bildete sie noch mit Sebastian Baumeister eine Fraktion in Samtgemeinderat und Gemeinderat. Ohne Marlies Petersen wäre der Streit um die Art des Gedenkens von Peter Deutschmann, einem Opfer rechtsextremer Gewalt, wohl kaum konstruktiv beendet worden. Die damals von ihr beantragte Arbeitsgruppe hat einen von allen Beteiligten und auch von der Bevölkerung getragenen Abschluss gefunden. Letztendlich wurde vor der Kirche ein Gedenkstein erstellt.

In der Legislaturperiode 2014 bis 2016 erhielt Petersen die Mandate im Gemeinderat und im Ortsrat. Hier war sie stellvertretende Ortsbürgermeisterin. Dieses Mandat hat sie bei der Kommunalwahl 2016 wieder erhalten und belebt auch weiterhin den Ortsrat Eschede.

Ohne eine Fraktion im Hintergrund war es für Petersen im Gemeinderat schwieriger geworden, Gehör zu bekommen. Petersen beklagt, dass es im Gemeinderat nur einen einzigen Ausschuss gebe, in dem auch die Opposition Gehör finde. Hingegen sei im Verwaltungsausschuss die Opposition nicht berechtigt, Fragen zu stellen, selbst am Ende der Sitzung nicht.

„Mein Antrag auf die Fortbildung der Ratsmitglieder zum Thema Klimaschutz und die Einstellung eines Klimabeauftragten direkt im Rathaus, wurden von den anderen Parteien zwar unterstützt, aber in anderer Weise umgesetzt. Leider ist nun nicht ein für die Bevölkerung jederzeit greifbarer Mitarbeiter, der die Escheder Verhältnisse kennt, als Beauftragter im Rathaus tätig; dagegen übernimmt ein Ingenieurbüro die verschiedenen Aufgaben“, erläutert Petersen.

In der letzten Sitzung des alten Rates hat Marlies Petersen mit der Absage an die christliche Schule grünes Gedankengut in den Rat getragen. Nicht Platzmangel oder fehlende Konzepte, sondern die Grundüberzeugung und das Konzept der Schule waren aus ihrer Sicht anzuprangern. Der Ansatz, den Kreationismus mit der Evolution gleichzustellen, als auch Homosexualität als nicht gewollte Lebensform zu sehen, war der Fundamentaldemokratin ein Dorn im Auge, gefolgt von der angestrebten Struktur des Schulvorstandes, bestehend aus Vereinsmitgliedern des Trägervereins, in dem Rektoren, Lehrer und Eltern keine Mehrheit haben müssen – ein „no go“, laut Petersen.

„Mein Anliegen war immer die Schule ab der 5. Klasse vor Ort zu erhalten. Mit einem letzten Anstoß, der im Januar von den anderen Parteien auch getragen wurde, wurde im Kreis angefragt, ob die Gebäude der Oberschule als Außenstelle von einer der Celler Oberschulen bzw. der IGS genutzt werden können. Trotz akuten Platzmangels in allen OBS und der IGS wurde eine Absage erteilt. Damit ist das Projekt Schule ab 5. Klasse in Eschede vom Tisch“, bedauert Petersen nachdrücklich.

Neben den politischen Themen die sie im Gemeinderat beschäftigten, möchte Petersen ihr politisches Engagement bündeln und auf zwei Mandate (Kreistag und Ortsrat) konzentrieren. „Mit Stolz habe ich im November 2016 drei Direktmandate, auch das als Erstbewerberin in den Kreistag, bekommen! Das Vertrauen in meine Arbeit ehrt mich sehr, aber ich bin auch Kreisvorsitzende der Grünen in der Partei. Ein Bundes- und ein Landeswahlkampf stehen bevor. Ich habe festgestellt: ‚Ich schaffe das nicht!’ Mein eigentlicher Beruf als Sozialarbeiterin in der Migrationsberatung und in der sozialpädagogischen Familienhilfe, fordern mich sehr. Der Beruf ist auch meine Leidenschaft. Da lassen sich keine Abstriche machen.“

Das Mandat im Gemeinderat sei genau das, was sie nicht angemessen ausfüllen könne. „Ich bin zu wenig vor Ort, ich habe den Anspruch, immer auf dem Laufenden zu sein und mir zu allen Themen der Gemeinde eine Meinung zu bilden. Diesem Anspruch konnte ich nicht mehr gerecht werden. Die vielfältigen Aufgaben an zu vielen Fronten kosten viel Kraft und schlaggen sich auf Familie und Gesundheit nieder. Einem grünen Mandat kann Uwe Diederichs, der ab nun im Gemeinderat Grün vertritt, aber gerecht werden. Er ist vor Ort und ist gut vernetzt mit anderen Ratsmitgliedern“, erklärt Petersen ihre Situation, die diese Entscheidung damit klarstellt.

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