Martin Connell rockt die Schlösschen-Bühne

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Sa., 24.07.2021 - 10:52

CELLE. „Jetzt ist es an der Zeit, noch ne Portion Coolness dazuzugeben“, sagt Martin Connell und läutet damit die Wandlung eines Singer/Songwriters zu einem Entertainer mit Tanzqualitäten ein. Bis zu diesem Moment war das Programm des Freitagabends auf der Schlösschen-Bühne guter Folkrock und zwei Stücke Punkrock mit einem bestens gelaunten Connell, begleitet von den True Dramatics. Gespielt wurde vor ausverkauftem „Haus“. „310 Karten sind weggegangen, mehr geht nicht“, verkündete Gastgeber und Veranstalter Maximilian Mund, der gemeinsam mit Lucas Rosenbaum als Kanal 29 verantwortlich zeichnet für die Freilichtbühne im Französischen Garten, die vor Schlösschen-Kulisse und riesigen Bäumen eine einmalige Atmosphäre bietet. Entspannt hat es sich ein Teil der Besucher auf dem kleinen Hügel im Gras bequem gemacht, der Rest sitzt auf Stühlen, wer tanzen will, hat genug Freifläche.

Je weiter der Abend voranschreitet, desto mehr Gäste nutzen die Gelegenheit zu tanzen. Der Star auf der Bühne macht es vor. „Für den nächsten Song muss ich mir noch die Hose richten“, sagt er. Zuvor hat er die Kappe eingetauscht gegen eine Schiebermütze und sich eine dunkle Brille auf die Nase gesetzt. Er ist bereit für den Auftritt des Bläsertrios „The Cadillac Horns“, mit Posaune und zwei Saxophonen bereichern sie den Sound. Den Auftakt machen die Blues Brothers mit „Everybody needs somebody to love“ passend zu Connells Aussage: „Wir kommen zusammen im Namen der Liebe.“ Und dann legt er los, schmeißt die Beine nach links und rechts, dreht sich um die eigene Achse, setzt rhythmisch in Bewegung um, was „I’m a soul man“, „Jailhouse Rock“, „It must be love“ oder „One step beyond“ tänzerisch abverlangen. Es sind nicht allein die „Cadillac Horns“, die den Sound abrunden. Bereits bei der Vorstellung des eigenen Titels „Corridores of Misery“, das auf dem im Winter erscheinenden neuen Album zu hören sein wird, unterstützten Kim, Cosma und Sigrid mit ihrem Gesang. Louisa setzt mit ihrem Akkordeon Akzente.

Von Beginn an ist die Atmosphäre dicht, Connell scheint eine Fangemeinde zu haben, er erkennt einige Leute im Publikum, begrüßt sie, widmet manches Stück einzelnen Gästen, natürlich den weiblichen. Je dunkler es wird, desto höher steigt der Stimmungspegel, auch weil der Frontman eine Überraschung nach der anderen bereithält - erst das Damen- dann das Bläsertrio. Beide tragen dazu bei, dass sich die Bühne füllt sowohl mit musikalischer Vielfalt als auch mit einer Performance, die echte Entertainment-Qualitäten offenbart. Gegen Ende verzieht Connell sich in die zweite Reihe und überlässt den drei Damen die Bühne, mit „Rolling on the river“ stehen sie gesanglich ihrem Gastgeber mit seiner variantenreichen Stimme in nichts nach.

Stehende Ovationen signalisieren den Wunsch nach Zugaben, doch um 22 Uhr ist Schluss. „Die Anwohner haben auch ihre Rechte“, sagt Connell, bevor er sein begeistertes Publikum mit einem letzten Song verabschiedet: „Glory days“ von Bruce Springsteen am Ende einer glory night des „Celler Kultursommers“.