Fundgrube für die Lokalgeschichte: Material ans Stadtarchiv Bergen übergeben

Kultur + Gesellschaft Von Extern | am Fr., 11.12.2020 - 16:36

BERGEN. Bei einer formellen Übergabe im Standesamt der Stadt nahmen Bergens Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller und die Leiterin des Stadtarchivs Britta Hemme, neues Archivgut entgegen. Dabei handelt sich um einen überraschenden Dachbodenfund mit Unterlagen aus dem Bestand der Berger Konservenfabrik C.H. Meyer sowie dem Nachlass von Heinrich und Ella Hellberg.

Heinrich Hellberg, geboren 1870, war der Erbauer und bis 1909 Besitzer des Schlosses Bredebeck, das 1936 in den Truppenübungsplatz einbezogen wurde. Hellberg selbst war Standesbeamter in Bergen und ab 1919 Gemeindevorsteher. 1933 wurde er von der NSDAP abgesetzt. In seinem Nachlass befindet sich bspw. der Schriftwechsel mit der Obrigkeit von 1660 bis 1750 zu den Verwaltungsangelegenheiten des Gutes Bredebeck, sowie mehrere seltene Bücher aus dem 18. Jahrhundert. „Historisch gesehen sind die Unterlagen sehr wertvoll“, so Britta Hemme, „Vor allem in Bezug auf die Heimatgeschichte von Schloss Bredebeck und die Konservenfabrik Meyer. Von beiden Orten gibt es noch keine Unterlagen im Bestand des Stadtarchivs Bergen.“

Die Konservenfabrik bestand von 1870 bis 1953 in Bergen auf dem Grundstück der heutigen Harburger Straße 28. Das Unternehmen war auf das Konservieren von Heidefrüchten wie Kronsbeeren, Bickbeeren, Steinpilze und Brechspargel spezialisiert. Im Nachlass befinden sich die Kassenbücher seit der Firmengründung, sowie Inventarlisten, Bilanzen und Schriftverkehr. Auch in die Werbegeschichte gewähren die Unterlagen einen Einblick: Alte Anzeigen, Broschüren und auch die Konserven-Aufdrucke sind erhalten geblieben. „Bisher habe ich die Firmenunterlagen nur oberflächlich sichten können“, erklärt Britta Hemme, „aber aus dem, was ich gesehen habe, kann man wirklich sehr viel zur Zeitgeschichte und Entwicklung von Bergen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lernen.“

Gestiftet wurden die Unterlagen von Agnes Marie Roggenbach. Die geborene Bergerin ist im Alter von zehn Jahren aus Bergen weggezogen und lebt heute in Hemmingen, südlich von Hannover. „Ich finde es sehr schön, dass diese einmaligen Unterlagen über das Archiv anderen Menschen zugänglich gemacht werden“, sagt sie, „Mir war es sehr wichtig, dass die Unterlagen hier nach Bergen kommen, denn sie gehören zur Geschichte dieses Ortes.“ In den Besitz von Frau Roggenbach gelangten die Unterlagen über ihre Mutter, die eine Nichte zweiten Grades von Ella Hellberg war. Frau Roggenbachs Mutter war außerdem eine Enkelin des Kolonialwarenladenbesitzers und Gründers der Berger Konservenfabrik C.H. Meyer. Frau Roggenbach wurde durch ihren Vater, den ehemaligen Berger Pastor Bernhard Lange früh an das Thema „Heimatgeschichte“ herangeführt. Er besaß selbst eine umfangreiche Sammlung zur Orts- und Familiengeschichte von Bergen. Ein großer Teil seiner Unterlagen sind im Stadtarchiv Bergen und im Kreisarchiv Celle überliefert.

 „Wir freuen uns sehr, dass Frau Roggenbach als Kind unserer Stadt diese einmaligen Zeugnisse der Stadtgeschichte unserer Obhut anvertraut. Für die Lokal- und Heimatgeschichte ist dieser Nachlass eine wahre Fundgrube“, so Bergens Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller.