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Sparkasse und Landvolk luden zu "Zukunftsfragen einer modernen Landwirtschaft"

„Mechanismen müssen wieder mehr von Landwirten gestaltet und gesteuert werden“

15.02.2017 - 13:20 Uhr     CelleHEUTE    0

CELLE. „Zukunftsfragen einer modernen Landwirtschaft“ – unter diesem Titel stand die Veranstaltung, die die Sparkasse Celle gestern bereits zum siebten Mal zusammen mit dem Landvolk Celle für die hiesigen Landwirte organisiert hatte.

In Celle – der Heimatstadt des ersten Bauernpräsidenten Edmund Rehwinkel – begrüßte Stefan Gratzfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Celle, den Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken, der für den erkrankten und als Hauptredner vorgesehenen amtierenden Bauernpräsidenten Joachim Rukwied eingesprungen war. Vom Landvolk-Kreisverband Celle konnte Gratzfeld den Vorsitzenden Jürgen Mente sowie den Geschäftsführer Martin Albers begrüßen. Gratzfeld betonte die Bedeutung der Landwirtschaft für den Landkreis Celle und verwies auf die enge Verbundenheit der Sparkasse Celle mit den Landwirten der Region.

Jürgen Mente präsentierte aktuelle Zahlen zur strukturellen Aufstellung der Landwirtschaft im Landkreis Celle und berichtete über die aktuellen Themen und Aktivitäten im Kreisverband.
Bernhard Krüsken beleuchtete in der nächsten Stunde die Zukunftsfragen einer modernen Landwirtschaft und benannte fünf Herausforderungen:
1. Ein stabiles Europa.
2. Das Entschärfen des Dauerkonflikts Umwelt – Bauer.
3. Die richtigen Rahmenbedingungen für die Umgestaltung der Landwirtschaft
4. Eine politische Akzeptanz für Tierhalter
5. Neue Formen der Öffentlichkeitsarbeit.
Krüsken begann seine Ausführungen bei der momentan schwierigen politischen Situation in Europa und der Welt und betonte die substanzielle Bedeutung eines stabilen Europas für die deutsche Landwirtschaft. Gefragt nach der Haltung der Landwirte anderer EU-Staaten betonte Krüsken, dass alle Landwirte der EU-Staaten ein starkes Interesse an einer stabilen europäischen Gemeinschaft hätten.
Die Internationalisierung präge unsere Märkte und ließe Preiskrisen entstehen. Die Welt der offenen Märkte sei politisch gewollt und Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen alltägliche Wirklichkeit.

Krüsken riet dazu, Chancen auf dem Weltmarkt bei Drittländern zu suchen und Nischen zu finden.
Um Preiskrisen in der Vermarktungskette bis zum Lebensmittelhandel zukünftig zu vermeiden, müssten Mechanismen wieder mehr vom Berufsstand der Landwirte gestaltet und gesteuert werden. Erste Erfolge gäbe es mit dem neu gestalteten Kartellrecht in der Ernährungs- und Lebensmittelbranche. Die Milchpreiskrise sei zwar gerade überwunden, aber nun gelte es, zusammen mit den Genossenschaften Strukturen zu ändern und damit langfristige Lösungen zu schaffen.

Mit 12 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sei der Sektor Agrar und Ernährung der viertgrößte Arbeitgeber, dafür müsse das Bewusstsein geschaffen werden. Krüsken nannte diverse politische und regulative Rahmenbedingungen, die die Landwirtschaft nachhaltig beeinflussen: Da wäre zum einen das stark polarisierende Thema Tierhaltung, für das immer strengere Anforderungen und politische Auflagen gelten würden. Der deutsche Bauernverband fordert hier eine nationale Nutztierhaltungs-Strategie, zuvor müssten jedoch die Fragen nach dem Ordnungsrecht (Baurecht), der Zahlungsbereitschaft der Verbraucher, nach Voraussetzungen von Fördergeldern sowie nach einer zeitlichen Verbindlichkeit geklärt werden. Eine wirkliche politische Akzeptanz für Tierhalter sieht Krüsken als weitere Herausforderung für die Zukunft der Landwirtschaft an.

Zum anderen wären da die immer strengeren Regelungen der Umweltpolitik, deren Umsetzung den Landwirten Probleme bereiteten. Hier äußerte Krüsken auch Kritik an der jüngsten, nun gestoppten PR-Kampagne des Umweltministeriums. Gerade sei man gemeinsam auf einem guten Weg der Zusammenarbeit gewesen. Denn der Umbau der Landwirtschaft weg von einer Agrarindustrie sei schon längst im Gange.

Nicht zuletzt müsse es eine intensivere und besser abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit geben, die auch die neuen Medien und Kanäle wie soziale Netzwerke einbinde. Krüsken appellierte an die Landwirte, Einigkeit und Engagement zu zeigen und mit anderen Landwirten zusammen zu arbeiten, und das unter dem Motto: „Landwirtschaft hat eine Zukunft! Wer, wenn nicht wir?!“

Fotos: Peter Müller

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