Legendär ist die launige Rede von Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler, in der er gegen die eigene Regierung und Opposition ätzt. Allerdings so erfrischend, nett und unterhaltsam, dass ihm das bisher niemand übel genommen hat und dadurch seine Fangemeinde wenigstens auf Youtube gewachsen ist – während seine Popularitätswerte eher im Keller sind. Eine Wiederholung gibt es am Abend im Celler Tor nicht. Rösler ahnt wohl, wer den Großteil unter den 130 Gästen ausmachte: Ärzte, die, Hand auf’s Herz, nie richtig zufrieden mit einem Gesundheitsminister sind.

Immerhin zwei Mal bemüht Rösler einen Witz seiner Oma, um den halbstündigen Fachvortrag aufzulockern: „Wie lange dauert eine Erkältung? Mit Arzt sieben Tage, ohne Arzt eine Woche.“ Wenige scheinen diese Abwandlung des Witzes („Medizin“ mit „Arzt“ ersetzt) nicht zu kennen und lachen wohlwollend. Wohltuend auch seine freie Rede, die die Menge an Zahlen, Fakten und Binsenweisheiten nicht ganz so dröge machen.

Rösler wirbt dafür, dass gute Leistung auch gut bezahlt werden müsse. Mancher Besuch beim Arzt sei aus seiner Sicht nicht nötig, doch wenn die Leistungen auch künftig erbracht werden sollen, müsse Geld in die Hand genommen werden. Woher das kommen soll, kann auch dieser Abend nicht klären – dennoch ist Rösler von den Plänen der FDP für einen so genannten steuerfinanzierten Ausgleich zwischen Arm und Reich überzeugt.

Rösler erkennt, dass außerdem die „ausufernde Bürokratie“ den Medizinern die Zeit für ihre eigentliche Arbeit raube. Das gelte auch für den Bereich der Pflege, wirde in der anschließenden Diskussion deutlich. Aber auch hier: Problem erkannt. Lösung keine. Es bleibt bei Planungen und Wünschen und das Versprechen, 2011 zum Jahr der Pflegereform zu erklären. Dabei soll die so genannte „Minutenpflege“ wegfallen, die für alle Beteiligten entwürdigend sei.

Einen Gesundheitsapparat mit 4,7 Millionen Beschäftigten und 260 Milliarden Euro Jahresumsatz für alle Betroffenen zum einen und Lobbyisten zum anderen zufriedenstellend zu führen, bleibt wohl auch nach diesem Abend eine Illusion. Trotz allem sind sich Redner und Zuhörer einig: Das deutsche Gesundheitssystem sei das beste der Welt.

Kommentare sind geschlossen.