CELLE. Patienten nach dem Einsetzen eines künstlichen Gelenkes möglichst früh wieder auf die Beine zu bringen – das ist das Ziel des jetzt im Allgemeinen Krankenhaus in Celle (AKH) etablierten „Pfades der raschen Genesung“. Das Krankenhaus möchte damit eine möglichst frühe Patientenautonomie erreichen. “Untersuchungen haben gezeigt, dass eine frühe Mobilisierung nach der Operation (ca. vier bis sechs Stunden nach dem Eingriff) die Heilung beschleunigt und der Patient schneller das Krankenhaus verlassen und mit der Rehabilitation beginnen kann“, beschreibt der Chefarzt der Orthopädie, Professor Eckart Mayr, das neue Konzept. In einer Pressemitteilung erläutert das AKH den „Pfad der raschen Genesung“ wie folgt:

Das Konzept begleitet den Patienten über den ganzen Behandlungsverlauf hinweg. Dabei gestaltet das AKH die Patientenversorgung vom ersten Kontakt bis zur Entlassung so gesundheitsfördernd wie möglich. Die Patienten lernen in einer Patientenschule vor der Operation die medizinischen Hintergründe kennen und erfahren, was sie selbst zur Genesung vor und nach der Operation beitragen können. So wird ihnen z. B. schon vor der Operation gezeigt, wie sie ihre Gehhilfen richtig benutzen. Zudem lernen die Patienten bereits zu diesem Zeitpunkt ihr Behandlungsteam und gleichgesinnte Patienten kennen. „Das reduziert bei den Patienten die Ängste vor dem Eingriff und Krankenhausaufenthalt“, berichtet Professor Mayr.

Mit dem Pfad der raschen Genesung sind die einzelnen Behandlungsschritte eng aufeinander abgestimmt: So nimmt das AKH Patienten gut informiert und vorbereitet erst am Tag der Operation stationär auf. Die Implantation des Gelenkersatzes erfolgt besonders muskel- und weichteilschonend. Ausgewählte Narkoseverfahren und ein abgestimmtes Schmerzmanagement ermöglichen es, Patienten bereits am Operationstag zu mobilisieren. Ein gezieltes physiotherapeutisches Übungsprogramm nach der Operation und der schnelle Übergang in die Anschlussheilbehandlung runden das Konzept ab. Hintergrund dieses neuen Patientenprogrammes ist das wissenschaftlich anerkannte ERAS-Konzept (Enhanced Recovery after Surgery), das in vielen europäischen Ländern bereits zum Standard-OP-Prozedere in der Orthopädie gehört. Die sogenannten „evidenzbasierten Behandlungskonzepte“ für eine rasche Genesung sind durch viele Studien belegt und basieren auf der Kombination von klinischen und organisatorischen Verbesserungen(1-3): Standardisierte Behandlungsschritte in der Vorbereitung, während der Operation und in der stationären Nachbehandlung fördern den Heilungsprozess, so dass der Patient wieder früher mobil und selbständig wird. Dies kann zu einem kürzeren Krankenhausaufenthalt führen, die Gefahr von Komplikationen reduzieren (4,5) und vereint damit medizinischen Fortschnitt und  gesundheitsökonomische Vorteile. Das interdisziplinäre Projekt wurde 2017 im AKH Celle ins Leben gerufen und bereits erfolgreich getestet. Heute durchlaufen nahezu alle Patienten für ein Knie- oder Hüftgelenk dieses Behandlungskonzept „Die positiven Rückmeldungen unserer Patienten bestärken uns in diesem Konzept“, so Mayr.

Den Celler Pfad zur raschen Genesung hat die Orthopädie des Allgemeinen Krankenhauses in Celle gemeinsam mit  B. Braun eingeführt und dafür das Zertifikat „EndoPro – Pfad der raschen Genesung“ erhalten. Kliniken mit diesem Siegel haben ein anderthalbjähriges strukturiertes Projekt durchlaufen und ihre Prozesse nach dem mit wissenschaftlichen Studien belegten Konzept angepasst. Nach Einführung werden die Prozesse regelmäßig überprüft und im funktionsübergreifenden Team optimiert. Das AKH führt pro Jahr ca. 500 endoprothetische Eingriffe durch.

Weitere Informationen zum Pfad der raschen Genesung (ERAS):
www.akh-celle.de/patienten-besucher/kliniken-zentren-pflege/orthopaedie/

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