Im Notaufnahmelager Scheuen sollen viele unbegleitete Kinder und Jugendliche leben müssen, darunter mindestens zwei 13jährige Kinder, die seit September ohne einen Vormund leben. Auf diesen Missstand wies Behiye Uca von Die Linke./BSG hin (siehe Bericht). Stadtrat Stephan Kassel hat dazu umgehend Stellung genommen – ungekürzt und unkommentiert:

Kassel_StephanDer Zuzug von Flüchtlingen stellt die Kommunen vor große Herausforderungen. Auf die Stadt Celle kommt neben der Unterbringung von zugewiesenen erwachsenen Einzelpersonen und Familien auch die Versorgung unbegleiteter Flüchtlinge (umF) zu, deren größter Teil über die beiden Landesaufnahmeeinrichtungen Scheuen und Wietzenbruch kommt. Mit Unterstützung der Ehrenamtlichen und der Freien Träger gelingt es, diese Aufgaben zu bewältigen. Wir handeln und wir kriegen das hin!

Innerhalb von wenigen Wochen sind der Stadt Celle über die beiden Aufnahmeeinrichtungen ca. 80 umF bekannt geworden. Für uns heißt das: Wir sind derzeit zur Unterbringung von 36 umF verpflichtet. Sie dürfen nicht weiterverteilt werden und bleiben bis zur Volljährigkeit in der Obhut der Jugendbehörde. Die Stadt übererfüllt ihre Aufnahmequote um ein Vielfaches, denn die bis zum 01.11. zugewiesenen umF bleiben über diese Quote hinaus auch bei uns.

Wir haben alle vorhandenen Möglichkeiten zur Unterbringung genutzt und neue Möglichkeiten geschaffen. Dies reicht von Inobhutnahmestellen und Gastfamilien bis zu Heimeinrichtungen. Wir sind zuversichtlich, die 46 sich noch in Landesaufnahmeeinrichtungen befindlichen umF in Kürze im CJD unterzubringen.

Von der Schaffung anderer Notlösungen, wie die kurzfristige Belegung von Turnhallen oder ehemaligen Schulen hat die Stadt Celle bisher abgesehen. Sie bedeuten keine wesentliche Verbesserung. Zudem sind solche befristeten Maßnahmen erst seit einer Woche im Rahmen eines Akutversorgungskonzeptes durch das Land grundsätzlich geregelt. Wir haben daher gezielt das CJD ausgewählt. Das CJD bietet bekanntermaßen hervorragende Bedingungen zur Unterbringung. Das Sozialministerium und das Landesjugendamt sind über unsere Schritte informiert. Mit dem Landesjugendamt sind wir in Gesprächen und rechnen mit der erforderlichen Betriebserlaubnis in wenigen Tagen.

Für die sozialpädagogische Betreuung läuft derzeit eine Stellenausschreibung. Außerdem haben wir mit den freien Trägern Vereinbarungen getroffen. So hoffen wir, in Kürze auch personell sehr gut aufgestellt zu sein. Es ist davon auszugehen, dass in zwei bis drei Wochen allen noch in den Aufnahmeeinrichtungen befindlichen umF eine Unterbringung außerhalb angeboten werden kann. Zudem schaffen wir die personellen Voraussetzungen für die Übernahme von Vormundschaften.

Eines sollte klargestellt sein: Die jungen Menschen sind auch in Scheuen und Wietzenbruch professionell betreut! Mit den dortigen Mitarbeitern arbeiten wir eng und vertrauensvoll zusammen. Einige Jugendliche haben im Übrigen sogar den Wunsch, dort bei Verwandten zu bleiben. In Scheuen sind die umF beispielsweise gemeinsam untergebracht und werden pädagogisch betreut. Derzeit werden z.B. die Voraussetzungen geschaffen, dass die Jugendlichen in der ehemaligen Grundschule in Scheuen Sprachunterricht bekommen. Ohne diese Gewissheit einer den Umständen entsprechenden bestmöglichen Betreuung wäre die vorübergehende Unterbringung in der Notaufnahmeeinrichtung nicht denkbar.

Die Stadt Celle rechnet für 2016 mit mehr als 200 umF. Sie werden über das Jahr verteilt über die Erstaufnahmeeinrichtungen in Celle kommen. Danach werden sie weiterverteilt, solange die Quote der Stadt erfüllt ist. Andere Städte und Kreise werden sie nach 3-4 Wochen aufnehmen. Auch hierfür werden wir die notwendigen Plätze schaffen. Dabei wollen wir auch mit dem Landkreis zusammenarbeiten, der aufnehmender Kreis ist, bis seine Quote ebenfalls erfüllt ist. Das Thema wird uns alle noch weiter beschäftigen, insbesondere auch deshalb, weil viele Fragen noch ungeklärt sind und die Strukturen auf Landes- und Bundesebene noch nicht ausreichend vorhanden sind.

Es kann nicht alles sofort gehen, aber es muss und wird weiter gehen. In diesem Sinne habe ich das heute auch im Jugendhilfeausschuss der Stadt berichtet.

 

Kommentare sind geschlossen.