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Chef des Bundeskanzleramtes besucht Vertreter der Öl-Industrie

Minister Altmaier in Celle – Suche nach Antworten für krisengeschüttelte Branche

16.08.2017 - 19:30 Uhr     CelleHEUTE    0
Fotos: Peter Müller

CELLE. Peter Altmaier, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts, besuchte heute auf Einladung des heimischen Bundestagsabgeordneten Henning Otte (CDU) Celle. Im Mittelpunkt stand dabei ein kurzes Gespräch mit Führungskräften der hier ansässigen Bohrservicebranche am Standort des Drilling Simulators. Als Repräsentanten von „Hightech in der Heide“ erhielten die Repräsentanten der Wirtschaft Gelegenheit, Chancen und Herausforderungen ihrer Branche zu erläutern sowie Wünsche nach Berlin mitzugeben.

Es sei längst kein Geheimnis mehr, dass die Erdölbranche keine guten Zeiten durchlaufe. Die Krim-Krise 2014, die folgenden Sanktionen gegen Russland und eine Halbierung des Ölpreises machen es auch den zahlreichen Celler Bohrservice-Unternehmen schwer. Der massive Personalabbau in den vergangenen Jahren sowie nicht allzu rosige Zukunftsaussichten für die Branche lassen Verzweiflung bei den Vertretern der in Celle ansässigen Unternehmen aufkommen.

Dass die Bundesregierung dem Fracking-Verfahren zur Nutzung von Geothermie skeptisch gegenüber stehe, verschärfe die ohnehin schon schwierige Lage. Infolge des neuen Fracking-Gesetzes und den strengen Auflagen spricht der Vorsitzende des GeoEnergy Celle e.V. Thor Növig sogar davon, dass die „Politik mit den Populisten mitlaufe“. Deutschland mache sich energiepolitisch immer weiter von Importen abhängig. Schließlich sei aber Geothermie der Schlüssel in der Energiewende, im historisch wichtigen Standort Celle sei die nötige Fachkompetenz für Geothermie vorhanden, so Növig.

Altmaier, selbst Sohn eines Bergmanns, stellte sich im folgenden den Fragen der zehn anwesenden Wirtschaftsvertreter. Er freue sich über die versammelte Bergbaukompetenz am einmaligen Standort Celle. Altmaier, der in der letzen Legislaturperiode das Amt des Bundesumweltministers innehatte, war mit den Problemen der Erdöl-Branche durchaus vertraut. Bezüglich des Frackings gab der Minister zu bedenken, dass gerade in Niedersachsen durchaus Angst vor dieser neuen Technologie bestehe. Die Gefahren dieser Bohrtechnik wie beispielsweise eine Verunreinigung des Trinkwassers oder immer wieder genannte brennende Wasserhähne seien noch nicht vollständig ausgeräumt und somit die Akzeptanz für diese Technologie in Deutschland entsprechend gering. Dass das angewendete Fracking-Verfahren in den USA gegen weitaus weniger Widerstand ankämpfen muss, liege daran, dass viele Menschen aufgrund der geringeren Bevölkerungsdichte nicht direkt die Folgen tragen müssten. Menschenleere Landstriche gebe es Deutschland einfach nicht und „niemand will so eine Bohrung vor der Haustür haben“, erklärte der CDU-Politiker.

Er plädierte allerdings dafür, Probebohrungen auszuweiten. Mit den Vertretern den Bohrservicebranche einigte er sich darauf, sich für mehr Aufklärung über Risiken der Bohrtechnik einzusetzen. Schließlich ist es in den letzten 50 Jahren bei mehr als 300 Bohrungen in Niedersachsen nie zu Unfällen oder Komplikationen gekommen.

Abschließend durfte Altmaier selbst am Drilling Simulator Celle (DSC) eine Bohrung simulieren. Sehr interessiert an den technischen Eigenschaften des faszinierenden Geräts bohrte sich der Minister durch unterschiedliche Gesteinsschichten. Der DSC, der von Prof. Dr. Joachim Oppelt von der TU Clausthal mit zwölf Mitarbeitern geleitet wird, soll Bohrtechnik mit Simulationstechnik verbinden. Bohren soll kostengünstiger und sicherer werden. Der Standort Celle wurde bei diesem Forschungsprojekt aufgrund des hier vorhandenen Know-Hows vieler Unternehmen gewählt. Denn – so waren sich Altmaier und die geladenen Führungskräfte einig – die neuen Technologien für die zukünftige Energiegewinnung gehöre in die Hände von Fachleuten. „Wir wollen nicht verlieren, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde“, so der Minister.

Text: Christian Popp
Fotos: Peter Müller

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