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Hegeschau im Stadthaus Bergen

Ministerin zu Gast bei Celler Jägerschaft: Schweinepest und Nutria-Population bereiten Sorgen

04.03.2018 - 10:40 Uhr     Susanne Zaulick    0
(von links) Hans Knoop, Jörn Schepelmann, Klaus Wiswe, Barbara Otte-Kinast, Henning Otte und Jan-Peter Dralle. Fotos: Susanne Zaulick

BERGEN. Die jährliche Hegeschau im Stadthaus Bergen dient der Celler Jägerschaft zur Feststellung des Status quo in den rund 400 Revieren des Landkreises, dem gegenseitigen Austausch und der Information über jagdliche Probleme und Zielsetzungen. In diesem Rahmen findet auch die Jahreshauptversammlung der Jägerschaft des Landkreises Celle statt. Besonderer Gast war dabei gestern Niedersachsens Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Barbara Otte-Kinast (CDU), in deren Zuständigkeit auch die jagdlichen Bestimmungen des Landes fallen.



Nach fünf Jahren unter einem Minister der Grünen, war ein regelrechtes Aufatmen im großen Saal des Stadthauses wahrzunehmen. Jan-Peter Dralle, Vorsitzender der Celler Jägerschaft, kündigte Otte-Kinast an als jemanden, „der einen Stall von innen kennt, auch ohne laufende Kameras, und der nicht nur das Heulen der Wölfe, sondern auch der Weidetierhalter hört“. Die gelernte Hauswirtschafterin, die aus einer Jägerfamilie und aus der Landwirtschaft stammt und in einen landwirtschaftlichen Betrieb eingeheiratet hat, punktete dann auch erwartungsgemäß mit jagdlichen Kenntnissen und offenen Ohren für die Anliegen der Jägerschaft. Sie verstehe Politik als Dienstleistung. „Wenn irgendwo der Schuh drückt, müssen wir es wissen, damit wir es ändern können“, ermunterte sie die Anwesenden, ihre Wünsche und Sorgen vorzubringen. Angetan zeigte sich die Ministerin nicht nur von den Klängen der Celler Jagdhornbläser („Wenn ich das höre, geht mir das Herz auf“) sondern auch von den Tier-Gemälden von Reinhard Schmitz, die die Wände mit den Trophäen schmückten. Die könne sie sich durchaus auch in den Fluren ihres Ministeriums vorstellen, bekundete sie.

Zwei Tierarten, die derzeit Sorgen bereiteten seien Nutria und Wildschwein, erläuterte Otte-Kinast. Bei den Nutria habe eine starke Zunahme dazu geführt, dass Deiche gefährdet seien. Die aus Südamerika stammenden Nagetiere, die in Europa unter anderem wegen ihrer gefragten Pelze heimisch wurden, unterhöhlen Uferbereiche und gefährden somit unter anderem Küstenschutzmaßnahmen. Otte-Kinast begrüßte, dass auch im Landkreis Celle eine Schwanzprämie ausgesetzt werde – derzeit finanziert durch die Wasserverbände – und bat die Jägerschaft, die starke Bejagung fortzusetzen.

Im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest gelte es, Aufklärung zu betreiben. Weggeworfene Fleisch- und Wurstprodukte aus östlichen Ländern, in denen die Seuche bereits nachgewiesen wurde, könnten die Ausbreitung hierzulande beschleunigen. Dass die Afrikansiche Schweinepest auch Deutschland erreichen wird, daran besteht in Fachkreisen kein Zweifel. Im Einklang mit Landrat Klaus Wiswe, forderte Otte-Kinast, Schwarzwild stärker zu bejagen und die Vermarktung für das Fleisch zu verstärken. Schonzeitregelungen wurden, auch im Landkreis Celle, bereits gelockert. Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich.

Der Wolf unterstehe als geschützte Art zwar nicht ihrem Ministerium, sie stehe jedoch in engem Austausch mit Umweltminister Olaf Lies und habe das Gefühl, das Problem sei dort „angekommen“. Ähnlich hatte sich zuvor auch Landrat Klaus Wiswe geäußert. „Es bewegt sich langsam etwas“, meinte Wiswe, der seit langem fordert, dass es schneller möglich sein müsse, „Problemwölfe“ zu entnehmen und den Bestand auf Dauer zu reduzieren. Sorge bereiteten ihm vor allem Einzeltieren, die keine Scheu vor Ansiedlung und Menschen zeigten. An die Jäger appellierte Wiswe, Reste des erlegten Wildes fachgerecht zu entsorgen, da sie sonst zu Anziehungspunkten, auch für Wölfe würden.

Kreisjägermeister Hans Knoop hatte zuvor den Streckenbericht abgegeben. Im Jagdjahr 2017/18 wurden im Landkreis Celle 895 Stück Rotwild (1161 im Vorjahr), 3427 Stück Schwarzwild (3700 im Vorjahr) und 3427 Stück Rehwild (Vorjahr 4283) erlegt. Weitere bejagte Arten waren unter anderem Nutria, Feldhase, Fuchs, Dachs, Iltis, Marderwiesel, Mauswiesel, Höckerschwäne, Graugänse, Nilgänse, Stockenten, Kormorane, Graureiher. Darüber hinaus nennt der Streckenbericht 47 Katzen.

Knoop gab außerdem einen Überblick über die Bewertung der Trophäen im Rahmen der Hegeschau. In diesem Jahr habe es neun Silber und eine Bronze-Auszeichnung gegeben. Die drei stärksten Rothirsche stammten aus den Revieren Hohne, Starkshorn und Rixförde. Neben Ehrungen verdienter und langjähriger Mitglieder (Ehrungen 2018) stand, nach Abhandlung der Tagesordnung, noch ein Fachvortrag über die Afrikanische Schweinepest auf dem Programm.

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