*Aktualisiert* Ministerium stoppt Abriss von Otto Haesler Haus in Celle

Gesellschaft Von Redaktion | am Di., 30.03.2021 - 10:53

CELLE. Die Stadt Celle hat begonnen, ein historisch wertvolles Gebäude abzureißen - ausgerechnet eins von Otto Haesler, den die Stadt im vergangenen Jubiläumsjahr besonders würdigte. Das Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur habe nun eine "fachaufsichtliche Überprüfung des gesamten Verfahrens" eingeleitet. Bis zum Abschluss ruhen die Abrissarbeiten. 

Der Fabrikbau in der SPeicherstraße 25, den der bekannte Architekt Otto Haesler 1924 für die Wachswarenfabrik Schmidt errichtete, sei ein ganz besonderer Haesler-Bau. Denn hier verbinde der Architekt den Kubus einer klassischen Fabrikhalle mit weiteren, unterschiedlich großen Kuben zu einem neuen Gefüge – ein Prinzip, das wenig später in Haeslers Siedlung „Italienischer Garten“ in Celle (Bauantrag Ende 1924) weltberühmt wurde.

Simone Oelker schreibt in ihrer Haesler-Biografie ("Otto Haesler – Eine Architektenkarriere in der Weimarer Republik" München 2002, S. 286): „Der Fabrikbau entstand zu einem Zeitpunkt, als Haesler den zweiten Entwurf für seine Siedlung Italienischer Garten entwickelte. Die Kombination verschieden hoher Kuben erprobte Haesler mit diesem Fabrikbau, der damit zu einem Schlüsselwerk für seinen Weg zur Moderne wurde.“

"Für eine Stadt, die die Bauten Haeslers als ein Aushängeschild auch für den Tourismus sieht, ist dieser Abriss eine Katastrophe", ist Carsten Maehnert, Vorstandsmitglied er Otto Haesler Initiative überzeugt.

Die Stadt wurde für eine Stellungnahme angefragt. Sie antwortet mit einer allgemeinen Pressemitteilung, die wir unzensiert und unkommentiert wiedergeben.

Abriss Speicherstraße 25 – Gebäude nicht mehr standsicher - Land prüft Verfahren

CELLE. Die Untere Denkmalbehörde der Stadt Celle hat dem Antrag des Eigentümers auf Abriss des Gebäudes Speicherstraße 25 stattgegeben. Das von Otto Haesler umgebaute Lagergebäude war schon beim Vorgängerbau ohne ausreichend tragfähige Fundamente auf ebenso nicht ausreichend tragfähigem Baugrund errichtet worden. Haesler hat dieses leider nicht grundlegend verändert. Die Folge sind dauerhafte und grundlegende Probleme hinsichtlich der Standfestigkeit und -sicherheit. Erkennbar ist das anhand der starken Rissbildungen und Gebäudesetzungen. Verstärkt wurden diese Probleme noch durch Feuchtigkeitsschäden durch die nahegelegene Aller, so dass aus Sicherheitsgründen eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen wurde. Nach Auffassung von Fachleuten wäre diese Problemlage nur durch eine komplett neue Gründung unter Abriss des Gebäudes zu beheben gewesen. Dann wäre das Denkmal allerdings ebenfalls nicht mehr existent gewesen.

Die Stadt Celle hat eine umfangreiche prüffähige Dokumentation des Bestandsgebäudes gefordert. Gemäß der Vorgabe des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, wurden die Arbeiten jetzt bis auf Weiteres gestoppt. Das Land Niedersachsen als Oberste Denkmalbehörde hat die Verfahrensunterlagen zur Einsicht angefordert. Im Zuge dieser laufenden Prüfung werden von der Stadt Celle keine weiteren Aussagen zur Sachlage getätigt.

Die Stadt Celle bemüht sich an mehreren Stellen um den Erhalt und die denkmalgerechte Sanierung von Bauten Otto Haeslers. Nach der schon vor längeren Zeit erfolgten Instandsetzung der Direktorenvilla wird noch in diesem Sommer mit der Sanierung der Altstädter Schule begonnen. Auch für das Blumläger Feld Nord ist die Mustersanierung eines ersten Gebäudes auf den Weg gebracht.

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