Kein Herz für Blumen in Corona-Zeiten - Ministerium verärgert Gärtner

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Di., 31.03.2020 - 11:00

CELLE. „Die Blume ist das Lächeln der Pflanze“, lautet ein Sprichwort. In Zeiten einer Krise ist dieses Lächeln vielleicht wichtiger denn je, hellt es doch nicht nur die Seele auf, sondern bietet auch Beschäftigung, die ablenkt von Corona. Überall sind sie jetzt gefragt – die bunten Frühjahrsblüher - zur Dekoration der Haus- und Wohnungseingänge, zur Verschönerung der Vorgärten und Gräber, bis die Gefahr des Frostes endgültig gebannt ist und die Sommerblüher dauerhaften Einzug halten können.

Auf den Besuch beim Gärtner oder den Erwerb der selbst produzierten Ware auf dem Wochenmarkt müssen die Kunden aktuell in der Vorosterzeit jedoch verzichten. Das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung hat offensichtlich kein Herz für Blumen während der Corona-Krise, es sei denn die bunten Frühjahrsboten wechseln im Supermarkt den Besitzer. Eine entsprechende Verordnung vor dem Hintergrund der Pandemie verbietet Gärtnereien den Verkauf von Blumen. Auf Wochenmärkten sind lediglich Lebensmittel-Verkaufsstände erlaubt. „Am 23. März kam der Stopp per Telefon, das Ordnungsamt Celle erteilte mir Marktverbot, auch der Verkauf ab Hof wurde mir untersagt“, berichtet Karl Gänshirt aus Großmoor. Er gehört wie Helmut Sander und Andreas Gerdes zu den Beschickern des Marktes der Celler Altstadt. „Der Handel mit Blumen ist nicht gestattet“, teilte das Ordnungsamt auch Sander mit. Es war sowohl für Gänshirt und Gerdes als auch für Sander die letzte verbliebene Variante, ihre Ware direkt an den Kunden zu bringen. Alle drei betreiben neben ihren Gärtnereien auch Blumenläden, die Corona-bedingt schließen mussten. Eine Maßnahme, die Gärtner mitten in der Saison trifft.

„Für das gesamte Frühjahrsprogramm ist die Zeit bis Ostern die Spanne für den Verkauf, da werden die Umsätze gemacht“, sagt der Inhaber der Ahnsbecker Gärtnerei Gerdes, Andreas Gerdes, und ergänzt: „Das wird uns nun genommen“. „Da ich viele Pflanzen selbst produziere und jetzt nicht mehr verkaufen kann, sind die Verluste enorm. Ich habe für den Osterverkauf produziert und muss die Pflanzen nun entsorgen“, beschreibt Gänshirt seine Situation. Die befragten Gärtner zweifeln keinesfalls an den notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus. „Ich möchte nicht falsch verstanden werden“, sagt Andreas Gerdes, „aber mit den Regelungen zum Blumenverkauf bin ich überhaupt nicht einverstanden“. Als Begründung für die Verfügung hat er bisher nichts anderes gehört, als dass es sich nicht um Artikel des täglichen Bedarfs handele. Das Ministerium teilt dazu auf Anfrage mit: „Es sind weiterhin unter Auflagen Geschäfte geöffnet, die die Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern versorgen. Dazu zählen in erster Linie Lebensmittel. Gehört ein Blumensortiment zum festen Bestandteil eines Lebensmittelversorgers, ist der Verkauf möglich.“

„Da gelten sie als Mitnahmeartikel“, sagt Helmut Sander lachend. „Ich muss nun sehen, wie ich die Gewächshäuser leer bekomme.“ Er hat ebenso wie Andreas Gerdes einen Bestell- und Lieferservice eingerichtet. Dieses erlaubt die Verordnung ausdrücklich. „Die Nachfrage ist da“, berichtet Unternehmer Sander, mehr kann er noch nicht sagen. Fest stehe jedoch, dass es kein adäquater Ersatz für den Direkthandel ist: „Das können Sie nicht vergleichen, da kommen wir nur zu einem Bruchteil heran“, betont der Eicklinger.

Die finanziellen Einbußen sind erheblich und der wichtigste Faktor des Verbots, doch welche Bedeutung Blumen darüber hinaus für die Attraktivität eines Marktes haben, zeigt ein Besuch der Altstadt am vergangenen Samstag. Der Blick über die Auslagen sucht vergeblich die Akzente der bunten Boten des Frühlings. In den Baumärkten stehen die Paletten bereit – versehen mit dem Schild „Verkauf nur an Gewerbetreibende und Handwerker“.

Blumenfreunde und Blumenhändler – sie finden derzeit nur schwer zueinander. Zwischen ihnen steht die Verfügung eines Ministeriums, deren Sinn sich nicht jedem erschließt.