Mit dem Fahrrad im Schnee

Leserbeiträge Von Extern | am Fr., 12.02.2021 - 15:55

CELLE. Radeln im verschneiten Celle - ein Erfahrungsbericht von VCD-Mitglied Martin Engelhardt: "Manche mögen es kaum glauben, aber es geht eben noch: Radfahren im Schnee! In den letzten Tagen ist das allerdings zum kräftezehrenden Ausdauersport geworden. Dennoch finden sich ab und zu noch Alltagsradler in der Stadt, die Spaß haben, ihre Wege auch im Winter mit dem Fahrrad zurückzulegen. Für die Autofahrenden haben die Radler nur ein müdes Lächeln übrig, wenn diese anfangen, über die Probleme mit den rutschigen Straßen zu berichten. Vier Räder, das schafft beinahe jede/r, vielleicht ein bisschen langsamer ans Ziel kommend. Aber auf zwei Rädern! Hier ist die ganze Kunst gefragt und der Radelnde ist sich bewusst: Ich bin gerade der Held bzw. die Heldin, und kämpfe mich, sorgsam das Gleichgewicht und die Schneebeschaffenheit achtend, durch den Schnee.

Gefährlich sind größere Mengen Triebschnee, denn da wird quasi die ganze Energie plötzlich vom Schnee aufgesogen, das Rad stellt sich quer und man kommt zum Stehen. Nicht wirklich gefährlich, da das Abbremsen sanft erfolgt. Auf den Nebenstraßen und an den Kreuzungen tritt dieser Fall aktuell häufig auf. Was hilft: Mit viel Schwung durch diese Lockerschneemassen zu fahren. Mit etwas Übung gelingt das, braucht man nur ein wenig Mut. Dann allerdings kann das Ganze sogar Spaß machen.

Im Dienst angekommen ist die Anzahl derer, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren überschaubar: Vier sogenannte Herrenräder (offizielle Bezeichnung Diamantrahmen) und ein Damenrad (offiziell: Trapezrahmen) mit Schneespuren sind abgestellt. Man kennt sie, die anderen Kolleginnen, die auch bei solchem Wetter unterwegs sind. Unter den benutzten Rädern zwei Mountainbikes der Extra-Klasse. Kann man selbst schon neidisch sein, wenn das eigene Rad nur 32 mm Reifendurchmesser hat. Man muss da auch nicht um den heißen Brei reden, Mountainbikes sind bei diesen Schneemengen das Fahrrad der Wahl. Durch die breiteren Reifen und die entsprechenden gröberen  Profile, kann hier besser und sicherer durch den Schnee gesteuert werden.

Weniger schön ist im schneereichen Winter, dass die Räumung der Radwege nicht die höchste Priorität hat. Die Straßenverkehrsordnung ist da allerdings eindeutig und erlaubt ein Fahren auf der Fahrbahn, sofern die Benutzung des Radweges nicht möglich ist. In den letzten Tagen war dies häufig der Fall. Also ab auf die Straße und versuchen, dass man schön in den plattgefahrenen Autospuren bleibt. Die Autos müssen hinter einem fahren, das tun die meisten auch ohne zu drängeln. Ganz misslich ist, wenn der Schnee der Fahrbahn oder des Gehweges einfach auf den Radweg geschoben wird. Gut, manchmal ist einfach nicht ausreichend Platz, um den Schnee zur Seite zu schieben, ein gewisses Verständnis für die Räumdienste ist ja vorhanden. Als Radfahrender fühlt man sich da trotzdem diskriminiert. Ansonsten sind meist die Gehwege von den Hausbesitzern vorbildlich geräumt und man kommt als Radfahrender relativ gefahrlos an den Schneewehen und Schneemassen vorbei.

Ein Technikproblem ärgert auch ein versiertes VCD-Mitglied: Bei den niedrigen Temperaturen frieren gelegentlich die Schaltungszüge ein. Wer, wie ich, das Fahrrad in einem unbeheizten Schuppen stehen hat, kann da kaum etwas machen. In den Schaltungszügen sammelt sich Wasser in kleinsten Mengen und das gefriert. Wohl dem, der dann einen mittleren Gang voreingestellt hat. Mit diesem lassen sich auch die paar wenigen Frost– und Wintertage überstehen."

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