Mit klassischer Musik gegen Rheinmetall - Netzwerk "Lebenslaute" plant Aktion für August

Gesellschaft Von Extern | am Mo., 22.06.2020 - 12:51

UNTERLÜSS. "Klassische Musik - politische Aktion" - unter dieser Überschrift stehen die Aktivitäten des Aktionsnetzwerkes Lebenslaute. Lebenslaute ist ein bundesweites Netzwerk von Musikaktivisten - Laien und Profis, die klassische Musik an Orten aufführen, von denen aus ihrer Sicht Bedrohung ausgeht. Seit 1986 finden Besetzungen und Blockaden u.a. von Militärstützpunkten, Atomanlagen, Abschiebeflughäfen oder Kohlegruben statt. "Bei der Wahl unserer Konzert-Orte lassen wir uns nicht durch herrschende Vorschriften einschränken. Im Gegenteil: Lebenslaute-Aktionen suchen die politische Konfrontation durch angekündigten und bewussten Gesetzesübertritt. Seriöse Konzertkleidung unterstreicht unser konzentriertes Auftreten. Wo es geht, versuchen wir, lokale Protestbewegungen zu stärken", schreibt Lebenslaute auf seiner Website. Im Zeitraum 12. bis 18. August 2020 steht der Rheinmetall-Produktionsstandort Unterlüß auf dem Plan. Dazu teilt das Netzwerk mit:

Über ganz Deutschland verteilt traf sich am Wochenende das Aktionsnetzwerk Lebenslaute mit Chor und Orchester, um mit klassischer Musik eine Blockade von Rheinmetall, dem größten Waffen- und Rüstungsproduzenten der Bundesrepublik, vorzubereiten. Die Aktion unter dem Motto „Mit Klang und Schall - Entwaffnet Rheinmetall!“ soll im August am Produktionsstandort Unterlüß bei Celle stattfinden. Um bei den Proben eine Corona-Ansteckungsgefahr zu minimieren, scheuten 97 Musiker*innen nicht den logistischen Aufwand, die Vorbereitung der Konzertblockade auf vier Orte zu verteilen. So wurden in Potsdam, Wittingen/Niedersachsen, Waltershausen/Thüringen und Riedlingen/Baden-Württemberg dieselben Kompositionen einstudiert. 

„Wir beobachten, dass die derzeitige Fokussierung auf die Pandemie zur Verdrängung anderer Bedrohungen führt“, stellt Cornelia Weigel, Pressesprecherin von Lebenslaute, fest. „Daher lenken wir den Blick auf die globale Zunahme bewaffneter Konflikte, zu der die deutsche Rüstungsindustrie - allen voran Rheinmetall - erheblich beiträgt.“ Das Unternehmen liefere Waffen in Kriegsgebiete weltweit und fördere so die militärische Expansionspolitik Deutschlands und der EU. Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangene, die der Konzern während des Zweiten Weltkriegs ausgebeutet habe, seien niemals angemessen entschädigt worden. 
„Mit unserer Blockade möchten wir Sand ins Getriebe der Kriegsvorbereitungen streuen. Wir solidarisieren uns mit Aktivist*innen, die seit Jahren die Schließung von Rheinmetall fordern. Denn Krieg beginnt auch in Unterlüß “, ergänzt Weigel. Lebenslaute habe die Aktion auf keinen Fall verschieben wollen, bei den Proben aber darauf geachtet, die derzeit geltenden Hygienebestimmungen sorgfältig umzusetzen.

So nutzte jede Instrumentalist*in ihren eigenen Notenständer, um den Sicherheitsabstand zu den Mitspieler*innen zu wahren. Zudem probten die Musiker*innen im Freien. Das Programm, darunter Auszüge aus Bob Dylans „Masters of War“ und Benjamin Brittens „War Requiem“ sowie der Schlusschor aus Händels Friedensode, ist in Anlehnung an das Thema Krieg und Frieden entstanden.