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Celle - Residenzmuseum - Schlossfest - Mittsommer - hygge - Abba

Mittsommer im August – Nordisches Schlossfest einfach „hygge“!

12.08.2019 - 08:53 Uhr     CELLEHEUTE    0
Fotos: Peter Müller

CELLE. Mal eben einen Abstecher nach Skandinavien – ohne Fahrerei und Zeitaufwand? Eigentlich nicht möglich, es sei denn die nordische Lebensart hält Einzug ins Celler Land. Und das tat sie am vergangenen Wochenende – wir berichteten in unserer App und in den Facebook-/Twitter-Kanälen. Als Location wählte sie sich mit dem Schlosspark einen der schönsten und repräsentativsten Orte der Stadt und als Motto den dänischen Begriff „hygge“, was soviel bedeutet wie entspannte Lebensart, herzliche Atmosphäre unter Freunden, gemeinschaftliches Glücksgefühl.



Alle zwei Jahre bieten das Residenzmuseum und die museumspädagogische Abteilung des Bomann-Museums den Cellern ein Schlossfest, und jedes Mal widmet es sich einem anderen europäischen Land. „Basis ist die Geschichte der Residenz“, erläutert die Leiterin des Residenzmuseums, Juliane Schmieglitz-Otten, „und diese weist zahlreiche internationale Bezüge auf.“ Für die aktuelle Ausgabe entschied man sich für Skandinavien und überschrieb das Event mit „Hygge! Mittsommer im Park – Nordisches Schlossfest“.

HISTORIE ERLEBEN

Durch die direkte Nachbarschaft war Dänemark für das Fürstentum Lüneburg immer von Bedeutung. Durch Eheschließungen entstanden verwandtschaftliche Beziehungen. Die erste Hochzeit zwischen einem Celler Herzog und einer dänischen Prinzessin war die Verbindung zwischen Wilhelm dem Jüngeren und Dorothea von Dänemark im Jahr 1561. Mehr als zweihundert Jahre später wurde das Schloss das Zuhause einer dänischen Königin, Caroline Mathilde wurde 1772 in die Heimat ihrer Vorfahren verbannt.

Wer Interesse an der welfischen Historie mit ihren Bezügen in die nordischen Länder Europas hat, konnte im Rahmen des Festes viel darüber erfahren. Führungen mit entsprechenden Schwerpunkten wurden angeboten. Die Resonanz war hoch, große Gruppen bewegten sich, teilweise auf Filzpantoffeln, durch die prachtvollen Räume.

Hauptattraktion des Events war jedoch das enorm vielfältige Bühnen-, Spiele- und Ausstellungsprogramm im Schlosspark, dem eine besondere Rolle zugedacht war. „Die Schönheit des Geländes rund um das Schloss soll zur Geltung kommen“, betont Schmieglitz-Otten. Ein Plan, der auch dank des idealen Wetters aufging. Welchen Zauber die Grünanlage entfalten kann, zeigte sich sowohl bei Rundgängen durch den Spiele- und Vorlese-Bereich als auch über das gegenüberliegende Ausstellungsgelände. Ein leises Rauschen geht durch das Blätterwerk, darunter sitzen Kinder auf Strohballen, schreiben ihre Namen mit Tinte und Feder in Runenschrift, basteln, werfen Ringe oder lassen sich von Jolanda Querbeet und Felix Meyer in die fantastische Welt skandinavischer Märchen entführen. „Diese Geschichte wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Selma Lagerlöf verfasst, und sie ist durch das Plädoyer zum Erhalt von Natur und Umwelt aktueller denn je“, sagt das frühere Schlosstheater-Ensemble-Mitglied, Felix Meyer, über „Nils Holgersson“, woraus er vorliest. Nicht nur Familien finden sich unter den Zuhörern. Manch Erwachsener kommt allein und lässt sich zurückversetzen in vergangene Kindertage. Sich von der Atmosphäre unter sich wiegenden und schattenspendenden Bäumen zu lösen, fällt nicht leicht. So fühlt sich nordische Gelassenheit wohl an.

DARKBOX, FAHRRÄDER UND TANZ

Zum Norden gehört Wasser, und auch dazu haben sich die Veranstalter etwas einfallen lassen. Der den Garten durchziehende Graben ist ein steter Hingucker, ab und zu dient er als Kulisse für Lichtkunst oder Abifeiern. Aber wer hat ihn je mit einem Boot überquert? Uwe Rautenberg und seine Mitstreiter bieten im Rahmen ihres Projektes „Wasser verbindet“ und als Vorgeschmack auf eine Fotoausstellung in der Gotischen Halle Gelegenheit dazu. Wer Lust hat, lässt sich vom finnischen Steg zum deutschen übersetzen. Momente, die die Handykameras zum Klicken bringen. Wieder oben auf dem Festgelände angekommen, können Interessierte sich auf eine fotografische Zeitreise begeben.

„Ich kenne solche Bilder aus den Alben von meiner Oma“, erzählt Yannik. Der Dreizehnjährige hat sich mit seinen Eltern vor die Darkbox von Thomas Nitz gesetzt und sich ablichten lassen. In Zeiten von Selfies und Digitalfotografie besteht der Wunsch nach Schwarz-Weiß-Portraits, die Schlangen vor der analogen Straßenkamera zeigen es. Yannik beobachtet die Entwicklung des Papierbildes und ist wie seine Eltern beeindruckt vom Ergebnis: „Ein schönes Familienfoto mit Charakter!“ „Man sieht den Menschen in seiner Persönlichkeit, sehr ausdrucksstark“, freuen sich auch Anke und May-Britt über ihr Portrait in Schwarz-weiß. Beide sind mit dem Fahrrad aus Weye in der Nähe von Bremen angereist, wären demnach konditionell für die Teilnahme an den beiden Retro-Fahrrad-Touren prädestiniert gewesen: Achtzig Kilometer liegen hinter den Rennrad-Liebhabern, als sie am späten Samstagnachmittag unter großem Beifall einige Ehrenrunden um das Festplatz-Rondell drehen, bevor sie sich auf der Bühne präsentieren. Manfred Galonski ist als Organisator der Velo Classico-Touren natürlich darunter, wechselt nur wenige Minuten später allerdings die Rollen.

Eben noch Radsportler, nun Tänzer. Zusammen mit zahlreihen anderen Paaren folgt er der Aufforderung der Tanzschule Krüger, begibt sich aufs Swing-Parkett und trägt so zu einem der schönsten Momente und Bilder des MitSommers im August bei: Unter blauem Himmel, bei milden Temperaturen und vor Parkkulisse zeigt sich Tanzfreude pur. Mehr „hygge“ geht kaum. Es ist die musikalische Einstimmung auf die große Abend-Show. Pop-Gigant Abba darf bei einem skandinavischen Motto nicht fehlen. „Abba Review“ legen zu späterer Stunde einen gelungenen Auftritt hin.

Die Bühne zeigt sich nur selten unbelebt: kleine Quizshows, Geigenklänge von den Violin Guys oder eben Swing und Pop. Wer sich nicht bewegen möchte, kann über Stunden auf den Holzbänken verharren, sich mit Köttbullar oder Hefe-Kartoffelteig-Fladen versorgen, Wein oder Nichtalkoholisches trinken und sich von den wechselnden Bühnenakteuren unterhalten lassen. Das Ambiente lädt zum Verweilen ein, das Rondell ist mit Blumenkästen eingerahmt, leuchtende Sonnenblumen auf den Stehtischen sind ebenso Teil der Deko wie Oldtimer Volvos. „Man wird gleich so schön empfangen“, lobt Kirsten Heindorff, „das trifft es, alles ist wirklich nordisch“, sagt die Altencellerin mit Blick auf die Kunsthandwerker und Aussteller – darunter etliche Celler -, deren Waren das Motto thematisch ergänzen. „Wir möchten zeigen, was die Stadt und die Region in ihrer Qualität zu bieten haben“, erläutert Juliane Schmieglitz-Otten die Auswahl der Anbieter, deren Auslagen wiederum durch die Grünanlagen optimal in Szene gesetzt werden.

„Hygge“ steht auf allen Ständen geschrieben. Wer diesen Begriff bis zum Wochenende noch nicht kannte, hat nicht nur dazugelernt, sondern am Wochenende erlebt, was die Skandinavier darunter verstehen. Das Schlossfest hat gezeigt: MitSommer kann auch im August gefeiert werden, und für nordische Lebensart muss man nicht unbedingt gen Norden reisen, auch der Celler Schlosspark kann sie bieten.

Text: Anke Schlicht





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