CELLE. Landwirte, ein Campingplatzbetreiber, der Inhaber einer Pferdepension, Winser Flößer, Kommunalpolitiker, aber auch Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Winsen – sie alle waren am Mittwoch Abend zur Infoveranstaltung des Landkreises erschienen, um ihren Sorgen hinsichtlich eines Naturschutzgebietes entlang der Aller Ausdruck zu verleihen. Das Spektrum der vorgetragenen Anliegen und Anfragen reichte von verwaltungsorganisatorischen Bedenken bis hin zu wirtschaftlichen Existenzängsten.

EU-Vorgaben zur Einrichtung zusammenhängender Gebiete für selten gewordene Pflanzen- und Tierarten, aber auch von Biotopen und Lebensraumtypen im Rahmen von Natura 2000 müssen auf Landkreis-Ebene derzeit in Verordnungen umgesetzt werden. Zur Auswahl steht die Ausweisung von Landschaftsschutz- oder Naturschutzgebieten.

Jan Bergengruen vom Amt für Umwelt und ländlichen Raum beim Landkreis Celle erläuterte zunächst die Verfahrensschritte. Auf der Grundlage von Kartierungen des Landes würden für die einzelnen Gebiete – im Landkreis Celle sind es insgesamt 21 – durch die Verwaltung Vorentwürfe für entsprechende Verordnungen erarbeitet. Diese seien naturschutzfachlich und rechtlich geprägt. Im Rahmen eines informellen Beteiligungsverfahrens solle dann mit den Betroffenen aus Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Fischerei, Tourismus und Freizeitwirtschaft kommuniziert werden, um deren Expertise aufzunehmen und ggf. einzuarbeiten.

Ein solcher Vorentwurf sei nun in die Öffentlichkeit gelangt und würde breit diskutiert. „Das hätte ich gern vermieden“, so Kreisrat Gerald Höhl, der die Position des Landkreises so formulierte: „Wir

werden nur das machen, was zwingend notwendig ist.“ Im Kern gehe es darum, dass keine weitere Intensivierung der Landwirtschaft erfolge und sich der Zustand der Natur im betreffenden Gebiet nicht verschlechtere, sondern verbessere.

In der Landwirtschaft ist man vom Sinn der Ausweisung von Naturschutzgebieten hingegen nicht überzeugt, wie etliche Redner deutlich machen. In einigen Gebieten, darunter der Hornbosteler Hutweide habe sich der Zustand des Gebietes sowohl aus landwirtschaftlicher, wie auch aus Naturschutz-Sicht verschlechtert. Das für Weidetiere giftige Jakobskreuzkraut breite sich rasant aus, Kiebitz und Schafstelze seien verschwunden.

„Wir haben durch Hoch- und Niedrigwasser der Aller bereits Einschränkungen in der Nutzungsintensität“, betonte ein Grundbesitzer und Landwirt aus dem Raum Hambühren. Er verstehe nicht, warum da jetzt noch Auflagen hinzukommen sollten. Der Inhaber einer Pferdepension sieht nicht nur seine Existenz, sondern auch Tierschutzrechte in Gefahr, die wiederum durch das Veterinäramt des Landkreises kontrolliert würden. Wenn Pferde nicht mehr den gesetzlich geforderten Auslauf haben könnten, weil Weiden nicht wie bisher genutzt werden dürften, sehe er ein „trauriges Bild für das Pferdeland Niedersachsen.“ Flößer aus Winsen sehen immaterielles Kulturgut in Gefahr, wenn sie nicht mehr wie bisher an und auf der Aller agieren dürfen.

Darf in der Aller noch gebadet werden, wenn das Gebiet ein Naturschutzgebiete ist? Auch diese Frage brannte einigen unter den Nägeln. „Wir sind gewillt, das, was bisher möglich war, weiterhin zu ermöglichen“, kündigte Jan Bergengruen an. Der Landkreis sei nicht beratungsresistent.

Das rechtlich vorgeschriebene Verfahren im Anschluss an das informelle Beteiligungsverfahren, das der Landkreis freiwillig durchführt, steht noch bevor. Nachdem der Umweltausschuss des Landkreises eine Empfehlung zum Verordnungsentwurf abgegeben hat, gibt es offiziell die Möglichkeit, Bedenken vorzubringen, bevor der Kreistag abschließend eine Entscheidung trifft. Die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende kein Landschaftsschutzgebiet dabei herauskommt erscheint allerdings groß. „Wir haben einen sehr hohen Anteil an schutzwürdigen und schutzbedürftigen Strukturen“, heißt es von Seiten des Landkreises.



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