BERGEN. Sechs Euro mehr im Monat für Mittagessen in der Schule: Ob dieser Betrag Eltern zuzumuten ist oder nicht, darüber diskutierte gestern der Bergener Schulausschuss. Karen Schledermann, Hauptamtsleiterin der Stadtverwaltung, machte darauf aufmerksam, dass über Jahre hinweg die Kosten für das Mittagessen trotz gestiegener Personal- und Materialkosten nicht erhöht worden seien. Für die Hinrich-Wolff-Schule liegen die Personalkosten derzeit bei rund 25.000 Euro jährlich.

Um den Anteil der Stadt an den Kosten zu reduzieren, schlug die Vertreterin der Verwaltung vor, von den Eltern pro Essen statt bisher drei Euro ab kommendem Jahr 3.30 Euro zu nehmen. Die Preissteigerung orientiere sich am allgemeinen Lebenshaltungskostenindex. Bei den anwesenden Schulleiterinnen der Grundschulen im Stadtgebiet, die alle ein Ganztagsangebot bereit stellen, erntete sie durchweg ablehnende Positionen. „Die Eltern sind schon mit drei Euro sehr belastet“, so Ute Tolk, Leiterin der Eugen-Nauman-Schule. Vielen Elternhäuser, die Hartz IV bezögen, sei schon ein Euro pro Essen zuviel, erklärte Katja Tank, Leiterin der Hinrich-Wolff-Schule. Sie selbst habe manchmal ein schlechtes Gewissen, mittags Essen auf dem Teller zu haben. Sie beobachte bei den Essensbestellungen bereits jetzt eine rückläufige Nachfrage, die bei einer Preiserhöhung vermutlich noch stärker ausfalle. Manche Kinder hätten eine Brotdose dabei, manche auch nichts.

Nach den Ausführungen der Schulleiterinnen, war sich die Politik relativ einig, dass der Elternbeitrag nicht erhöht werden soll. „Wir wollen nicht, dass die Eltern belastet werden“, so Peter Meinecke (CDU). Sie halte die Erhöhung für moderat, zumal Hartz IV-Empfänger nur ein Drittel des Beitrags zahlen müssten, erklärte Rosmarie Siemsglüß. Nachdem sie nun aber erfahren habe, wie die Lage an den Schulen sei, werde die SPD ebenfalls nicht zustimmen. Die Grünen wollen ebenfalls keine Erhöhung. Peter Rabe (WG) rückte die Beträge in den Mittelpunkt und erklärte, er könne sich nicht vorstellen, dass wegen zwei Euro für Hartz IV-Empfänger bzw. sechs Euro für alle anderen im Monat die Eltern das Essen abbestellen würden. Mit einer Nein-Stimme, neun Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde der Verwaltungsvorschlag abgelehnt.

Um Kosten ging es auch im weiteren Verlauf der Sitzung. Derzeit werden die Grundschule IT-fähig gemacht. Bis September wurden bereits knapp 165.000 Euro investiert. Die weiteren, veranschlagten Beträge werden wohl nicht ausreichen, wurde im Verlauf der Zahlenpräsentation deutlich. Vor allem das Verlegen komplett neuer Kabelkanäle in den Gebäuden schlägt zu Buche: an der Hinrich-Wolff-Schule ebenso wie in Sülze, wo für die Dahlhofschule nun anstatt von 5000 Euro nun eher von 10.000 bis 15.000 Euro für die baulichen Veränderungen ausgegangen wird.

Ilsemarie Friedrich von der Grundschule Eversen vermisste im Haushaltsplan 2018 einen Ansatz für die Schalldämmung der Schulturnhalle, Ute Tolk die Instandsetzung des Sportplatzes an der Eugen-Naumann-Schule. Das Zahlenwerk für den Bereich Schulen wurde mit einer Gegenstimme empfohlen.

Zum Schluss stand noch die Entwicklung der Schülerzahlen auf der Tagesordnung. Entgegen der Prognosen von vor einigen Jahren, entwickelt sich die Zahl der Schulanfänger in den kommenden sechs Jahren deutlich nach oben. Diskutiert wurde, ob die im April festgelegten Schulbezirke nochmal überarbeitet werden sollten. Die Lehrkräfte der Hinrich-Wolff-Schule, fühlen sich derzeit durch den hohen Migrantenanteil belastet und werden auch zahlenmäßig den größten Zuwachs in den kommenden Jahren haben. Auch aus der Elternschaft kam die Anregung, die Verteilung der Schüler nochmal zu überdenken.

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.