„Mr. Bauhaus“ wird 80 - Zum Geburtstag von Dr. Wulf Haack

Gesellschaft Von Extern | am Sa., 08.08.2020 - 08:45

CELLE. Die Verdienste, die sich Dr. Wulf Haack um die Entwicklung der Bauhaus Architektur in Celle erworben hat, sind einzigartig. Ohne ihn hätte das 100-jährige Jubiläum rund um den Architekten Otto Haesler so in Celle nicht stattgefunden. Ihn allerdings nur allein mit dieser Tätigkeit in Verbindung zu bringen, ist zu kurz gesprungen. Er hat Celler Geschichte mitgeschrieben. Davon ist nicht nur Ratsherr Dr. Udo Hörstmann überzeugt und gratuliert in einer Laudatio seinem Weggefährten zum heutigen 80. Geburtstag. 

Aus einer christlich orientierten Familie kommend floh er mit seiner Mutter und vier Geschwistern aus Schlesien nach Thüringen. Da er nach bestandenem Abitur in Gotha in der DDR nicht studieren konnte, flüchtete er nach West-Berlin und begann ein neues Leben in Freiheit - gewissermaßen nur mit dem, was er am Körper trug. Das „DDR“-Abitur wurde "im Westen“ nicht anerkannt, sodass er dieses dort nachschreiben musste. Mit Bestehen konnte er sich in der juristischen Fakultät in Berlin einschreiben. Den Lebensunterhalt verdiente er sich mit studentischen Nebenjobs.

Sein Weg führte ihn auch zu einer Studentenverbindung, zur Berliner Burschenschaft der Märker, deren Werte und Überzeugungen von Ehre, Freiheit und Vaterland ihm gut gefielen. Diese Mitgliedschaft war nahezu grundlegend für sein späteres Leben und Handeln, insbesondere die Freiheit im Geiste auf der Grundlage des christlichen Glaubens. Über ein Mitglied dieser Vereinigung knüpfte er Kontakte nach Celle und fand bei der Familie Thiele, die ihn wie einen eigenen Sohn aufnahm, eine zweite Heimat. Seine Studien beendete er in Göttingen als "1er Jurist". Die Promotion war da auch schon durchgeführt. Der berufliche Weg war vorgezeichnet, bis er schließlich zum Geschäftsführer des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes berufen wurde. Zwischenzeitlich lernte er seine Ehefrau Barbara kennen, mit der er die Söhne Lutz-Ulrich und Arne-Wulf hat. 

Neben den beruflichen Aufgaben wuchs das Interesse besonders an der Kommunalpolitik. Er wollte mitgestalten und die Zukunft „seiner Stadt“  beeinflussen. So trat er in die CDU Celle ein, wurde schnell Vorsitzender der CDU Westercelle und hatte sehr bald auch im Stadtrat und als Ratsvorsitzender eine gewichtige Stimme. Sein Engagement im Umweltbereich (Erhalt der „Schwiegermutterwiesen in Westercelle) brachte ihm, neben dem Vorsitz im Bauausschuss, auch  den Vorsitz im Umweltausschuss ein. Für seine ehrenamtliche Tätigkeiten erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. 

Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass das neue Rathaus nicht wie geplant in den 70er Jahren am Nordwall entstanden ist. Erst später, nach Abzug der Engländer aus Celle, konnte die Verwaltung in der ehemaligen Heidekaserne eine viel bessere neue Heimat finden, mit all den bekannten Verbesserungen für die Bürger dieser Stadt. Auch seiner Entschlossenheit und Unbeugsamkeit ist es zu verdanken, dass Celle ein Einkaufszentrum in der Innenstadt erspart geblieben ist. Auch dadurch war er unzähligen Anfeindungen ausgesetzt, die schließlich darin endeten, dass er die CDU Fraktion im Stadtrat verlassen musste. 

Seine in der Studentenzeit gewonnene Standfestigkeit, gepaart mit scharfem Verstand und Blick für die Zukunft, ließ ihn an der Richtigkeit seiner persönlichen Entscheidung nicht zweifeln. Die Folgejahre haben ihm Recht gegeben und heute können wir froh sein, dass da ein so mutiger Mann für uns alle gestanden und durchgehalten hat. Gleiches gilt für den Erhalt der Wohnungsbaugesellschaft, die sich im städtischen Besitz befindet. In Zeiten schwieriger finanzieller Umstände war daran gedacht worden, die WBG zu privatisieren. Dies konnte er verhindern. Um seine politischen Vorstellungen weiter umsetzen zu können, gründete er den Verein „Die UNABHÄNGIGEN - Bürger für Celle“. Er scharte eine Gruppe von Gleichgesinnten um sich, um das freie Denken und Handeln eines jeden politisch Tätigen zu garantieren, abseits von Fraktions- und Parteizwängen. So wie es in der Verfassung verankert ist, aber tatsächlich leider anders praktiziert wird. 

Auch der Erhalt des Freibades Westercelle ist ihm zu verdanken. Die Gründung des jetzt noch tätigen Vereins zur Fortführung des Freibades ist auf seine Initiative (und die seiner Frau) zurückzuführen. So konnte der Fortbestand des Bades an der Wilhelm Hasselmann Straße gesichert werden. 

Schon über 40 Jahre ist Dr. Haack begeisterter Fan der Bauhaus-Architektur. Da Otto Haesler, einer der herausragenden Persönlichkeiten dieses Baustils, in Celle viel gearbeitet hat, fiel sein Interesse auf dieses Gebiet. Den Cellern selber ist wohl in der Vergangenheit nicht bewusst gewesen, was für ein Juwel sich in ihrer Stadt befindet. Es ist das Verdienst von Haack mit viel persönlichem und finanziellen Einsatz zunächst erst einmal den Cellern die Möglichkeiten dieser Bauepoche nahe zu bringen, die Details „auszugraben“ und nun auch die überregionale Vermarktung in Gang zu bringen. 

Aktuell arbeitet er noch als freier Journalist. Wir wünschen ihm und uns, dass sein scharfer Geist, sein Ideenreichtum, die Fähigkeit über den „Tellerrand“ hinauszuschauen und seine Fähigkeit Motivator zu sein, noch lange erhalten bleibt. Bei guter Gesundheit ist davon auszugehen, dass die Stadt Celle noch viel Gutes von ihm zu erwarten hat.