Müdener Laurentiusmarkt ohne Markt aber mit einer Premiere

Religion Von Susanne Zaulick | am Mi., 12.08.2020 - 19:02

MÜDEN/ÖRTZE. Zweiter Mittwoch im August und kein aufheulendes Kettenkarussell, kein Bratwurstgeruch, keine bunten Luftballons, keine Marktstände in Müdens Mitte und kein geselliges Treiben auf den Straßen. Der diesjährige Laurentiusmarkt beschränkt sich auf einen religiösen und einen kulinarischen Teil. Heute Morgen wurde vor der St. Laurentiuskirche Gottesdienst gefeiert, anschließend ging es für etliche Müdener in die örtlichen Gasthäuser zum Sülze essen oder an den heimischen Esstisch. Die Gastronomen und der örtliche Dorfladen „Tante Hanna“ hatten im Vorfeld Bestellungen für die klassische „Marktsülze“ angenommen und hielten diese auch zum Abholen bereit.

In der 803-jährigen Geschichte des Müdener Marktes, der zugleich ein Kirchweihfest ist, seien der Krämermarkt und die Kirmes zum Ende des zweiten Weltkriegs schon einmal ausgefallen, wie Ilse Bädke, ehemalige Vorsitzende des Verkehrsvereins Müden, meint. Der Gottesdienst habe aber immer stattgefunden. So versammelten sich auch heute rund 80 Besucher auf der Straßenkreuzung vor der Kirche, um mit den Pastoren Rudolf Blümcke und Michael Köhler und begleitet durch den Posaunenchor diese über 800-jährige Tradition fortzuführen.

Er wolle nicht die vielen Einschränkungen aufzählen, erklärte Pastor Blümcke und lenkte den Blick auf das aus seiner Sicht Positive der aktuellen Krise. „Alles, was uns aus dem regulären Trott herausholt, ist immer auch ein Gewinn. Ich habe mehr Zeit, mehr Muße, komme mehr zum Beten und Schweigen und kann mich mehr freuen am Garten, an der Natur, an Gottes Schöpfung“. Und: Viele, die sonst im Stress seien an diesem Tag, säßen hier jetzt völlig entspannt, habe er beobachet.

In ihrer Predigt stellten die beiden Pastoren die Geschichte von der  Heilung des blinden Bartimäus in den Mittelpunkt. „Was willst du, dass ich dir tue“, habe Jesus den Blinden gefragt. Diese Frage, die direktes Interesse am anderen Menschen signalisiere, sei der richtige Ansatz für die Lösung von Problemen. Einen kleinen politischen „Seitenhieb“ gab es auf diejenigen, die „die Regierung kritisieren und glauben, alles besser zu wissen“. Sie seien wie Blinde. Am Ende aber lautete das Fazit: Wir alle sollten unsere eigene Blindheit erkennen.

Übrigens gab es auch eine Premiere beim diesjährigen Laurentiusmarkt. Erstmals wurde in Müden ein Gottesdienst live im Internet gestreamt. Nachzuschauen auf https://www.youtube.com/watch?v=VSDVq9rjgtU&t=332s