Auf historischen Pfaden: Müdenerinnen absolvierten Marathon in Marathon

Sport Von Extern | am Fr., 19.11.2021 - 16:30

MARATHON/MÜDEN. Jeder kennt sie - die griechische Legende des Boten, der in voller Kampfausrüstung rannte ohne anzuhalten und nahezu jeder Laufsportler hat ihn – den Traum, die geschichtsträchtige 42,195 km-Strecke von Marathon nach Athen zu bewältigen. So auch Jenny Lemke, Tanja Groß, Peggy Götting und Karin Kaiser vom MTV Müden/Ö.

Bereits vor zwei Jahren sollte es gemeinsam auf die weite Reise zur Wiege der Königsdisziplin der Olympischen Spiele gehen. An den Ort, der wie kein anderer im Sport, Werte wie Fairplay, Freundschaft und Frieden repräsentiert. Doch mitten in der heißen Trainingsphase wird die Großveranstaltung wegen Corona abgesagt und verschoben. Erst jetzt, Mitte November 2021, konnte der eng mit der antiken Historie Griechenlands verknüpfte Langstreckenlauf stattfinden.

Seinen Ursprung hat der Lauf in der Schlacht von Marathon 490 vor Christus. Um den Sieg der Griechen über die Perser zu vermelden wurde ein Bote in das knapp 40 km entfernte Athen geschickt. Nachdem er die Siegesnachricht überbracht hatte, brach er tot zusammen. In Erinnerung an diese Begebenheit wurde bei den Olympischen Spielen im April 1896 in Athen der erste Marathonlauf durchgeführt. Seit 1983 starten die Athens Classic jährlich auf der Originalstrecke. 

Die vier laufbegeisterten Damen aus Müden bereiteten sich gründlich mit einem abwechslungsreichen Training und mehreren Wettkämpfen, unter anderem in Hamburg, Berlin und Schwerin auf die außerordentlich schwere Strecke von Marathon nach Athen vor. Der Reiseveranstalter hatte die Unterbringung in Athen bestens organisiert und so brach die Reisegruppe am Veranstaltungstag morgens um 5.30 Uhr auf, zur Fahrt nach Marathon. Das Wetter war mit angenehmen 17° C und leichter Bewölkung optimal. 

Pünktlich um 9 Uhr fiel der Startschuss. Die ersten etwa zwölf Kilometer des Kurses sind flach und führen unter anderem um die Gedenkstätte der Schlacht von Marathon herum. Anschließend geht es zunächst allmählich und ab Kilometer 20 deutlich bergauf. Für die Läuferinnen bedeutete es, die Kräfte gut einzuteilen, das Tempo nicht zu hoch ansetzen, auch wenn das herzliche Publikum immer wieder kräftig anfeuerte. Die Streckenversorgung mit Getränken und Obst war sehr gut organisiert.

Zwischendurch wurden traditionell Olivenzweige als Glücksbringer an die Sportler verteilt und auch die griechischen Kinder liefen immer wieder lachend und klatschend ein kleines Stück nebenher. Rund zehn Kilometer vor dem Ziel ist der höchste Punkt der Anhöhe zwischen Marathon und Athen erreicht. Von gut 200 Metern Höhe geht es dann mehr als 100 Meter bergab bis ins Ziel im Panathinaikon Stadion. Der Zieleinlauf bei griechischer Musik und jubelnden Zuschauern wird den Müdenerinnenn für immer als magischer Moment in Erinnerung bleiben.

Die langgezogene Marmor-Arena, deren Laufbahn nicht wie üblich 400 sondern 333,33 Meter misst und bereits bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen Zielpunkt war, verströmt eine ganz besondere Atmosphäre. Die vier Läuferinnen genossen die Herzlichkeit der Gastgeber trotz der bewältigten Strapazen, entspannt und überglücklich noch eine ganze Weile auf den Rängen des Stadions, bevor es zurück ins Hotel ging und der Tag auf der Dachterrasse mit Panoramablick über Athen ausklang. Ihr Fazit: Die Athener lieben ihren Marathon. Es war eine sehr gelungene sportliche Reise mit Historie zum Anfassen. 

Text: Rita Euhus