Tradition und neuer Spirit – Wienhäuser „Mühlengrund“ auf Zukunftskurs

Wirtschaft Von Anke Schlicht | am Mo., 06.01.2020 - 19:15

WIENHAUSEN. Vegan und vegetarisch, After-work und Beer-Tasting – Begriffe, die nicht recht passen wollen zum gediegenen Ambiente der Gaststube, die nun von den neuen Betreibern peu à peu ein neues Antlitz erhalten wird. Der Braugasthof „Mühlengrund“ im Herzen Wienhausens versprüht den Charme des Vergangenen mit all seinen Vorzügen. Wer hier sein Bier zur deutschen Hausmannskost genoss, tat dieses in solider Wirtshausatmosphäre. Ein angenehmer Gegenpol zu Smartphone und Schnelllebigkeit, doch kein Garant fürs ökonomische Überleben. Reihum sterben die Landgasthöfe – kaum ein Dorf im Landkreis kann noch verweisen auf eine florierende Kneipe als Ort für Geselligkeit. 

Der „Mühlengrund“ hat dieses Gut bewahrt auf dem Niveau gehobener Gastlichkeit und wird dieses auch weiterhin tun – jedoch gepaart mit einer neuen Komponente, die dem Zeitgeist des gerade begonnenen Jahrzehnts entspricht. Wirtshaus 2.0 könnte man das, was den neuen Betreibern vorschwebt, nennen. „Das Thema Bier wollen wir in den Vordergrund stellen. Es wird Beer-Tastings geben mit korrespondierenden Speisen“, gibt Investor, Hindrik Dehnbostel, einen Ausblick auf der Basis dessen, was das Wienhäuser Lokal von allen anderen Gasthöfen im Celler Land abhebt – das selbst gebraute Bier. Das Sortiment soll erweitert und mit Events verbunden werden.

Hochzeitsgäste können ihr eigenes Bier brauen“, gibt der neue Geschäftsführer, Kevin Daasch, ein Beispiel. Der gelernte Restaurantfachmann stammt aus Hamburg, ist in den letzten Jahren viel in der Welt herumgekommen, hat sich inspirieren lassen von der Gastlichkeit und Kulinarik fremder Länder und möchte nun die Tradition des „Mühlengrunds“ mit einem neuen Spirit vereinen. Ihm zur Seite steht ein Team, das Hindrik Dehnbostel die „jungen Wilden“ nennt. Zumindest zwei davon scheinen gegen eine gewisse Bodenständigkeit jedoch nichts einzuwenden zu haben: Chefkoch Felix Gossler kehrt nach Lehrjahren im Berliner Nobelhotel „Adlon“ in seine ländliche Heimat zurück, er ist in Hohne aufgewachsen; Teamkollegin Anna Hanke nur wenige Kilometer weiter, in Ahnsbeck. Die gelernte Betriebswirtin für Touristik übernimmt den Posten der Restaurant-Leiterin. Ein zweiter Koch wird die gutbürgerliche deutsche Küche um südländische Einflüsse erweitern, denn er stammt aus Spanien. 

„Wir wollen nicht alles über den Haufen werfen, die Stammgäste keinesfalls vergraulen und das Dorf mitnehmen, aber es soll alles moderner werden“, erläutert Kevin Daasch die Pläne für den Neuauftritt. Vegan und vegetarisch wird in vielfältigen Variationen angeboten werden. Im Februar feiert die neue Speisekarte Premiere. Sowohl Dehnbostel als auch Daasch ist es wichtig zu betonen, dass nicht zu viel Großstadt Einzug halten wird. Aber natürlich setzt das junge Team auf Technik und Internet für Reservierungen und Bezahlwege. „Ideen sind da“, sagt der Geschäftsführer und avisiert After-work-Angebote und eine mögliche Zusammenarbeit mit der Celler „Funghi-Farm“ und weist darauf hin, dass er gerne Cocktails mixt. Im Sommer können diese open air genossen werden, der Biergarten öffnet im Mai und wird zur Bühne für eine zweite Säule des neuen Konzeptes, das Dehnbostel mit „handgemachte Musik und handgemachtes Bier“ umreißt.

Zweimal im Monat steht Musik auf dem Programm. Ein bunter Genre-Mix ist angedacht, bereits im März wird Klassik zu hören sein. Auch die früheren Betreiber, die Familie Kollmann, bereicherten mit Konzerten die Kunstszene im Celler Land, von 1992 bis Ende 2019 führten sie den „Mühlengrund“ erfolgreich. Nun bricht zeitgleich mit dem Jahrzehnt für das gediegene Lokal eine neue Ära an. Ein junges ambitioniertes Team führt es nach eigenem Anspruch „mit einem gewissen Stil“ in die Zukunft. Eröffnung ist am 8. Januar.