Müller zu Weihnachtsmarkt: "Stadt gebärdet sich wie Wirtschaftsunternehmen"

Von Redaktion | am Fr., 01.06.2012 - 16:57

Die Entscheidung der Verwaltungsspitze vom Mittwoch dieser Woche, auf der Stechbahn dem Weihnachtsmarkt den Vorzug zu geben gegenüber dem durch Verträge zugesicherten Wochenmarkt, gibt nach Ansicht von BSG-Rastherr Oliver Müller Anlass zur Besorgnis, welchen Weg die Verwaltung im Umgang mit heimischen Wirtschaftsbetrieben einschlage. In seiner Erklärung heißt es, ungekürzt und unkommentiert:

"Drei Stunden nach Veto der Marktbeschicker verkündet Rathaus Entscheidung"


[caption id="attachment_69655" align="alignleft" width="168" caption="Foto: Stadt Celle"][/caption]

Die Idee von der Umgestaltung des Weihnachtsmarktes ist nicht neu. Ob der angedachte „Weihnachtswald“ wirklich ein Alleinstellungsmerkmal für Celle darstellt, sei dahingestellt. Einige Monate nach Diskussion dieser Idee wurde dann auch mit den potentiell betroffenen Marktbeschickern geredet. Der Gedanke der Bürgerbeteiligung wird ja groß geschrieben im Rathaus. Drei Stunden nach dem letzten Treffen mit Marktbeschickern, die ihren Unwillen zu einem Umzug des Marktes im Dezember bekundet haben, gibt es die Nachricht aus dem Rathaus, dass der neuen Weihnachtsmarktgetaltung dennoch der Vorzug gegeben wird.

Ich möchte hier gar nicht die Frage aufwerfen, ob es sich bei solchen Treffen um eine Bürgerbeteiligung oder eine Bürgerbeschäftigung handelt. Wohl aber sei die Frage gestattet, ob der Weg der Stadt Celle, auf Events zu setzen statt auf das Wohl der heimischen Wirtschaftsbetriebe zu achten (immerhin auch Gewerbesteuerzahler für unser Stadtsäckel) der richtige ist.

Ebenso muss die Frage nach der Ernsthaftigkeit einer kommunalen Unterstützung der Daseinsfürsorge unserer Bürger erlaubt sein. Der Wochenmarkt ist nicht nur ein „wirtschaftlicher Betrieb“, er ist auch ein sozialer Treffpunkt vieler Bürger unserer Stadt. So argumentieren Marktbeschicker etwa, dass gerade ältere Marktbesucher bei einem Umzug des Marktes entnervt von der Suche ihres Stammgeschäfts von weiteren Besuchen während dieser Umzugszeit Abstand nehmen. Ärger und Umsatzeinbussen sind die Folge.

Welchen Sinn machen "Leuchttürme"?


Muss die Stadt sich wirklich wie ein Wirtschaftsunternehmen mit Tourismusschwerpunkt gebärden, oder geht es nicht vielmehr darum, die alltägliche Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern? Wenn „Leuchttürme“ die Menschen vor Ort daran hindern, ihren Alltag zu leben – also z.B. problemlos ihren Wochenmarkteinkauf zu verrichten, sollten wir vielleicht mal anfangen, über den Nutzen von Leuchttürmen nachzudenken.

Der Weihnachtsmarkt braucht die Stechbahn nicht, er kann sich anders ausbreiten – der Wochenmarkt aber ist nichts, was man hin und herschieben sollte. Das Bündnis Soziale Gerechtigkeit setzt sich für eine lebendige, intakte Stadtgesellschaft ein, in der Akteure aus der Stadt und der Region überlebensfähig sind und mit kommunaler Unterstützung rechnen können, damit sie zur Daseinsvorsorge der Bürger dieser Stadt beitragen können.

Hintergrund: http://celleheute.de/weihnachtsmarkt-kommt-auf-die-stechbahn/