„Motiv: Mensch“ – Neue Ausstellung im Albert-König-Museum

Kunst Von Anke Schlicht | am Fr., 23.10.2020 - 15:00

UNTERLÜSS. 31 Jahre liegen zwischen den beiden Selbstbildnissen, die in der aktuellen Ausstellung im Albert-König-Museum in Unterlüß zu sehen sind. Zuversichtlich, sich seiner Persönlichkeit bewusst, voller Schaffensdrang schaut der bedeutendste Maler der Südheide, Albert König, mit 29 Jahren in die Zukunft. „Selbstbildnis mit Palette“ hat er das im Jahr 1910 entstandene Werk überschrieben, all sein Können hat er hineingelegt, so dass es von der Kuratorin der Schau „Motiv: Mensch“, Dietrun Otten, als „Königs Meisterurkunde als Maler“ bezeichnet wird. Sein Leben liegt hinter ihm, als er 1942 ein weiteres Portrait anfertigt. Es lässt sich autobiografisch lesen, umgeben ist der in Eschede im Jahr 1881 geborene Künstler von einem Wald - Landschaften, und ganz besonders Bäume - waren Albert Königs bevorzugtes Sujet. Einen Zeichenblock hält er in der Hand, doch seine Gedanken scheinen nicht bei der Arbeit, und auch nicht bei der Natur, in der er sich befindet, sondern bei sich selbst. „Man spürt eine gewisse Müdigkeit, obwohl die immer wiederkehrende Erneuerung des Lebens im Frühling durch den ihn umgebenden Wald geradezu sichtbar wird. In seinen Blick hat sich Zweifel eingeschlichen, als wüsste er, dass er selbst nicht mehr lange an diesem Kreislauf teilhaben würde“, schreibt Dietrun Otten über das im Jahr 1942 entstandene Werk. Zwei Jahre blieben ihm zu diesem Zeitpunkt noch, er verbrachte sie zurückgezogen in seinem Haus mit Atelier in Unterlüß, das nun das ihm gewidmete Museum beherbergt.

Noch bis zum 28. Februar 2021 ist die Schau, in deren Mittelpunkt Portraits stehen, zu sehen. In München hatte Albert König dieses Metier erlernt, wirklich geliebt hat er es wohl nicht. Immer wieder fällt er zurück auf das, was ihm von Kindesbeinen an vertraut war. Wenn der in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsene Junge Tiere hüten musste, dann war er allein, keine Menschenseele leistete ihm Gesellschaft, nur Pflanzen, Bäume, Wiesen und Steine umgaben ihn. Und so stellt der Künstler seine zu portraitierenden Personen oft in Landschaften hinein. Oder er schafft auf andere Weise eine Verbindung zwischen Mensch und Natur. Die Gesichter sind wettergegerbt, die harte Arbeit der Heidjer hat Spuren hinterlassen. Albert König war das bäuerliche Landleben vertraut, sein Vater arbeitete als Dorfschmid in Eschede, aber auch die Handwerker betrieben in jener Zeit kleine Bauernhöfe nebenbei. Diese Welt hält der Maler fest, wenn er sich dem „Motiv: Mensch“ widmete. Eindrucksvoll Nachtwächter Gottschalk in Hohne. Das Dorf ist im Hintergrund erkennbar, der alte, Pfeife rauchende Mann mit grünem Umhang wird dort tief verwurzelt sein. Einsam wie einst der Hütejunge Albert verrichtet er seinen nächtlichen Dienst. König war innerhalb Deutschlands durchaus herumgekommen, hielt sich in Berlin auf, war sogar Schüler von Lovis Corinth, lernte in Düsseldorf und München. Das Haus in Unterlüß, in das er 1927 mit seiner Frau Dorothee zog, wirkt großzügig, ein Atelier war angeschlossen, König hatte die ärmlichen Verhältnisse hinter sich gelassen, doch die Lebenswelt seiner Kindheit scheint ihn stark geprägt zu haben. Seine Bilder zeigen Frauen auf dem Feld mit der Harke in der Hand oder sitzend in der Küche beim Gänserupfen, das Blau der Schürzen gibt den Grundton vor, das weiß-rot gepunktete Kopftuch hebt sich ab, setzt einen Kontrast zum Weiß der Gänse und Grau-Blau der Alltagskleidung.

Welten liegen zwischen diesen Bäuerinnen und jenen Damen, die der berühmteste Sohn Eschedes nackt auf Leinwand bannte. Luxuriöses Interieur, unbefangene, entspannte Gesichter, die Portraitierten scheinen auf der Sonnenseite des Lebens, König wählte die Farben entsprechend.

Diese Akte reihen sich ein in eine Bandbreite ungewöhnlicher Portraits, die sich den Besuchern in dieser sehenswerten Ausstellung „Motiv: Mensch“ seit dem 11. Oktober bieten.

Bis zum 28. Februar 2021, Albert-König-Straße 10, Unterlüß, 29345 Südheide, geöffnet täglich außer montags von 14:30 – 17:30 Uhr.