Muslimische Reformbewegung geht in die Offensive

Religion Von Anke Schlicht | am Mi., 26.02.2020 - 11:49

CELLE. „Wir sind alle Deutschland“, ist der Flyer betitelt, auf dem Cover schwenken junge Leute die Deutschlandflagge. Schwarz-rot-gold dominiert das farbliche Design. Den Ahmadi-Muslimen reicht es mit dem Bild der islamischen Lehre, das in Deutschland vorherrscht, sie gehen in die Offensive. Mit einer breit angelegten Kampagne wollen sie informieren über die ursprünglichen Werte des Islam. 

„Wir suchen das Gespräch, wir wollen den Menschen die Ängste nehmen“, sagt der islamische Theologe Salman Shah. Die Frage, ob sie sich damit auch an die Muslime in Deutschland richten, stellt sich nicht. „Wir werden unter den Muslimen nicht als Muslime anerkannt“, erläutert der Pressesprecher Numar Tahir. Die „Ahmadiyyat“ ist eine islamische Reformgemeinde mit Ursprung im Jahr 1889 in Indien. Sie beruft sich auf ihren Gründer, den Propheten Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (1835-1908). Hier liegt der Grund für die ablehnende Haltung der übrigen Gläubigen, diese erkennen keinen anderen Propheten an als Mohammed.

In Deutschland hat die Bewegung den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts mit einer Zentrale in Frankfurt. Sie ist berechtigt, Unterricht in Grundschulen zu erteilen, und hat im Jahr 2014 an der Islamkonferenz auf Regierungsebene teilgenommen. Der Hauptsitz für die weltweit mehrere Millionen Mitglieder zählende Gemeinschaft ist England, wo der Imam Salman Shah sieben Jahre gelebt hat. In perfektem Deutsch geben er und sein Pressesprecher Numar Tahir Auskunft. „In Niedersachsen haben wir fünf Gemeinden, insgesamt bekennen sich 45.000 Menschen in Deutschland zu Ahmadiyyat.“ Nur sehr wenige finden sich in Celle und Landkreis. „Nicht mehr als ein bis zwei Familien“, erläutert Numar Tahir. 

Dennoch oder gerade deshalb wird auch die Residenzstadt ein Ort für die Aufklärungskampagne sein, die Anfang März startet. Rund 450 Männer zwischen 16 und 40 Jahre werden in jedem Dorf und jeder Stadt bereitstehen für Gespräche. In jedem Landkreis wird ein Baum gepflanzt werden. Am 7. März ist Celle an der Reihe, ein Infostand in der Altstadt wird einladen, in den Dialog zu treten. „Wir wollen die Herzen der Menschen gewinnen, davon überzeugen, dass der Islam nichts mit Gewalt zu tun hat“, betont Imam Salman Shah. Wunsch und Ziel des Oberhauptes der Bewegung sei es, der Menschheit zu dienen und den Frieden zu etablieren. Ein Aspekt ist die absolute Loyalität dem Gastland gegenüber. „Deutschland hat uns viel Gutes getan“, sagt der Imam. Ein Grund, weshalb sie sich als Teil der Republik fühlen und dieses festgeschrieben haben in dem Slogan, „Wir sind alle Deutschland“ auf schwarz-rot-gold.