NABU-Gruppe Winsen rät zu mehr Gelassenheit beim Jakobskreuzkraut 

Umwelt Von Redaktion | am Mo., 13.06.2016 - 22:28

WINSEN/ALLER. Die NABU-Gruppe Winsen/Aller hat sich gründlich mit dem in letzter Zeit so heftig kritisierten Jakobskreuzkraut befasst. Hierzu erging jetzt folgender Vorstandsbeschluss: keine Beteiligung an Aktionen zum Ausstechen des Wurzelwerks mit Handwerkzeugen, vielmehr gelassene Beobachtung.

Die Gefährlichkeit des Jakobskreuzkrautes werde oft maßlos übertrieben, heißt es in dem Beschluss. Vielfach sei nicht bekannt, dass es in der offiziellen Liste giftiger Arten in Deutschland gar nicht aufgeführt ist. Dort stehen nämlich jene Pflanzen, „...die auch bei Aufnahme geringer Mengen mittelschwere bis schwere Vergiftungen verursachen können”. Hierunter fallen beispielsweise so bekannte Gewächse wie: Maiglöckchen, Kaiserkrone, Efeu und Kirschlorbeer. "Niemand käme auf die Idee, diese aus unseren Gärten zu entfernen", so die Mitglieder des NABU Winsen. Auch der NABU-Bundesfachausschuss „Weidelandschaften und Neue Wildnis” vertritt die Meinung, das Jakobskreuzkraut, welches schließlich zu unseren heimischen Wildkräutern gehört, nicht zu dramatisieren.

Bei der Hornbosteler Hutweide handele es sich um ein Naturschutzgebiet im Sinne der europäischen „Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie/Natura 2000“. "Schwer vorstellbar, dass hier Sondergenehmigungen für chemische Pflanzenschutzmittel erteilt werden, zumal das Jakobskreuzkraut als Nahrung für eine Reihe teils seltener Insektenarten diene, so der NABU Winsen. Andere geschützte Pflanzen könnten durch den Einsatz eines Herbizids geschädigt oder sogar vernichtet werden.

Zahlreiche NABU-Gruppen hätten längst erkannt, dass sich der Auswuchs des Jakobskreuzkrautes in Wellen vollziehe, seine „effiziente Bekämpfung mit vertretbaren Mitteln weder möglich noch notwendig ist”.

Dieser Einschätzung schließt sich auch der NABU Winsen/Aller an und stellt abschließend fest: Sollte die Ausbreitung der Pflanze auf dem Gelände der Hornbosteler Hutweide in den kommenden Jahren weiter zunehmen, so seien biologische gegenüber mechanischen oder gar chemischen Maßnahmen in jedem Falle vorzuziehen. Das Jakobskreuzkraut habe nämlich einen natürlichen Fressfeind, der bereits im schleswig-holsteinischen Dithmarschen zur Bestandsregulierung eingesetzt werde: die Raupe des Blutbärfalters, auch „Jakobskrautbär“ genannt.