HANNOVER. Das „EuroBirdwatch“-Wochenende am 6. und 7. Oktober gibt den Startschuss für zahlreiche Veranstaltungen in Niedersachsen rund um die Faszination Vogelzug. Das Zugvogelverhalten verlaufe allerdings in diesem Jahr durch den trockenen Sommer anders als sonst und berge einige Überraschungen. „Beobachtungen am Birdwatch-Wochenende helfen dabei, Veränderungen von Zugzeiten festzustellen und Wettereinflüsse auf die Natur besser zu verstehen“, teilt der NABU Niedersachsen mit.

Zugvögeln sei der Klimawandel besonders dicht auf den „Schwingen“, denn sie seien auf intakte Verhältnisse gleich an mehreren Orten der Welt angewiesen: an ihren Brutplätzen, in ihrem Überwinterungsgebiet und an den Rastplätzen entlang der Zugrouten. Zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass der derzeitig auf der ganzen Welt wirksame Klimawandel verschiedene Veränderungen für die Vogelwelt mit sich bringe. „Viele Zugvögel kehren im Frühjahr etwa drei Wochen früher aus ihren Winterquartieren zurück als vor 40 Jahren, manche ändern ihre Abzugszeiten im Herbst und immer mehr unserer Rotmilane oder Graugänse fliegen gar nicht mehr bis in den Mittelmeerraum oder an die Atlantikküste“, so der NABU Niedersachsen. Kraniche und nordische Gänse ließen sich an ihren Rast- und Sammelplätzen aber immer noch beobachten. Vor allem letztere träten an der niedersächsischen Nordseeküste in besonders großen und beeindruckenden Trupps auf.

Jedes Jahr verließen über 200 Millionen Zugvögel ihre Brutgebiete in Deutschland, um in Südeuropa oder Afrika zu überwintern. Hinzu kämen 300 Millionen Zugvögel, die auf ihrem Weg durch Deutschland fliegen oder schon hier ihr Winterquartier erreicht hätten.

Beim Birdwatch stehe das gemeinsame Naturerlebnis im Mittelpunkt. Das Flugverhalten ziehender Vögel sei ein faszinierendes Schauspiel am Herbsthimmel. Am besten beobachte man von einem erhöhten oder exponierten Standort. Da Zugvögel ihre Flughöhe nicht verändern, nur weil ein Hügel vor ihnen liegt, sei man dort näher an den Vögeln dran. Dadurch bekomme man sie überhaupt erst mit und erkenne sie auch besser. Wenn man sicher bestimmen möchte, welche Art gerade über einen fliegt, sei ein Fernglas unentbehrlich.
Während der Hauptzugzeit sei bei guter Sicht eigentlich jede Tageszeit erfolgversprechend. „Besonders Kraniche, Finken, Schwalben, Lerchen oder Saatkrähen fliegen tagsüber, andere Arten wie Stare, Drosseln oder Watvögel bekommt man jedoch kaum zu sehen, da sie überwiegend nachts ziehen. Hier hat man an den Rastplätzen der Vögel bessere Beobachtungschancen“, empfiehlt der NABU Niedersachsen.

Der EuroBirdwatch am 6. und 7. Oktober ist nur der Beginn zahlreicher Veranstaltungen rund um den Vogelzug an der niedersächsischen Küste. Vom 13. bis 21. Oktober schließen sich die zehnten Zugvogeltage mit einem breiten Exkursions- und Vortragsprogramm an. Das Wattenmeer sei ein spektakulärer Rastplatz für Zugvögel – europaweit das bedeutendste Rastgebiet für Vögel. Es sei Dreh- und Angelpunkt der ostatlantischen Zugroute, die die arktischen Brutgebiete mit den west- und südafrikanischen Winterquartieren vieler Watvögel verbindet. Vögel die entlang der Nordseeküste ziehen, ließen sich im Rahmen der Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer beobachten.

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