NABU: Osterfeuer gefährden Tiere auch später

Umwelt Von Extern | am Fr., 10.04.2020 - 15:37

NIEDERSACHSEN. Wegen der Corona-Pandemie können auch die Osterfeuer am kommenden Wochenende nicht stattfinden. Die Brauchtumspflege soll nach Willen der Landesregierung aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden können. Umweltminister Olaf Lies betonte zwar, nach Ostern würden keine Abfälle illegal entsorgt und Ziel sei die Brauchtumspflege und nicht das Verbrennen von Abfällen, doch der NABU Niedersachsen sieht eine Verschiebung der Osterfeuer kritisch und plädiert für Alternativen.

Der Ausfall der Osterfeuer wäre für die Natur die einzig konsequente Entscheidung. Denn für Tiere besteht die Gefahr vor allem in den Folgewochen bzw. -monaten. Zwischen 1. April und 15. Juli gilt die allgemeine Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit, Vögel, Igel und andere Tiere sind dann aktiv im Brutgeschäft bzw. mit der Aufzucht ihres Nachwuchses beschäftigt. Diese besondere Zeit muss berücksichtigt werden. Zudem werden erst jetzt zahlreiche Insekten aktiv, die ebenfalls Unterschupf in Reisighaufen suchen und im fortgeschrittenen Frühjahr dem Osterfeuer zum Opfer fallen würden. Der spätere Zeitpunkt erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit einer erhöhten Wald- bzw. Grasland-Brandgefahr – wie bereits 2019 – und könnte zu erneuten Absagen führen. Bis dahin hätte sich nur noch mehr Grünschnitt angesammelt, welches dann fachgerecht entsorgt werden müsste. Schon jetzt würde frischer Grünschnitt nur zu einer stärkeren Rauchentwicklung und größeren Luftbelastung führen. Dabei werden nicht nur für den Menschen schädliche Gase freigesetzt sondern vor allem auch enorme Mengen an Kohlenstoffdioxid – gerade mit Blick auf den Klimawandel sollte der zusätzliche Ausstoß des Treibhausgases CO2 möglichst vermieden werden.

Um dies zu vermeiden, empfiehlt der NABU das Belassen des Grünschnitts im Garten. Äste und Strauchwerk können tier- und umweltfreundlich an geeigneter Stelle – möglichst nicht in Senken, in denen sich Wasser sammeln kann – aufgeschichtet werden. Grobes Material am Boden bietet ausreichend Hohlräume bspw. für Igel, darüber aufgeschichtetes, feineres Deckmaterial dient als kleinere Unterschlupfmöglichkeit bspw. für Vögel und Insekten.

Feinerer Grünschnitt könnte, stark zerkleinert, auch in einem Komposthaufen im Garten, gemischt mit gröberen Teilen aus zerkleinerten Zweigen und Ästen, für den Nährstoffhaushalt der Böden/Beete und als dünne Mulchschicht direkt aufgetragen werden, wodurch zudem die Bodendurchfeuchtung gestärkt würde. Ebenso ist die Nutzung für Hochbeete eine nachhaltige Option.

Wenn dies nicht geht, weil die Grüngutmengen zwischenzeitlich zu groß würden und weder eine Kompostierung noch die Nutzung als Brut- und Unterschlupfhaufen in Frage kommt, bleibt letztendlich nur die Einlagerung in engmaschigen Drahtkörben oder Säcken, die möglichst nicht luftdicht sein sollten, bis eine Entsorgung auf Wertstoffhöfen wieder möglich ist. Eine privates Verbrennen von Gartenabfällen ist in Niedersachsen nicht erlaubt. Eine Forderung, wie zuletzt von der FDP, dieses doch zu erlauben, kann nicht die Lösung sein, zumal keine Kontrolle darüber besteht, was verbrannt wird und wie die Entsorgung der Verbrennungsreste erfolgt.