CELLE/WOLFSBURG/GIFHORN/STEINHORST. Mit großer Mehrheit haben die politischen Gremien dem umfassenden Fusionskonzept zugestimmt, zuletzt heute Mittag der Celler Kreistag – wir meldeten in unserer App und auf Facebook/Twitter (Redebeitrag siehe unten). Soeben haben die Beteiligten in einer Pressekonferenz in Steinhorst die Hintergründe und Eckdaten aus ihrer Sicht erklärt.

Mitte Dezember 2018 hatten die offiziellen Gespräche begonnen und am 1. September 2019 werden die Häuser zur Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg zusammengeführt. „Mit dem Votum für die Fusion ist eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen worden. Davon werden Kunden, Mitarbeiter, die Region und schließlich auch die Sparkasse selbst spürbar profitieren“, sagt
Dr. Andreas Ebel. Der Gifhorner Landrat führt den Verwaltungsrat der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg und wird auch der erste Verwaltungsratsvorsitzende der fusionierten Sparkasse. Ebel begrüßt, dass die Verhandlungen zügig geführt und die Entscheidungen innerhalb eines kurzen Zeitraumes getroffen wurden. „Wir blicken auf intensive Gespräche zurück, in die sich alle Beteiligten aktiv und verantwortungsbewusst eingebracht haben. Es war ein guter Schulterschluss und die zahlreichen Argumente für diese Fusion sprechen für sich.“

Es entstehe die fünftgrößte Sparkasse Niedersachsens mit einer Bilanzsumme von 6,4 Milliarden Euro, 1.200 Mitarbeitern, 225.000 Kunden und einem Kundengeschäftsvolumen in Höhe von zwölf Milliarden Euro. Hauptstelle und Vorstandsitz werden in Gifhorn sein. Darüber hinaus bleiben Celle und Wolfsburg Hauptstandorte der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg.

„Mit der neuen Größe wird auch die Bedeutung der Sparkasse in der Region wachsen“, sagt Dr. Jörg Nigge. Der Celler Oberbürgermeister ist Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Celle und war von Anfang an vom Nutzen der Fusion überzeugt. „Wir sind uns auf allen Gesprächsebenen stets auf Augenhöhe begegnet und die jetzt positiv entschiedenen Verhandlungsergebnisse spiegeln das vielfach wieder.“

Träger der fusionierten Sparkasse sind der Landkreis Gifhorn (30%), die Stadt Wolfsburg (20%), der Landkreis Celle und die Stadt Celle (jeweils 25 %). Die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg wird die Sparkasse Celle juristisch und technisch aufnehmen.

Nigge weiter: „Stefan Gratzfeld und Kay Hoffmann führen ihre heutigen Positionen in den Sparkassen Celle und Gifhorn-Wolfsburg als Vorstandsvorsitzender und stellvertretender Vorstandsvorsitzender in der fusionierten Sparkasse fort, Dr. Patrick Kuchelmeister aus Celle wird das Vorstandstrio komplettieren.“

Der heutige Vorsitzende des Vorstandes der Sparkasse Gifhorn- Wolfsburg, Gerhard Döpkens, und Vorstandsmitglied Klaus Lüdiger werden dem künftigen Vorstand altersbedingt nicht mehr angehören. Diese einvernehmliche Entscheidung begründet Döpkens: „Ich bin davon überzeugt, dass der langfristig verantwortliche Vorstand von Anfang an gemeinsam wirken sollte, um strategische Entscheidungen zu treffen, die nachhaltig wirken können.“

Die Aufgabe sei nun, die Stärken der beiden nach eigenen Angaben wirtschaftlich gut aufgestellten, gesunden Häuser zu bündeln. „Die Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg wird deutliche qualitative und quantitative Mehrwerte generieren können“, sagt Döpkens. Die Fusion ermögliche eine höhere Leistungsfähigkeit, die eine stärkere Spezialisierung und somit eine Erweiterung der Geschäftsfelder erlaube. Das damit verbundene zusätzliche Wachstum führe zu einem Ausbau der Marktposition. Jetzt gehe es darum, Zukunft gemeinsam zu gestalten und zusammenzuwachsen. Es gehöre zum Selbstverständnis der fusionierten Sparkasse, ihrem öffentlichen Auftrag uneingeschränkt weiter nachzukommen.

Potenziale und Chancen nutzen, um damit den Markterfolg zu steigern – dieses Ziel formuliert Stefan Gratzfeld. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Celle und künftige Vorstandsvorsitzende der fusionierten Sparkasse betont: „Wir handeln aus der Position der Stärke heraus. Das ermöglicht uns, die Zukunftsfähigkeit unserer Sparkasse noch besser zu sichern. Wir können noch effizienter werden und Synergien heben. Wir haben die Kraft, um noch intensiver in richtungsweisende digitale Strukturen zu investieren. So bleiben wir attraktiv für unsere Kunden – Privatkunden ebenso wie regionaler Mittelstand – und das ist die Grundlage für unseren Erfolg. Für unsere Kunden bleiben die Strukturen vertraut, die Möglichkeiten wachsen aber und die Beziehung zu uns wird noch bequemer, einfacher und schneller werden. Die Sparkasse wird größer werden aber nah bleiben.“

Die langfristige Perspektive der Kunden war für Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs ein entscheidender Faktor, die künftige Sparkasse anzustreben. „Das Filialnetz bleibt im Zuge der Fusion unangetastet“, betont der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg. Verlässlich bleibe die Sparkasse auch gegenüber ihren Mitarbeitern. Arbeits- und Ausbildungsplätze seien weiterhin sicher und attraktiv. Mohrs: „Betriebsbedingte Kündigungen im Zuge der Fusion sind ausgeschlossen. Die Mitarbeitervertreter waren von Beginn an in die Gespräche eingebunden. Aus meiner Sicht hat das den Verhandlungen sehr gut getan.“

Das bestätigen der Celler Personalratsvorsitzende Thomas Aulich und die stellvertretende Personalratsvorsitzende der Sparkasse Gifhorn- Wolfsburg, Josephine Perlin. Aulich: „Wir haben eine ausdrücklich gute Dienstvereinbarung über personelle, organisatorische und soziale Maßnahmen abgeschlossen. In der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg wird es für Mitarbeiter auch neue Aufgaben und neue Einsatzorte geben. Als Personalräte sind wir fest davon überzeugt, dass diese Veränderungen aber auch berufliche Chancen, Qualifizierungen und Perspektiven bedeuten – bei einem sicheren, modernen, zukunftsorientierten und familienfreundlichen Arbeitgeber.“

Von einer noch leistungsfähigeren Sparkasse profitiere auch die Region, verdeutlicht Klaus Wiswe. Der Celler Landrat und stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Celle ist zufrieden, dass die Gewerbesteuer in gleichem Maße wie bisher an die Kommunen fließen wird und ist optimistisch, dass eine wachsende Sparkasse diese Beiträge sogar noch steigern kann. „Darüber hinaus soll es künftig Ausschüttungen an alle Träger geben“, so Wiswe. Ebenso viel Wert habe er darauf gelegt, dass das gesellschaftliche Engagement intensiv fortgesetzt wird. Wiswes Fazit: „Von der gestärkten Position der Sparkasse sollen vor allem die Menschen profitieren, die hier vor Ort leben.“ Ein ambitioniertes Ziel – das künftige Geschäftsgebiet der Sparkasse Celle- Gifhorn-Wolfsburg umfasst mehr als 3.300 Quadratkilometer.

Die Zweckverbandsversammlungen beider Sparkassen sind an die Entscheidungen der Kreistage und Stadträte gebunden. Sie werden die Fusion am 9. April 2019 (Celle) und am 10. April 2019 (Gifhorn- Wolfsburg) beschließen.

KREISTAGSSITZUNG CELLE. Zum Redaktionsschluss liegt uns die Rede von Mathias Pauls, Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion, vor. Wir geben diese wie gewohnt unzensiert und unkommentiert wieder:

„Um das Entscheidende gleich vorweg zu nehmen: Die SPD-Fraktion wird der Fusion der Sparkassen Celle und Gifhorn-Wolfsburg zustimmen.
Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber letztendlich haben die Argumente für eine Fusion überwogen:

Es handelt sich um einen Zusammenschluss zweier gesunder Sparkassen auf Augenhöhe. Es wird eben nicht das eine Institut vom anderen ‚geschluckt‘, wie es bei einer Fusion mit einem wesentlich größeren Haus der Fall gewesen wäre.

Durch die Verbindung entsteht eine Sparkasse, die groß genug ist, um die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft wie die andauernde Niedrigzinsphase, den demografischen Wandel, die zunehmende Regulatorik im Finanzwesen und die Digitalisierung zu meistern, und ein Institut, das übersichtlich genug ist, um die regionale Verwurzelung und Identität zu behalten. Es bleibt „unsere Sparkasse“. Eine Änderung des Fusionsvertrages gegen den Landkreis Celle ist nicht möglich!

Uns hat überzeugt, neben allen betriebswirtschaftlichen und finanzmarktpolitischen Argumenten, dass beide Personalräte fest hinter dieser Fusion stehen. Die Belastungen, die dadurch entstehen, dass einige Mitarbeitende nun zwischen Celle und Gifhorn pendeln müssen, werden durch interne Vereinbarungen abgefedert. Langfristig werden die Arbeitsplätze der zukünftigen Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg gesichert und das Haus bleibt ein attraktiver Arbeitgeber und ein wichtiges Ausbildungsunternehmen für unsere Region.

Jedoch will ich zum Schluss doch noch etwas Wasser in den Wein gießen: Es stimmt, unsere Sparkasse muss moderner und digitaler werden – und dabei ist sie auf einem guten Weg.
Doch auch Menschen, die sich in der schönen neuen digitalen Welt nicht daheim fühlen, müssen in unserer Sparkasse zu Hause sein. Deswegen will ich abschließend hier an die Verantwortlichen appellieren, auch diese Kunden mitzunehmen. Wir müssen Wege finden, es auch diesen Menschen zu ermöglichen, ihre Bankgeschäfte ohne zusätzliche Kosten zu erledigen.“

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