CELLE. Die Vergasung von Maulwürfen im Französischen Garten, die durch einen CELLEHEUTE-Leser zufällig aufgedeckt wurde, hat die Gemüter aufgewühlt wie lange nicht – auch und vor allem in unserer Facebook-Ausgabe. Das Video vom vergifteten Maulwurf verstörte viele LeserInnen. Was Privatbürgern verwehrt bleibt und mit einem 50000 Euro – Bußgeld belegt werden kann, hat die Verwaltung durchgesetzt, „mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde“, wie es gestern aus dem Rathaus wortkarg hieß. Erst auf Nachfrage von CELLEHEUTE räumte die Stadt ein, dass damit nicht, wie viele irrtümlich glaubten, die Abteilung des Landkreises gemeint war, sondern die aus eigenem Hause – auf deutsch: Die Stadt hat sich die Genehmigung selbst erteilt.

„Andere Kommunen machen das doch auch“

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ein Unding. Der Kreisvorsitzende Heinrich Lammers erklärte, dass der Verein Strafanzeige gegen die Stadt stellen wird. Diese wiederum versucht weiterhin zu beschwichtigen. Sprecherin Myriam Meißner erklärt: „Vorausgegangen war ein formelles Antragsverfahren, bei dem auch externe Dienststellen beteiligt wurden. Die erteilte naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung ist nur als ‚ultima ratio‘ in diesem Einzelfall zu sehen und nicht übertragbar auf die Situation in privaten Gärten, weil dort in der Regel keine öffentlichen Belange (zum Beispiel Sicherheitsrisiken) für die Bekämpfung sprechen. Im Übrigen wurde hier ein Verfahren angewendet, das auch in anderen Kommunen in solchen Sonderfällen praktiziert wird.“

Wie war der formelle Antrage begründet? Keine Erklärung. Welche externen Dienststellen waren beteiligt? Keine Erklärung. Was genau wurde vorher versucht, dass zum „Ultima Ratio“ gegriffen werden musste? Keine Erklärung. Welche Sicherheitsrisiken? Keine Erklärung.

Einzig Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge scheint die Brisanz erkannt und in diesem Fall verstanden zu haben, dass „recht haben“ und „recht handeln“ nicht immer das Gleiche sind. Erstmals in der Videoreihe „Klartext“ keine Erklärungsversuche, sondern Einsicht. Über den städtischen Facebook-Kanal stellt er dort klar, dass alles rechtens gelaufen sei. „Dennoch habe ich an uns als Verwaltung einen anderen Anspruch eines ethischen und moralischen Handelns und werde diese Vorgehensweise in der Stadt Celle für die Zukunft ausschließen“, so Nigge.

Trotz Artenschutz: Maulwürfe nach städtischer Vergiftungsaktion verendet





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