VERDEN/WOLTHAUSEN. Seit Wochenbeginn stockt es auf der vielbefahrenen B 3 in Wolthausen: Grund ist die marode Örtzebrücke. Sie muss abgerissen werden und ist bis auf Weiteres nur noch einspurig befahrbar (CELLEHEUTE berichtete). Bis 2020 eine Behelfsbrücke eingerichtet wird, regelt eine Ampel den Verkehr – es staut sich erwartungsgemäß teilweise über mehrere Kilometer und das werde noch Jahre andauern. Wie bereits im vergangenen Sommer auch – da wurden der Belag und Abdichtungen erneuert, für genau diese Brücke und rund 130.000 Euro Steuergelder.

Auf Nachfrage von CELLEHEUTE erklärt die zuständige Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden: „Sie haben das richtig in Erinnerung. Bei dem Bauwerk wurden im vergangenen Jahr die Fahrbahnbeläge erneuert. Zum Zeitpunkt der Belagserneuerung lagen uns als zuständiger Baulastträger noch keine abschließenden Informationen zum Tragverhalten der Brücke vor, da zu diesem Zeitpunkt die Nachrechnung des Bauwerks gerade erst beauftragt wurde und die statische Auswertung erst im Spätherbst des vergangenen Jahres vorlag. Erst nach der nunmehr bestätigten Berechnungsergebnisse durch den beteiligten Prüfingenieur sind umgehend die erforderlichen verkehrsbeschränkenden Maßnahmen eingeleitet worden.

Ein Sanierung der Fahrbahnbeläge hätte zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit aber auf jeden Fall für die Restnutzungsdauer der Brücke erfolgen müssen. Die Fahrbahnbeläge wurden zuletzt im Jahr 1977 erneuert und befand sich in einem sehr schlechten Zustand.“

Heißt im Klartext: Zwei unterschiedliche Abteilungen waren mit der Örtzebrücke beauftragt, und das sei nicht nur „ganz normal“, sondern es käme sogar häufiger vor, dass Brücken saniert würden, ohne zu wissen, ob sie hinterher abgerissen werden müssten.

Auf erneute Nachfrage erklärt die Behörde: „Grund ist das Bundesfernstraßengesetz. Im § 4 ist u. A. eine Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers (Baulastträgers) verankert. Diese umfasst die Verpflichtung, alle Verkehrsteilnehmer, die diese Verkehrsflächen nutzen, vor Gefahren zu schützen, die aus dem Zustand der Verkehrsflächen herrühren. Ungeachtet etwaiger Kosten ist der Bund als Eigentümer der Verkehrsflächen (Brücke) im Rahmen des Bundesfernstraßengesetzes § 3 verpflichtet, Schäden zeitnah zu beseitigen, damit für den Nutzer keine Gefahr durch sich z. B. lösende Asphaltbeläge besteht. Dieses beinhaltet auch bei sich ändernden Verkehrsentwicklungen eine Erneuerung eines Bauwerkes.“

Viele Brücken in Niedersachsen seien in einem schlechten Zustand, die u. a. in zunehmenden LKW-Verkehr Schwerlasttransporten geschuldet seien. Für Wolthausen erwarten Experten jahrelange Verkehrsbehinderungen. Mit der Fertigstellung der Behelfsbrücke ist nicht vor 2020 zu rechnen. Danach erst wird die Örtzebrücke neu gebaut – wie lange und zu welchen Kosten, weiß bisher noch niemand.

*Aktualisiert* Örtzebrücke gefährdet – B 3 wird in Wolthausen vorerst dauerhaft einspurig

Eine Antwort zu “Nach Sanierung ein Sanierungsfall: 130.000 Euro für Örtzebrücke vergebens?”

  1. bernd sagt:

    Man sollte dringend die Amtsstrukturen neu berechnen! Und Lehrgänge über Coordination fördern!

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