Demo gegen NPD: Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus zieht Bilanz

Gesellschaft Von Extern | am Mo., 23.12.2019 - 15:59

ESCHEDE/SÜDHEIDE. Für das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus zieht Wilfried Manneke, Pastor i.R., eine Bilanz der gestrigen Demonstration gegen die dortige Veranstaltung der NPD Niedersachsen:

"Gestern, am 21. Dezember 2019, um 12.30 Uhr, versuchten Mitglieder der NPD und andere Neonazis, vom Hof Nahtz bis nach Eschede zu marschieren, um dort mehrere Kundgebungen durchzuführen. Sie kamen aber nicht weit, nur bis an die L 281, wo der Feldweg zum Hof Nahtz beginnt. Gegendemonstranten blockierten nämlich die Landesstraße. So mussten die Neonazis schließlich frustriert umkehren. Ungefähr 650 Gegendemonstranten folgten ihnen zum Hof.

Die NPD hatte schon vorsorglich um die Hofstelle einen hohen Sichtschutzzaun aufgestellt. Der frühere Hofbesitzer und NPD-Aktivist, Joachim Nahtz, stand auf einer Leiter hinterm Zaun und schaute zu uns herüber. Als er mich sah, grüßte er und trug dann mit lauter Stimme ein Hetzgedicht gegen die Kirche vor. Das hat er vor zwei Jahren schon 'mal gemacht. Als er mich im Sommer 2017 bei einer Demo am Straßenrand entdeckte, hielt er sofort an, kurbelte die Scheibe herunter und sagte das gleiche Gedicht auf. Ich habe mir nicht alles angehört, dafür war es auch zu lang. Vielleicht hat er das Gedicht schon als Kind im Dritten Reich gelernt.

Über den Sichtschutz schaute auch Manfred Dammann, Vorsitzender der NPD in Niedersachsen. Ich konnte ihm ansehen, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass der Demonstrationszug so lang sein würde. Mit einem großen Objektiv fotografierte er alle vorbeiziehenden Demonstranten. Oft stellen Rechtsextreme solche Fotos in soziale Netzwerke, auf Webseiten und in Blogs. Ihr Ziel ist es, die Abgebildeten einzuschüchtern und von weiteren Protesten gegen Rechts abzuhalten.

Auf einer großen Wiese neben dem Hofgebäude führten wir schließlich unsere Kundgebung durch. Redner*innen waren u.a. Kirsten Lühmann, Marlies Petersen, Kirsten Dieckmann und ich. Eine junge Frau vom "Bunten Haus Celle" machte den genialen Vorschlag, den Weg zum NPD-Hof umzubenennen. Statt „Zum Finkenberg“ sollte der Weg in Zukunft „Sophie-Scholl-Straße“ heißen. Für diese Anregung erhielt die Rednerin viel Applaus. Viel Zustimmung erhielt auch eine Aktion des „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“. Acht Personen hielten nämlich einen riesigen Banner in Richtung des NPD-Hofes. Auf dem Banner standen in großen Buchstaben die Anschrift und Telefonnummer einer Aussteigerhilfe für Neonazis.

Die gestrige Demonstration gegen die rechtsextreme Sonnwendfeier auf dem NPD-Hof in Eschede war ein voller Erfolg. Noch nie hatte eine unserer Demos gegen Rechts so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Laut Polizeiangaben waren es 650. Wenn wir aber diejenigen mitzählen, die wegen ihres Alters oder aus gesundheitlichen Gründen die lange Strecke bis zum Ort der Kundgebung nicht mitgehen konnten, kommen wir auf 800 Personen.

Auch die Veranstaltung am Abend in der Glockenkolkhalle in Eschede war mit 350 Personen gut besucht. Das Thema lautete: Unsere starke Stimme für Eschede. Im Rahmen eines gemeinsamen Singens von Advents- und Weihnachtsliedern wurde auch hier ein deutliches Zeichen gesetzt gegen Rassismus,  Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Die musikalische Leitung hatte Eike Formella (Unterlüß) mit seinem Gospelquartett „Honour & Hope“. Die Hauptansprache hielt die Celler Superintendentin Dr. Andrea Burgk-Lempart. Veranstalter waren die Gemeinde Eschede und die Johanniskirchengemeinde. Ich meine: Es ist wichtig, dass viele Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme gegen Rechtsextremismus erheben."