Das Zertifizierungsprojekt „proBerufsOrientierung! Schule-Wirtschaft“ der Landesschulbehörde Niedersachsen zeichnet Schulen aus, die die Aufgabe der Berufsorientierung in herausragender Weise erfüllen. Dazu wird auch das KAV-Gymnasium in Celle gezählt.

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Im Rahmen eben dieses Projekts nun fand am vergangenen Mittwochabend ein besonderer Elternabend an dem Gymnasium statt. Sieben externe Referenten hatte man geladen, unter anderem von der Leuphana Universität Lüneburg, der Hochschule Hannover und der Bundesagentur für Arbeit. Es galt, wie Schuldirektor Bernd Ostermeyer in seinen einführenden Worten darlegte, Neil Postmans Bestandsaufnahme (von 1985), „We are overnewsed but underinformed“, ernstzunehmen und dem so beschriebenen Zustand durch profunde Information entgegenzuwirken.

Und so informierten die Experten die Eltern der Oberstufenschüler/innen denn auch eingehend über verschiedene Aspekte im Prozess der Berufs- oder Studiengangswahl. Frau Dr. Nieskens von der Leuphana Universität etwa hielt einen Vortrag über Selbsterkundungsverfahren im Internet (heute auch Online Self-Assessments genannt, oder schlicht OSAs) und konnte darlegen, welche OSAs wie zu nützlichen Instrumenten der Berufsorientierung werden können. Am geeignetsten sei hier meist die geschickte Kombination von allgemeinen Orientierungsverfahren einerseits und berufsspezifischen Verfahren unterschiedlicher Hochschulen andererseits. Aus beiden Bereichen zeigte Nieskens Beispiele.

Herr Lennartz, erfahrener Beratungslehrer am KAV-Gymasium, beleuchtete Möglichkeiten, Kommunikationsbarrieren zwischen Eltern und Kindern zu überwinden, und resümierte wesentliche Erkenntnisse aus seinem Beraterdasein – z.B. die, dass man immer „dranbleiben muss, ohne zu nerven“, was auch bedeute, dass eine ohne elterliches Zutun sich um drei Uhr nachts ergebende Gesprächssituation mit dem Sohnemann immer einer zum bequemen Zeitpunkt forcierten vorzuziehen sei. Während Frau Liman vom AFS – Interkulturelle Begegnungen e.V. über Möglichkeiten für ein Brückenjahr referierte (Auslandsaufenthalte, Sprachcamps, Freiwilligendienste), legte Melanie Krüger von der Hochschule Hannover den Fokus auf Abiturientinnen: Sie stellte den Eltern das Niedersachsen-Technikum vor, ein sechsmonatiges Programm, das junge Frauen an Berufs- und Hochschulalltag im sogenannten MINT-Bereich heranführt, also an die nach wie vor stark von Männern dominierten Felder Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Warum“, fragte Krüger, „solle eine MINT-interessierte Abiturientin bestenfalls Mathelehrerin werden (wenngleich dies ein wichtiger, ehrenwerter Beruf sei), warum nicht Physikerin und Astronautin? Hier gelte es vor allem, Hemmschwellen abzubauen – und eben dies sei eines der Hauptziele des Technikums“.

In der Abschlussrunde im gesamten Plenum zeigten sich die Eltern zufrieden ob des umfangreichen Informationsangebots. Weder von „overnewsed“ noch von „underinformed“ konnte nun noch die Rede sein, eher von „thoroughly informed“.

Fotos: Peter Müller

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