HERMANNSBURG. „Mission auf Abwegen“ – dieser ungewöhnliche  Titel durchzog wie ein roter Faden das diesjährige Hermannsburger Missionsfest des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM) am vergangenen Wochenende. 500 Festgäste aus dem In- und Ausland ließen sich auf vielfältige Weise auf ihn ein.

„Vielleicht ist das das heutige Verständnis von Gottes Mission, eine Mission auf neuen Wegen und nicht auf ausgetretenen Pfaden zu sein“, griff Pastorin Sybil Chetty aus Südafrika das Motto in ihrer Festansprache auf. Dabei wies sie auf die aus ihrer Sicht gute Arbeit des ELM in seinen Partnerkirchen hin wie z.B. in der Armutsbekämpfung, Bildungsarbeit, der Entwicklung von Kirchen und Gemeinden, Menschenrechten, Geschlechtergerechtigkeit usw.

„Wir alle sind Teil von Gottes Mission“, so Chetty, die seit 2017 als ELM-Referentin für internationale Ökumene und als Pastorin in Osnabrück arbeitet. Doch manchmal erlebe man Mission im eigenen Leben auf Abwegen, „weil unsere Herzen noch nicht bereit sind zu akzeptieren, was Gottes Wille ist und wir nur auf unser eigenes Wohlergehen schauen“. „Sind wir bereit, auf Gott zu vertrauen, dass er aus dem Alten etwas Neues macht?“

„Wir sind herausgefordert durch den Auftrag Gottes“, sagte ELM-Direktor Michael Thiel. Und der erfordere vielleicht zwingend neue, für manche als Abweg empfundene Wege. „Es könnte doch sein, dass diese Abwege ein Weg in die Zukunft sind“, so Thiel.  „Manchmal hat Gott einen anderen Plan als wir. Darum gilt es, sich in der Nachfolge Jesu auch vorstellen zu können, einmal andere Wege zu gehen. Nicht um dem Zeitgeist zu folgen, sondern in der Nachfolge Jesu auch scheinbare Abwege für mögliche Wege zu halten. Mission heißt darum, Sorge zu tragen, dass Gottes Auftrag umgesetzt wird.“

Beispiele dafür gab es auf diesem Missionsfest in Form bespielgebender Projekte und Initiativen – ob als Projekt im Johannesburger Stadtteil Hillbrow, das jungen Menschen eine Perspektive für ihr Leben eröffnet,  als Projekte, die sich der Folgen von Flucht und Vertreibung annehmen oder als Freiwilligenprogramm, das jungen Erwachsenen aus dem globalen Süden und Norden einen „Seitenwechsel“ ermöglicht und sie zu einem sozialdiakonischen Dienst ins Ausland entsendet.

Sinnfällig, weil mit seinen innovativen und zukunftsweisenden Studieninhalten Beispiel für das Gehen neuer Wege, auch der Ort des Geschehens: die Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FiT). Als Nachfolgeeinrichtung des ehemaligen Hermannsburger Missionsseminars bereitet sie ihre Studierenden auf Arbeitsfelder und Berufe vor, die kultursensible und religionsübergreifende Kompetenzen erfordern.

All das fand in entspannter Atmosphäre, bei strahlendem Sommerwetter im Schatten hoher Eichen auf dem Campus der FIT statt, der wie in jedem Jahr ein interkultureller Begegnungsraum für Christinnen und Christen aus aller Welt war. Dazu trugen auch wieder die vielen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden bei.

Für zwei der beschriebenen „Abwege“ ist in diesem Jahr auch die Kollekte des Missionsfestes in Höhe von über 4.000 Euro bestimmt. Weitere Spenden mit dem Stichwort „Missionsfest“ kommen ebenfalls dem Seitenwechsel junger Freiwilliger und dem Projekt in Hillbrow zugute (ELM-Spendenkonto DE54 2575 0001 0000 9191 91).

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