Vom Taxifahrer zum Top-Mediziner - Neuer Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am AKH

Medizin Von Extern | am Di., 11.08.2020 - 17:35

CELLE. Er hat in Teheran sein Abitur gemacht, in München studiert und ist seit 2006 als leitender Oberarzt in Celle tätig: Dr. med. Kayvan Baharmast kann auf einen spannenden Lebenslauf zurückblicken, der nun um eine Station reicher ist: Seit Kurzem ist er neuer Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Celle. Er tritt die Nachfolge von Dr. med. Uwe Brune an, der sich in den Ruhestand verabschiedet hat.
 
„Ich bin als erstes Kind meiner Eltern 1962 in Bandar Anzali, der größten iranischen Hafenstadt am kaspischen Meer geboren“, erzählt Baharmast. Der Vater war Internist – und so war es nicht überraschend, dass auch der Sohn Mediziner werden würde. Doch der Weg dahin war steinig. „Im Rahmen der sogenannten Kulturrevolution und wegen des Iran-Irak-Krieges kam es 1980 zur landesweiten Schließung der Universitäten und Hochschulen im Iran. Mein Ziel, Humanmedizin zu studieren, konnte ich deswegen zunächst nicht verfolgen“, erinnert sich der heutige Chefarzt. Die folgenden Jahre verdiente er sein Taschengeld mit verschiedenen Gelegenheitsjobs – unter anderem als Taxifahrer, Vertreter oder Nachhilfelehrer. 

1983 beschloss die Regierung in Teheran, 1500 Studenten ins Ausland zu schicken. Voraussetzung war das erfolgreiche Bestehen eines landesweiten Examens, an dem mehr als 35 000 junge Frauen und Männer mit Abitur teilnahmen. „Ich habe das Examen bestanden. Mit Hilfe eines Schulfreundes, der damals bereits in München studierte, bekam ich ein Visum für Deutschland und durfte offiziell ausreisen“, erzählt Baharmast. Die erste Station im März 1984 in Deutschland war München. Nach Deutschkursen und einem Studienkolleg studierte Baharmast von 1986 bis 1993 Humanmedizin an der dortigen Ludwig- Maximilians-Universität. In der Folge war er als Arzt unter anderem in Göttingen, Bad Kissingen, Hannover und Peine tätig. 

Seit 2001 ist Dr. Baharmast Facharzt für Allgemeinchirurgie, seit 2004 führt er die Zusatzbezeichnung „Gefäßchirurgie“ und seit 2010 ist er von der Deutschen Gesellschaft der Gefäßchirurgie als „endovaskulärer Spezialist“ zertifiziert. „Als ein solcher Spezialist lege ich besonderen Wert auf moderne und schonende Operationstechniken, die ich weiter voranbringen möchte“, sagt der neue Chefarzt der Gefäßchirurgie des AKH, der laut AKH auch fundierte Kenntnisse in der Doppler- und Duplexsonographie besitzt und in den Bereichen Strahlenschutz, Röntgendiagnostik der Gefäße und Rettungsmedizin fachlich kundig ist. 

Der Zusatz „endovaskulär“ bedeutet dabei in etwa „im Inneren des Gefäßes“ – die Operation findet also als minimaler Eingriff statt. Eine Technik, die die Patientinnen und Patienten zu schätzen wüssten. „Die Zufriedenheit der Menschen, die von mir und meinem Team behandelt werden, steht an erster Stelle“, unterstreicht der verheiratete Vater dreier Kinder. Das schafft laut AKH Vertrauen – auch im Hinblick auf die zuweisenden Ärztinnen und Ärzte, mit denen er auch in seiner neuen Position eng und unkompliziert zusammenarbeiten möchte. 

Von 2006 bis 2010 war Baharmast Leitender Oberarzt der Klinik für vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie in Celle, zunächst am Standort Krankenhaus St. Josef-Stift und seit der Zusammenführung der Celler Krankenhäuser im Januar 2011 am Standort Allgemeines Krankenhaus Celle. Und jetzt ist Dr. Baharmast also Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie des AKH. Die Gefäßchirurgie bzw. Gefäßmedizin befasst sich mit Erkrankungen der Blutgefäße. Dazu heißt es aus dem AKH: Am häufigsten treten dabei durch Kalkablagerungen bedingte Verschlüsse und Verengungen der Schlagadern (Arterien) auf, die zu Durchblutungsstörungen in verschiedenen Abschnitten des Körpers führen können. Die Gefäßchirurgie behandelt diese Durchblutungsstörungen mit verschiedenen therapeutischen Ansätzen. Neben den arteriellen Erkrankungen kommen verschiedene Formen venöser Erkrankungen vor, am häufigsten Krampfaderbildungen. „Wir bieten das gesamte Spektrum der modernen gefäßmedizinischen Behandlungen und somit wohnortnahe Versorgung der Patientinnen und Patienten auf aktuell sehr hohem medizinischen Niveau“, erläutert der Chefarzt. „Das neugestaltete hochmotivierte ärztliche Team der Gefäßchirurgie ist eine optimale Mischung aus erfahrenen und jungen Kollegen.“ 
Dr. Martin Windmann, Vorstandsvorsitzende der AKH Gruppe, zu der das AKH Celle gehört, freut sich "außerordentlich, dass der Chefarztposten mit einem Top-Mediziner aus den eigenen Reihen besetzt werden konnte". „Die Expertise von Dr. Baharmast wird allseits geschätzt, er kennt das Haus und genießt höchstes Vertrauen bei seinen Patientinnen und Patienten sowie den ärztlichen Kollegen. Wir sind überzeugt, dass er die neue Aufgabe bestens meistern wird“, erklärt Windmann abschließend.